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11.125 Schritte in den Herbst



Ich musste heute raus.

Einfach raus.


Nach Tagen drinnen, in denen die Luft ein bisschen zu still und der Kopf ein bisschen zu laut war, zog es mich nach draußen. Es war nicht allzu kalt für den 18. Oktober 2025 – diese besondere Jahreszeit, in der der Herbst sein ganz eigenes Farbkonzert spielt.


Schon nach den ersten Metern fühlte ich, wie die Luft klarer wurde. Wie sie riecht, wenn die Bäume loslassen – eine Mischung aus feuchtem Laub, Erde und einem Hauch von Vergänglichkeit. Ich war heute nicht in meinem Lieblingswald, aber das war egal. Natur ist Natur, und manchmal ist sie einfach da, um uns leise zu sagen: „Schau hin, das reicht schon.“


Die Blätter lagen wie ein Teppich aus Bernstein, Kupfer und Gold unter meinen Schritten. Bei jedem Tritt ein leises Rascheln, fast wie ein Gespräch zwischen Erde und Himmel. Über mir ein Ast, der im Wind schwankte – stolz, obwohl er seine Krone bald verlieren wird.


Zwischen den Zweigen huschte ein Eichhörnchen, hektisch und doch zielstrebig. Ein Feldhase drehte sich ganz kurz um, schute mich na als würde er sagen "Gut so" bevor er hinter einem Busch verschwand. Es erinnerte mich an Menschen im Alltag – immer auf der Suche nach dem, was sie noch brauchen, ohne zu merken, wie viel sie längst haben.

Ein Vogel zog seine Kreise über einer kleinen Wiese, auf der sich der Tau noch an den Halmen festhielt, als wollte er den Morgen nicht loslassen.


Manchmal, wenn man lange genug geht, fängt die Natur an, mit einem zu reden. Nicht laut, sondern in kleinen Zeichen. In der Art, wie das Licht durch die Blätter fällt. Wie sich der Wind plötzlich ändert. Wie eine Sonne durch die Wolken blinzelt, gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet.


Ich blieb an einem alten Ahorn stehen. Sein Stamm war rissig, aber kraftvoll. Über die Jahre hatte er viel gesehen, so viel ertragen – und stand doch noch immer da. Ich dachte: Vielleicht ist das die leise Lektion des Herbstes. Er ist immer da.

Das kann nicht jeder.


Ein Stück weiter sah ich eine Bank, halb versteckt unter einem Teppich aus bunten Blättern. Jemand hatte dort vor mir gesessen – die Spuren im Laub verrieten es. Vielleicht ein Mensch mit denselben Gedanken, vielleicht jemand, der einfach nur kurz die Welt angehalten hat.


Ich setzte mich. Atmete.

Und in dieser Stille – in der kein Geräusch zu laut und kein Gedanke zu schwer war – spürte ich, wie gut es tut, einfach zu sein.


11.125 Schritte. Kein Ziel, keine Route, kein Plan. Nur die sanfte Erinnerung, dass die Welt sich auch ohne unser Zutun dreht – und dass sie dabei wunderschön ist.


Ich sag’s, wie’s ist:

Ich ging hinaus, um den Kopf auszulüften.

Und kam zurück, mit einem Herzen, das ein kleines bisschen leichter war. 🍂

 
 
 

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