Ein Tag, an dem ich mich mochte
- Christoph

- vor 6 Stunden
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Es gibt diese Tage, die beginnen nicht besonders.
Nicht, weil die anderen Tage schlecht wären –
sondern weil manche Tage einfach leiser anfangen als andere.
Kein großes Vorhaben.
Kein innerer Trommelwirbel.
Kein „Heute wird alles anders“.
Einfach ein Tag.
Ich bin aufgestanden, habe nichts Weltbewegendes gedacht
und mich trotzdem nicht beeilt, irgendwo anzukommen.
Der Kaffee war gut, nicht spektakulär.
Die Luft draußen hatte diese unentschlossene Mischung aus „Ich könnte freundlich sein“
und „Verlass dich nicht drauf“.
Alles ganz normal.
Und vielleicht war genau das der Anfang.
Im Laufe des Tages habe ich Dinge getan,
die ich auch an anderen Tagen tue.
Ich habe Gespräche geführt.
Zu viel nachgedacht.
Zu wenig erklärt.
Ich habe gelächelt, ohne einen Grund liefern zu können.
Und an ein, zwei Stellen bewusst nichts gesagt.
Nicht aus Taktik.
Nicht aus Trotz.
Sondern aus diesem Gefühl heraus,
dass man nicht überall seine Meinung abstellen muss wie einen Regenschirm.
Manche Gedanken dürfen einfach bei einem bleiben.
Es gab keinen Moment,
in dem ich mir dachte: „Ah. Jetzt. Das ist er. Der große Wendepunkt.“
Eher das Gegenteil.
Und irgendwo zwischen diesen ganz normalen Momenten
kam ein Gedanke, den ich gut kenne –
der sich an diesem Tag nur ungewöhnlich klar angefühlt hat.
Kein Satz.
Kein Mantra.
Eher so etwas wie ein inneres Nicken.
Dieses stille Einverständnis mit sich selbst.
Ich habe mich nicht besonders klug gefühlt.
Nicht besonders mutig.
Nicht besonders richtig.
Ich habe mich einfach nicht verstellt.
Ich habe Dinge gemocht, die ich mag.
Habe über Sachen gelacht, die ich lustig finde –
auch wenn sie sonst niemand lustig gefunden hätte.
Ich habe Entscheidungen getroffen,
ohne sie mir selbst zu erklären.
Und das war fast neu.
Oder besser gesagt: ungewohnt ruhig.
Es gab keine große Selbstanalyse.
Kein inneres „Das musst du dir merken“.
Keine Notizen fürs Leben.
Nur dieses Gefühl,
dass man sich selbst heute kein Hindernis war.
Und das ist mehr, als es klingt.
Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis:
Dass man glaubt, sich selbst mögen müsse sich groß anfühlen.
Wie ein Erfolg.
Wie ein Ziel.
Wie etwas, das man sich erarbeitet.
Dabei ist es manchmal einfach nur das Ausbleiben von Widerstand.
Kein inneres Augenrollen.
Kein Sich-selbst-im-Weg-Stehen.
Kein „Warum bist du so“.
Ein Tag, an dem ich mich mochte,
war kein Gegenentwurf zu anderen Tagen –
sondern eine besonders klare Version davon.
Nicht besser.
Nicht höher.
Nicht weiter.
Nur ehrlicher.
Und vielleicht ist das das Schönste daran:
Dass man diesen Tagen nicht nachjagen kann.
Dass sie nicht kommen, wenn man sie plant.
Und nicht bleiben, wenn man sie festhalten will.
Sie passieren.
Unaufgeregt.
Zwischen Terminen, Gedanken und ganz normalen Momenten.
Ich sag, wie’s ist.
Ein Tag, an dem ich mich mochte, war kein besonderer Tag.
Aber ein guter.



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