25 Cent Universum
- Christoph

- 3. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
(oder: Wie eine leere Flasche dein Leben verändern kann)

Freunde, Freunde, Freunde...
Pfand. 25 Cent pro Flasche. Dose. Plastik. Glas. PET.
Ich weiß gar nicht, was heutzutage alles Pfand hat – aber ich weiß, dass sich daraus etwas entwickelt hat, das mehr ist als nur Müllvermeidung.
Es ist ein System. Eine Szene. Eine Art... Bewegung.
Der Supermarkt nimmt’s zurück, dank dieser retro-futuristischen Flaschenfressautomaten, bei denen man nie ganz sicher ist, ob sie deine Flasche jetzt wirklich genommen haben oder ob du sie aus Versehen einer künstlichen Intelligenz verfüttert hast, die heimlich an einem Superhirn aus Cola-Flaschen arbeitet.
Was passiert eigentlich mit den Flaschen, nachdem sie in der Röhre verschwinden?
Mein Gehirn beginnt automatisch zu spinnen:
Werden sie gereinigt und geklont?
Wird aus einer alten Sprite-Flasche vielleicht ein Hocker bei IKEA?
Oder eine Handyhülle?
Oder ein Strohhalm für die Business-Class im Emirates-Flieger?
Oder – noch besser – ein Funktionsshirt für Leute, die bei 12 Grad joggen gehen?
Wer weiß. Im Sinne der Sustainability bestimmt was Gutes. Wahrscheinlich. Vielleicht.
Und nein – ich vermute dahinter jetzt nicht gleich mal eine Recycling-Mafia.
Positiv denken hilft, Freunde.
Aber in Wahrheit ist da längst mehr draus geworden:
Pfand ist Job. Pfand ist Industrie. Pfand ist Lifestyle.
Willkommen im Jobportal der Pfandökonomie:
• Reverse Logistics Consultant
• Senior PET Flow Manager
• Can Acquisition Specialist (m/w/d)
• Head of Bon Scanning
• Leergut Relationship Coordinator
• Circular Economy Influencer
Und mein persönlicher Favorit:
• Wealth Transformation Officer
Ich stell ja nur fest.
Die Parks werden sauberer.
Ich sehe Menschen – alt, jung, sichtbar oder unsichtbar – die damit scheinbar ihren Alltag finanzieren.
Und ganz ehrlich: Ist das nicht irgendwie... schön?
Für manche ist’s ein Nebenverdienst, für andere vermutlich eine Notwendigkeit.
Was ich sehe: Stolze Menschen mit Blick für Ordnung, mit System, mit Ausdauer.
Wertschätzung wäre da vielleicht mal angebracht – statt Stirnrunzeln und falschem Mitleid.
25 Cent – zweimal und du hast ein Semmerl.
(An alle, die jetzt fragen „Was ist Pfand?“: Fragt eure Haushälterin oder den Lieferdienst.)
Aber: Ich sehe auch Maschinen, die regelmäßig den Geist aufgeben.
Fehlermeldung. Alles blinkt. Die Schlange wird länger. Die Stimmung... speziell.
Wie gestern. Ich mit meinen zwei leeren Mineralwasserflaschen.
Vor mir:
– Drei Bundesbedienstete mit Säcken voller Pfand
– Drei Bauarbeiter mit noch mehr Säcken
– Und ein junger Mann mit fünf großen Müllsäcken – Profi-Level, würde ich sagen
Ich sag nur: Oida.
Und plötzlich… reden wir.
Weil in dem Moment, in dem der Automat streikt, in dem niemand weiß, ob die Cola-Dose falschrum oder richtigrum liegt, passiert, was früher an der Supermarktkassa war:
Smalltalk 2.0.
Automaten-Sozialstudie.
Der Bundesbedienstete (etwas verschwitzt):
„Glauben’s, dass wir das dienstlich einlösen dürfen?“
Der Bauarbeiter grinst:
„Wenn ihr’s für die Kantine nehmt, is es sicher erlaubt.“
Der junge Typ mit den fünf Säcken murmelt:
„Ich hab 17 Euro beim letzten Mal rausgeholt, Bruder.“
Ich sag:
„Na gut, dann kann ich mir bald ein Kipferl leisten – für mein Mineralwasser.“
Gelächter. Ein kurzer Moment der Gleichheit.
Am Automaten sind wir alle gleich:
Pfandbürger in einer stillen Recycling-Republik.
Ich denk mir:
Ist das vielleicht das neue Kommunikationszentrum?
Hat der Rückgabeautomat das „Wie geht’s“ an der Kassa abgelöst?
Reden wir bald nur mehr, wenn die Dose klemmt?
Und ich?
Ich schieb meine zweite Flasche in den Schlund,
drück auf „Bon ausdrucken“
und krieg 50 Cent.
Ich sag, wie’s ist:
In dem Moment hat mich ein leeres Mineralwasser mehr verbunden mit der Welt, als jedes Social Media Posting.
Und ehrlich – das war gut.



Bei mir heißt das Rakebacksystem🤣 Wenn ich beim spazieren gehen eine Flasche finde, nehme ich sie tatsächlich mit. Ich sag mir dann 4 Flaschen sind auch ein Euro. Ist das verrückt oder Wertschätzung?
Genau beobachtet. Irgendwie rührend, wenn es es nicht auch traurig wäre