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Die kleinen Siege, über die man nicht spricht


Es gibt diese Tage, da passiert nichts Weltbewegendes.

Kein Applaus.

Kein Schulterklopfen.

Keine Story, die man groß erzählen würde.


Und trotzdem geht man am Abend ein bisschen aufrechter ins Bett.

Nicht, weil man etwas Großes geschafft hat.

Sondern weil man ein paar kleine Dinge nicht vermasselt hat.


Und manchmal ist genau das schon erstaunlich genug.


Erster kleiner Sieg: das Blumengeschäft.

Ich war drin.

Freiwillig.

Ohne Fluchtplan.


Ein Raum voller Farben, Gerüche, Bedeutungen.

Und ja – für mich sind Blumen nie einfach nur Blumen.

Die eine gehört zu einem Menschen.

Die andere zu einer Erinnerung.

Die dritte kauft man besser gar nicht, weil sie zu viel erzählt.


Normalerweise bin ich da überfordert.

Nicht laut.

Eher innerlich.

So eine stille Überforderung, die sagt:

„Du denkst zu viel. Schon wieder.“


Aber diesmal nicht.


Diesmal wusste ich:

Es geht um eine Fünfjährige.

Geburtstag. Die Tochter von Freunden

Wunsch: Blumen.

Weil Berufswunsch mit 5!!!! Blumenverkäuferin


Nicht meine Blumen.

Nicht die mit Geschichte.

Nicht die mit Bedeutungsschwere.


Also habe ich etwas gefunden, das leicht war.

Bunt.

Ein bisschen schief.

Ein bisschen verspielt.


Und ich habe sie gekauft,

ohne sie jemandem aus meinem Leben zuzuordnen.


Das war neu.

Und ehrlich gesagt: ein kleiner Sieg.


Zweiter kleiner Sieg: nicht alles erklären.


Es gab heute einen Moment,

da hätte ich etwas richtigstellen können.

Ausführen.

Kontext liefern.

Nebensätze bauen.


Ich habe es nicht getan.


Ich habe genickt.

Gelächelt.

Und den Satz einfach stehen lassen.


Nicht aus Gleichgültigkeit.

Sondern aus Müdigkeit.


Man muss nicht alles retten.

Nicht jede Aussage.

Nicht jedes Missverständnis.


Manchmal ist es ein Erfolg,

wenn man sich selbst nicht dauernd korrigiert.


Dritter kleiner Sieg: kein Drama draus machen.


Etwas ist nicht so gelaufen, wie ich es mir gedacht hatte.

Überraschung.


Früher hätte ich das analysiert.

Zerpflückt.

Innerlich neu inszeniert.


Heute nicht.


Heute habe ich gedacht:

„Okay. War das jetzt ideal? Nein.

War es tragisch? Auch nicht.“


Und bin weitergegangen.


Das klingt banal.

Ist es aber für mich nicht.


Und dann gab es noch diese Mini-Momente dazwischen.

Ein Lächeln zur richtigen Zeit.

Ein Satz, den ich nicht gesagt habe.

Eine Entscheidung, die sich leicht angefühlt hat.


Keine davon taugt für Heldengeschichten.

Aber alle zusammen machen einen Tag.


Ich habe nichts Großes gewonnen.

Ich habe niemanden gerettet.

Ich habe keine Schlachten geschlagen.


Aber ich war heute…

ziemlich okay.


Und das reicht manchmal völlig.


Ich sag, wie’s ist:

Ich bin kein Held –

aber heute war ich ziemlich okay.

 
 
 

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