top of page

4 Anrufe. du ahnst es nicht...


Man stelle sich das bitte vor:


Ich bin in Paris.

Nicht irgendwo. Paris.


Die Art von Paris, bei der selbst das Gehen eleganter wirkt.

Bei der selbst das Warten auf Grün an der Ampel eine ästhetische Entscheidung ist.


Und dann passiert es.


Anruf Nummer 1.

Ich stehe gerade beim Arc de Triomphe.

Touristen fotografieren sich gegenseitig, als gäbe es kein Morgen.

Ich versuche, halbwegs würdevoll nicht über eine Selfiestange zu stolpern.


Das Handy klingelt.

Ich sehe die Nummer.

Denke: Ach.

Drücke weg.

Paris.


Anruf Nummer 2.

Ich gehe die Champs-Élysées entlang.

Links Luxus.

Rechts Luxus.

Und ich irgendwo dazwischen mit diesem Gefühl, dass man eigentlich nichts braucht außer gutes Licht.


Das Handy klingelt wieder. Gleiche Nummer.

Jetzt beginne ich zu rechnen.

Zweimal in kurzer Zeit? Hm.


Ich gehe nicht ran. Vielleicht ein Versehen.


Anruf Nummer 3.

Ich sitze mittlerweile auf einer kleinen Bank nahe der Seine.

Die Sonne steht tief.

Ein Straßenmusiker spielt etwas, das verdächtig nach „La vie en rose“ klingt.


Das Handy klingelt wieder.

Dreimal. Jetzt denke ich:


Okay.

Das ist entweder existenziell

oder organisatorisch maximal eskaliert.


Ich beschließe, später zurückzurufen.

Man will ja nicht zwischen Akkordeon und Abendlicht über Notfälle sprechen.


Anruf Nummer 4.

Ich stehe vor einer Boulangerie.

Überlege ernsthaft, ob ein Croissant als Abendessen durchgeht.

Da klingelt es wieder.


Gleiche Nummer. Viermal in einer Stunde.


Jetzt weiß man: Das ist wichtig.

Also rufe ich zurück.

„Ja? Was ist passiert?“

Die Stimme am anderen Ende, aufgeregt, dringlich:

„Ich muss dir ganz dringend was erzählen!“

Ich innerlich: Gut. Jetzt kommt es.

„Ich lese gerade ein Buch. Von einem Dr. Dr. H. Über 200 Seiten. Wie man gesund alt wird. Das ultimative Rezept!“

Kurze Pause. Ich starre auf die Pariser Fassade vor mir.

„Aha.“ „Du musst viel grünen Tee trinken! Und Hühnersuppe! Ganz wichtig! Steht da alles drin!“


Ich schweige. Nicht wegen der Verbindung.

Sondern wegen der Kombination.

Grüner Tee. Und Hühnersuppe.


Ich bin in Paris.

Umgeben von Wein, Käse, Baguette und Patisserie.

Und die Rettung meines Lebens liegt offenbar in einer Mischung aus fernöstlicher Zeremonie und bäuerlicher Geflügelbrühe.


Vier Anrufe. Für Hühnersuppe?

Gesagt habe ich – natürlich:


„Danke dir. Das ist sehr lieb von dir. Ich kümmere mich gleich darum, wenn ich wieder zurück bin.“


Was sagt man auch?

„Tut mir leid, ich altere heute bewusst riskant zwischen Croissant und Bordeaux“?

Und während ich auflege, muss ich lachen.


Da liest jemand 200 Seiten. Markiert vermutlich Textstellen.

Denkt nach. Und entscheidet dann:


Das muss sofort weitergegeben werden.

International. Zeitnah. Mit Nachdruck.


Ich stehe in Paris.

Schaue auf die Lichter der Stadt.

Und denke:


Es gibt Menschen, die dich viermal anrufen,

weil sie wollen, dass du lange lebst.


Mit Tee. Und Suppe.


Ich sag wie’s ist:

Wer mich kennt, weiß wer mich da angerufen hat 😂 Familie logisch, oder?

Wenn das dringendste Thema meines Tages zwischen Triumphbogen und Boulangerie

Hühnersuppe ist, dann geht es mir wahrscheinlich ganz gut.

Aber vielleicht warte ich mit dem grünen Tee noch bis ich zurück bin.

Paris hat da andere Pläne. 😉

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page