Kaum zu glauben
- Christoph

- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Ich habe heute etwas gemacht,
was man selten freiwillig tut:
Ich habe meine eigenen Texte gelesen.
Nicht die, die online sind.
Nicht die, die einfach rausgehen.
Nicht die, bei denen ich mir denke:
„Ja… passt.“
Sondern die anderen. Fünf Stück.
Fünf Texte, die fertig sind.
Wirklich fertig.
Nicht halb.
Nicht roh.
Nicht unfertig.
Und das ist vielleicht das Seltsamste daran:
Ich habe an ihnen kaum geschrieben.
Zumindest nicht so, wie man das kennt.
Nicht dieses klassische Feilen am Satz, nicht dieses Optimieren,
nicht dieses „noch ein bisschen schöner machen“.
Aber…ich feile trotzdem. Nicht am Text. Sondern an mir.
Weil diese fünf Texte etwas haben, was die anderen so nicht haben:
Gewicht.
Ich lese sie.
Und denke mir: Kaum zu glauben.
Kaum zu glauben, dass ich so sarkastisch sein kann.
Kaum zu glauben, dass ich in genau dieser Situation so gedacht habe.
Kaum zu glauben, dass ich über manche Menschen mittlerweile so denke.
Kaum zu glauben, dass ich mich… so täuschen konnte.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Ich meine das alles. Jeden Satz.
Ohne Einschränkung.
Und genau deshalb liegen sie da.
Nicht, weil sie nicht gut sind.
Nicht, weil sie unfertig sind.
Nicht, weil ich unsicher bin.
Sondern weil sie zu nah sind.
Diese Texte sind nicht „ich ein bisschen“.
Diese Texte sind ich ohne Abstand. Und das verändert alles.
Bei den anderen Texten drücke ich auf „Veröffentlichen“
und denke nicht lange nach.
Bei diesen fünf… bleibt der Finger kurz davor stehen.
Immer wieder. Nicht aus Angst.
Eher aus einem sehr klaren Gefühl:
Wenn ich das jetzt veröffentliche, dann gebe ich es wirklich zu.
Und vielleicht bin ich da noch nicht ganz.
Nicht, weil ich es nicht kann.
Sondern weil ich merke, dass diese Texte nicht einfach raus wollen.
Die wollen… richtig raus. Oder gar nicht.
Und so passiert etwas Eigenartiges:
Sie sind fertig.
Und gleichzeitig bleiben sie genau dort, wo sie sind.
Kurz vor Veröffentlichung.
Nicht zurückgezogen.
Nicht verworfen.
Nur… genau davor.
Vielleicht ist das sogar ihr Platz.
Dieser schmale, fast schon poetische Raum
zwischen:
„Ich habe es gedacht“ und „Ich zeige es der Welt.“
Vielleicht ist genau dort ihre Bedeutung.
Und vielleicht feile ich deshalb an ihnen.
Nicht mit Worten.
Sondern mit mir selbst.
Bis irgendwann dieser Moment kommt, in dem der Abstand nicht mehr notwendig ist.
Oder ich erkenne:
Dass genau dieser Abstand der Grund ist, warum sie existieren.
Ich sag, wie’s ist:
Manche Texte sind nicht dafür gemacht, veröffentlicht zu werden.
Sondern dafür, dich zu verändern, bevor du es tust.
Zumindest ist das der Stand der Dinge heute am 20. 3. 2026 um 21.45 Uhr



Kommentare