45 Cent und (k)eine Ausfahrt
- Christoph

- 21. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
(Wie ich nur tanken wollte – und plötzlich über alles nachdachte.)

Freunde, Freunde, Freunde.
Heute früh musste ich los – zeitig, wie man so schön sagt. Und dann: Tankanzeige fast leer. Also anhalten – keine Alternative. Stadtautobahn, Tankstelle.Der Preis: 45 Cent mehr pro Liter als üblich.Warum? Keine Ahnung. Vermutlich, weil es keine andere Option gab.
Das wirklich Absurde daran: Die Raffinerie der betreffenden Mineralölfirma liegt keine 500 Meter von dieser Tankstelle entfernt.Gut – Logistik, sagt man dann. Ob das hier irgendeine Rolle spielt? Ich bezweifle es.
Was allerdings sehr wohl eine Rolle spielt: Ich hatte das Gefühl, man will mich schlicht für dumm verkaufen. Viellelicht bin ich ja auch ein wenig überspitzt heute, aber was solls😀
Schreibe ich der Chefetage, würde vermutlich eine Antwort kommen wie:„Aufgrund der angespannten Lage in nahen Osten ...“Ach so? Natürlich, das wird es sein, so einfach geht´s dann...
Und weiter? Dann schalten sich die üblichen Stimmen ein – jene gelangweilten, mittelmäßig gebildeten Meinungsträger*innen, die uns ständig suggerieren, es gäbe da eine „Elite“, die unser aller Leben lenkt (was für eine Ironie). Sie greifen das Thema auf, füllen es mit Angst, Empörung und sonst noch schwer nachvollziehbaren Theorien.
„Wir haben es doch immer schon gesagt!“Ölpreis im Steigflug – gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch der Gesellschaft.
Und währenddessen? Die Mineralölfirma beauftragt sich selbst – inklusive eines Dutzends externer Marketingexpertinnen – mit der Entwicklung einer neuen Corporate Identity.Das Ergebnis? Ein neues, natürlich grünes Logo. Dessen Bedeutung ist so tiefgründig, man bräuchte einen Marketingdolmetscher. Aber hey – wir sind grün!
Und wir waschen auch grün. Am besten gleich in der firmeneigenen Waschanlage, inkl. Felgenpflege und Sternpolitur. Weil: Auswahl ist wichtig – von Standard bis „Premium Plus“, alles ist möglich.
Aber ich hätte sogar etwas gewinnen können: Wer über 30 Liter tankt, kann mit der Rechnungsnummer an einem Online-Gewinnspiel teilnehmen.Mit Glück – ganz wie beim Lotto – winkt ein Gratiskaffee.Toll.
Rechnen wir kurz:
50 Liter × 45 Cent = 22,50 Euro Mehrkosten.
Für viele: lästig.
Für andere: existenziell.
(Dass die Rechnung nicht ganz aufgeht, ist klar. Eigentlich müsste man noch den realen Rohölpreis-Anstieg einrechnen, geschätzte wieviel %, plus die Chance auf den Kaffee, den Hauptgewinn – was auch immer der ist ...)
Was geht eigentlich zurück in die Gesellschaft?
Vielleicht erklärt mir der CEO persönlich:„Ich unterstütze privat jemanden aus meinem Umfeld, dem es nicht so gut geht.“Meine Antwort wäre: Schön. Aber vielleicht nicht nur zurück in die eigene Blase – sondern in die Gesellschaft insgesamt, Herr/Frau Vorstand aus dem teilverstaatlichten Konzern.
Denn: Beim Spritpreis fängt es an. Er finanziert jene, die mit düsteren Prognosen drohen. Und während sie uns das erzählen, sitzen sie in ihren Gärten – stilvoll, versteht sich – und lassen Mitgefühl aufblitzen. Um dann beiläufig zu erwähnen, dass sie den Waffenschein machen. Nicht wegen Bambi. Sondern – man weiß ja nie. Und das Schlimme: Viele nicken.
Ich bin mittlerweile müde. Nicht gleichgültig – aber müde. Sie sind nicht mehr so laut, aber dafür wirksamer. Ziehen sich in ihre eigene Welt zurück. Von außen dringt nichts mehr durch – schon gar keine Argumente.
Und ich? Ich Schlauberger mach was? Viel zu wenig.
Ich rege mich auf, fluche in mein Lenkrad –und schreibe Blogbeiträge.
Aber ich bleibe dabei: Die Blase wird platzen.
Meine vielleicht auch. Aber nicht aus Ignoranz, Angstmacherei oder Profitgier –sondern wohl eher aus medizinischen Gründen.
Denn: Ich will doch einfach nur, dass wir GEMEINSAM nachdenken. Von rechts, links, oben, unten – egal. Aber bitte: miteinander.
Seufz.
Das war eigentlich alles, was ich sagen wollte.
Ich sag, wie’s ist:
Ich hab mich beim Autofahren so geärgert, dass ich mit dem überteuerten Sprit gleich mal 30 Kilometer zu weit gefahren bin. Ausfahrt übersehen. Zu sehr im Kopf unterwegs. Benzin im Tank, Wut im Bauch –und natürlich keine Gratiskaffeemaschine in Sicht.
Und das alles wegen 45 Cent.



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