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Wenn eine 5-Jährige dein Tempo vorgibt…

(Oder: ganz platt: Der Weg ist das Ziel)

Freunde, Freunde, Freunde…

Warum mir das gerade einfällt keine Ahnung 😀

Ich war letzte Woche mit einer Fünfjährigen unterwegs.

Wir waren eine kleine Runde, Sommertag, Spielplatzbesuch u.v.m..

Eigentlich eine einfache Sache.


Vielleicht 200 Meter bis dorthin.

Wir haben knapp 30 Minuten gebraucht.


Nicht, weil sie gestürzt wäre.

Nicht, weil ich mich verlaufen hätte.

Sondern weil sich – wie Fünfjährige das eben tun – die Welt nicht im Vorbeigehen erledigt.


Während alle anderen – inklusive Mama und Papa – längst weiterliefen,

drängten, Zeit im Blick, Ziel im Kopf,

bin ich einfach stehen geblieben.

Hab mir die Zeit genommen, die sie sich sowieso nahm.


Denn da war eine Schnecke.

Ein Stein, der aussah wie ein Dinosaurierzahn.

Ein Käfer, der unbedingt einen Namen brauchte.

Eine Lacke vom Rasensprenkler, die getestet werden wollte – mit Schuhen, versteht sich.

Ein Grashalm, der gepfiffen hat, wenn man draufblies.

(Billigster Trick, um Kinder zu verzaubern – funktioniert trotzdem fast immer.

Meine Kartentricks hebe ich mir auf - ich bin ein großartiger Zauberer 👍😂)


Ein Zaun mit Blick auf eine alte Gartenhütte, über und über mit Efeu bewachsen –

sie war überzeugt, dort wohnt eine Hexe.

Und ehrlich: Ich hab kurz überlegt, ob sie recht haben könnte.


Ein Auto, das glitzerte.

Und ein Hund mit rotem Halstuch.

„Warum hat der das an?“

Ich wollte gerade irgendeinen pädagogisch wertvollen Satz aus dem Ärmel schütteln –

hab dann aber einfach gesagt: „Weil’s cool ist.“

Sie hat genickt. Diskussion beendet.


Das alles – ohne Kinder-iPhone, ohne Tablet „für alle Fälle“,

falls die Kleine dann doch mal müde vom Sandburgenbauen ist.

Keine Ablenkung. Keine sündteuren Spielzuge, die in Wirklichkeit nur den Ego-Trip eines Erwachsenen befriedigen..weils wurscht is...Nur die Welt.

Und zwei neugierige Augen, die sich nichts entgehen lassen wollten.


Wir kamen jedenfalls 20 Minuten später an als alle anderen.

Sie saßen schon auf der Picknickdecke, hatten Obst geschnitten, Getränke verteilt, Gespräche angefangen.


Wir kamen mit einer Schneckengeschichte, zwei Grasflecken (nebenbei: im Maßkleidchen für eine 5-Jährige..????), einem Stock, der angeblich „magisch“ war, und einem Lächeln, das sich nicht planen ließ.


Hat jemand gefragt, warum wir so lange gebraucht haben?

Vielleicht.

Hat es eine Rolle gespielt?

Keine.



Ziele setzen ist gut.

Ziele erreichen auch.

Aber wenn man dafür jedes „Schau mal!“

und jedes „Warte kurz, ich will noch…“

zur Seite schiebt –

dann kommt man zwar früher an,

aber vielleicht mit weniger erlebt.


Ziele setzen heißt, Handlungen in Bewegung bringen.

Aber manchmal bringt uns genau das Innehalten dorthin, wo’s wirklich gut ist.


Der Tag hat mich gut müde gemacht.

Nicht wegen der Sonne. Nicht wegen der Strecke.

Sondern wegen der vielen kleinen Eindrücke, die man nicht mal schnell in einen Kalender eintragen kann.


Ich sag wie´s ist:

Auch ich hatte an dem Tag viel Neues.

Danke junge Dame!

Und jedes Gähnen, das ich dann am Abend hatte, war es 1000x wert.👍

 
 
 

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