Fast 6 Monate cleanđ. Und dann das.
- Christoph

- 31. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
(Zwischen RĂŒckfall, Waldboden und einem Zuhörer mit Nadeln.)

Heute zÀume ich das Pferd mal von hinten auf.
Denn bevor ich erzÀhle, wohin ich vor ein paar Tagen gefahren bin (das kommt gleich), muss ich erzÀhlen, was passiert ist, nachdem ich von dort weggefahren bin.
Denn das Gute soll nachhallen nicht der Irrsinn!
Ich sitze also im Auto, lasse gerade ein paar Gedanken zwischen Blinker und Radiostille nachhallen â
đ Da klingelt mein Handy.
âHab dich grad im Auto gesehen â musste dich anrufen.â
Und dann gingâs los.
âHier erzĂ€hlt man herum du hĂ€ttest..."
Blablabla.
Lange Rede, kurze Sinnlosigkeit:
Lauter "kleine", schlechte Schauergeschichten ĂŒber mich â
serviert wie TiefkĂŒhlpizza: heiĂ gemacht, aber ohne NĂ€hrwert.
Ich hab mir das angehört â und mir nur gedacht:
Wie traurig das ist, dass es Menschen gibt,... ach egal auch...
Am Ende bin ich auf nichts davon eingegangen.
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Und jetzt â genug davon.
Hier kommt die eigentliche Geschichte, die ich erzÀhlen wollte.
Ich war ca. 6 Monate abstinent.
Und ich war fast ein bisschen stolz darauf.
Nicht weil es mir so gut ging â
sondern weil ich dachte, es ist nicht ganz so wichtig.
Aber das war ein Trugschluss.
Heute, an einem dieser seltsam fast schon wieder mal verschwitzten Sommertage,
zwischen zwei Terminen, die exakt nichts miteinander zu tun haben,
ist es einfach passiert.
Ich bin losgefahren, um Zeit totzuschlagen â
und dann hat das Auto ohne Vorwarnung abgebogen.
Nicht dorthin, wo ich hinwollte.
Sondern dorthin, wo ich immer gerne war.
Ich habâs erst gar nicht bemerkt.
Die Kreuzung war vorbei, die Entscheidung lÀngst gefallen.
Mein Körper kannte die Strecke besser als mein Kopf.
Ein Reflex.
Wie wenn man sich beim ZÀhneputzen plötzlich dabei ertappt, dass man dabei durchs Wohnzimmer geht.
Und da war er wieder.
Der Weg.
Der Wald.
Mein Wald.
Er sieht aus wie ein alter Bekannter.
Einer, dem man auf der StraĂe begegnet und höflich zunickt.
Aber dann bleibt man stehen, weil einem einfÀllt,
dass dieser Bekannte damals in Wirklichkeit viel mehr war.
Er hat nicht nur gehört.
Er hat zugehört.
Und das sind zwei sehr verschiedene Paar Schuhe.
Hören können viele â
aber zuhören ist eine Kunst.
Dazu gehört Geduld.
Und Raum.
Und eine Stille, die nicht leer ist, sondern voll von âIch bin da.â
Warum ich so lange nicht da war?
Keine Ahnung.
Vielleicht war ich abgelenkt.
Von Timelines, Headlines, Deadlines â
und den 247 Tools, die angeblich meine Aufmerksamkeit verbessern sollen,
aber in Wahrheit nur neue Tabs öffnen.
Und wenn man den ganzen Tag auf Conversion Rates starrt,
merkt man irgendwann nicht mehr, wenn man selbst lÀngst nicht mehr umgewandelt,
sondern einfach nur umgeleitet wird.
Ganz ehrlich:
Ich bin keiner, der dann dort unbedingt stehen muĂ, barfuĂ, mit geschlossenen Augen,
und den Wald spĂŒren muss.
Ich brauche keine Klangschale, denk ich.
Und ich hab auch keine App, die Baumarten bestimmt.
FĂŒr viele ist es einfach ein Wald.
Zum Spazierengehen.
FĂŒr mich istâs eben mein Wald.
Nicht mehr â aber eben auch nicht weniger.
Denn dieser Wald hat Föhren, die nach Italien duften,
Licht, das durch die Ăste fĂ€llt wie ein Urlaubstag,
und Wege, die nichts von einem verlangen auĂer:
Komm so wie du bist. Atme, geh, sei einfach da.
Ich sag, wieâs ist:
Wenn ein StĂŒck Wald mehr VerstĂ€ndnis zeigt als die meisten Menschen,
dann war das kein RĂŒckfall â
sondern ein Reminder.
Und vielleicht auch eine kleine Versöhnung.
Mit mir.
Mit dem, was noch vor uns liegt.
Und mit einem Wald, der mehr zuhört,
als so manche, die permanent reden.



Gibt so viele Menschen, die das tun nur um sich nicht mit den Irrsinn zu beschĂ€ftigen, den sie selber auffĂŒhren...aber schön das du wieder in deinem Wald warst, wusste gar nicht, dass du sowas hast...