Sprüche an der Wand.
- Christoph

- vor 2 Tagen
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag

Ich habe dieses Graffiti heute gesehen.
Im Vorbeigehen.
Und bin gedanklich daran hängen geblieben.
…und das alles
für ein Leben,
das nie deines war.
Nicht ist.
Und nie sein wird.
Ein Satz, der nicht fragt.
Der einfach da steht.
Und genau das macht ihn so unangenehm.
Weil man sich nicht rausreden kann.
Nicht mit Umständen.
Nicht mit „es hat sich so ergeben“.
Nicht mit „es passt eh“.
Denn wenn man ehrlich ist, dann hat man sich selten verlaufen.
Man hat entschieden.
Vielleicht nicht laut.
Vielleicht nicht bewusst.
Aber man hat zugestimmt.
Zu Dingen, die sich richtig anfühlen sollten.
Zu Wegen, die scheinbar Sinn gemacht haben.
Zu Erwartungen, die nicht die eigenen waren.
Und das funktioniert erstaunlich gut.
Ein Leben, das nicht deines ist, kann trotzdem perfekt aussehen.
Strukturiert.
Stabil.
Erklärbar.
Nur eines fehlt:
Die Person.
Und das ist das Problem mit solchen Leben.
Sie fallen nicht auseinander.
Sie laufen einfach weiter.
Tag für Tag.
Mit Struktur, mit Routinen, mit vermeintlicher Sicherheit, mit diesem Gefühl von
„so ist es“. Bis irgendwann dieser eine Gedanke kommt:
Leise.
Unaufgeregt.
Unangenehm klar.
„Was, wenn ich hier gar nicht gemeint bin?“
Keine große Krise. Kein Drama.
Nur dieser kleine Riss in etwas, das bisher so stabil gewirkt hat.
Und jetzt wird’s unangenehm:
Man kann das ignorieren. Wie alles davor.
Oder man muss sich eingestehen, dass man in die falsche Richtung gegangen ist.
Nicht, weil man es nicht besser wusste. Sondern weil es einfacher war.
Ich sag, wie’s ist:
Das Schwierigste ist nicht, was Falsches zu erkennen.
Sondern sich einzugestehen, dass man selbst dabei mitgemacht hat.
Und genau da wird es plötzlich still.



Kommentare