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App-solut ich.

(Oder: Warum ich jetzt zwei Bankberaterinnen und eine neue App habe.)

Reisepass

Freunde, Freunde, Freunde...

Wer mich kennt, weiß:

Wenn’s um Berufliches geht, oder um Menschen, die ich im Herzen hab –

da funktioniere ich wie ein Schweizer Uhrwerk auf meine Art.

Organisation? Kein Problem. Termine? Check. Lösungen? Sofort.


Aber bei Dingen, die NUR mich selbst betreffen...

sagen wir so:

Da brauch ich manchmal ein kleines bisschen Rückenwind.


So geschehen heute –

in der Bank.


Die alte App meiner Bank verabschiedet sich.

Die neue will alles.

PIN, Gesicht, Passwort, Verifizierungscode, DNA-Profil, eventuell Sternzeichen.


Blöd nur:

Bei mir am Handy funktioniert’s nicht.

Früher hätte ich vielleicht bis zum letzten Tag der Frist gewartet - heute no way...

Also ab in die Filiale.

Oldschool. Face-to-Face. Menschen! Live!


Vor mir in der Schlange: ein Mann, der offenbar ein Banken-Referat halten will.

Er hat viele Fragen.

Der Mitarbeiter am Schalter holt währenddessen seine Englischkenntnisse aus den 90ern hervor – Bankspezifisches Vokabular inbegriffen und warum er eine Bestätigung heute ausnahmsweise nur in Deutsch ausdrucken kann.

Das dauert.

Lang. Besonders, wenn ein Kunde das nicht einsehen will.


Endlich ich.

Der Mann hat es widerwillig akzeptiert.


Der entnervte Bankangestellte wird wird durch zwei Damen ersetzt.

Also: Christoph bekommt gleich zwei Beraterinnen.

Wie aus dem Skript.

Als ob sie’s gewusst hätten. 😉


Ich erklär mein Anliegen:

Neue App, aber kein Verifizierungscode.

„Kann man schicken“, sagt die Dame im Köstümchen.

„Nix schicken“, sag ich.

„Keine Zeit. Jetzt. Bitte.“


Beide schauen mich an.

Ich grinse.

Vielleicht hilft’s.

Es hilft.


Eine der Damen sagt:

„Dafür brauch ich aber Reisepass oder Personalausweis... wird vom System verlangt.“

Ich: „Sehr witzig. Hab ich nicht mit. Aber ich hätte einen Führerschein, eine E-Card und eine Kundenkarte vom Supermarkt anzubieten. Außerdem streikt doch das System - zumindest das Englische.“

Sie: „Na schauen wir mal...“


Während die eine jetzt versucht, das System zu überreden, sagt die andere im Kostümchen:

„Sie wirken ja eh sehr vertrauenswürdig.“

Ich sag: „Ich bin wirklich der, der ich bin.“

(Das ist übrigens eine der sinnlosesten Aussagen, die man machen kann.)


Und weiter: „Ich lüge nie. Wirklich. Weil – dann müsste ich mir merken, wem ich was erzählt hab. Und das überfordert mich.“

Die Dame nickt anerkennend:

„Sehr löblich, aber nicht immer einfach.“

Ich: „Ganz easy..einfach immer die Wahrheit - raus damit.“


Dann fragt sie:

„Ja, ja und was würden Sie sagen, wenn man Sie fragt: Findest du mich zu dick, Schatz?“

Pause.

Lange Pause.

Ich denke.

Dann:

„Wär’s glaubwürdig, wenn ich jetzt was von inneren Werten erzähle und das mir das alles nicht so wichtig ist?“

Sie lacht. „Das wäre ja keine Antwort auf die Frage, Na, aber gut: Sie lügen ja nicht – also warum nicht.“

Während wir also diskutieren, ob man Wahrheit auch „schönreden“ darf,

hat die Kollegin inzwischen das System ausgetrickst.

Sie schnappt sich mein Handy, installiert die App, aktiviert den Code,

und sagt lässig:

„Jetzt nur noch eine vierstellige Zahlenkombination ausdenken. Der Rest ist erledigt.“


Sag ich: "Nehmen Sie bitte einfach mein Geburtsdatum..."

Sie: "Alles darf ich nicht, leider müssen Sie machen. Datenschutz..."

Also gut, muss ich doch etwas selber machen und gebe mein Geburtsdatum ein.

Alles funktioniert. Aber Dokument muss ich nachbringen.


Hinter mir reicht die Warteschlange inzwischen bis zur Fußgängerzone raus.

Ich überlege, ob ich den Menschen draußen einfach Kaffee bringe...und verlasse mit einem "Vielen herzlichen Dank den Damen" die Bank.


Aber... was erledigt ist, ist ja bekanntlich erledigt.

Dachte ich. Aber da war ja noch was.

Also fahre ich – pflichtbewusst wie ich halt bin – am Nachmittag nochmal extra zwischen zwei Terminen in die Bank, um den Reisepass vorbeizubringen.


Drinnen:

Die gleiche Beraterin, jetzt alleine aber immer noch in Kostümchen.

Noch immer an Ort und Stelle.

Sie sieht mich, grinst, winkt mich durch –

und ich überhole dabei wieder den armen Kollegen,

der gerade erneut nach „currency exchange fee“ sucht.


Ich strecke ihr den Pass hin und sage nur:

„Gesagt – getan.“


Sie schlägt ihn auf, schaut aufs Bild, dann auf mich und ich denke mir kurz:

Ups.

Also sag ich schnell:

„Das bin wirklich ich.“

Sie lacht:

„Ja, ja... Etwas jünger am Foto. Aber keine Sorge – Sie sehen eh gut aus.“


Ich:

„Ja, ja – da wären wir wieder beim nicht lügen, gell, Finden Sie habe ich zugenommen?“

Wir lachen beide und eine Antwort ihrerseits auf meine Frage bleibt aus 😀

Für eine weiterführende Diskussion darüber, ob explizit die Zielgruppe der Bankangestellten einem Kunden die Wahrheit schönreden dürfen, fehlt leider die Zeit.


Ich muss weiter.

Sie muss weiter (was ich glaube gleichbedeutend ist mit Feierabend.)


Aber wir wissen beide:

In Wahrheit ging es bei dem "Termin" heute gar nicht so sehr um eine App.

Sondern um Menschlichkeit, Charme –

das letzte Wort in Sachen digitale Bankverifizierung und der Erklärung warum es doch noch lebende Bankangestellte geben muss.

Nämlich wegen mir!


Ich sag wie’s ist:

Für mich bleibt’s bei der App – und einem kleinen Stück Alltag, der mehr Lächeln gebracht hat als so manches an diesem Tag.

 
 
 

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