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Auf den Hund gekommen...



naja.....
naja.....

Ich bin wieder mal auf einer dieser Abendveranstaltungen.

Dresscode: Smart Casual, Gespräche: Smart unnötig.

 

Ich denke mir: Heute mal kein Marketing, kein Purpose, keine Buyer Personas.Vielleicht was Leichtes. Garten, Reisen, ein bisschen Klatsch. Falsch gedacht.

 

Ich lande in einer Runde, da geht’s ums große Thema:

Haustiere als pädagogisches Konzept.


Da wird erzählt, wie Kinder durch Hunde Verantwortung lernen. Katzen helfen angeblich bei emotionaler Regulierung. Ein Goldfisch hat wohl mal die Bindungsstörung eines Achtjährigen geheilt.

 

Ich sage beiläufig: „Ich hatte früher auch mal einen Hund. Jagdhund-Mischling.

Name: Trotzki.“ Der Typ neben mir – weit älter als ich, Scheitel mit Ansage, leicht zu teurer Gürtel, dieses Dauergrinsen zwischen Networking und Selbstliebe – sagt:„Trotzki? Cooler Name! Klingt so russisch – wie aus nem Agentenfilm, oder?“

 

Ich: „Mhm. War auch ein Revolutionär. So richtig. Russland, 1917, Eispickel inklusive.“

Er nickt. „Krass. Echt jetzt? Ich dachte, das wär so ein Seriencharakter. Klingt wie ein sturer Hund, haha.“ Ich:„Ja. Deshalb haben wir ihn auch so genannt. War einfacher, den Charakter vorher festzulegen.“


Er lacht laut, versteht nichts – aber fühlt sich wie der Witzige in der Runde.

Zwischendurch löffelt er genüsslich sein Tiramisu und nickt dabei bedeutungsvoll.

 

Dann erzählt er:„Ich habe auch einen Hund angeschafft. Für die Kinder. Zwei Töchter, mitten in der Pubertät. Ein echtes Familienmitglied.“


Ich:„Versteh ich. Deswegen müssen Sie jetzt los, damit er nicht so lange allein ist, oder?“


Er:„Nein, nein – ich muss den Hundesitter reinlassen. Meine Töchter sind zwar zu Hause aber die erreiche ich gerade nicht“

 

Ich: HÄÄÄÄÄÄ (denk ich mir) und antworte: „Verantwortung in Delegation. Sehr modern.“

 

Freunde, Freunde, Freunde…Ich halte mein Glas stilles Wasser – nüchtern seit sieben Jahren ohne Alkohol – und frage mich zum ersten Mal ernsthaft, ob das nicht einfach eine schlechte Phase war.


Ich sag’s, wie’s ist: Ich hol mir auch ein Tiramisu – nicht wegen dem Geschmack, sondern wegen dem Löffel. Mit dem man sichtlich Weisheit fressen kann.

 

 
 
 

1 Kommentar

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Franz
01. Juli 2025

Diesen Herren kann ich mir lebhaft vorstellen. Solche Menschen haben das gesamte Leben nicht kapiert. Diese Selbstgefälligkeit mancher Menschen stinkt zum Himmel. Grauenvoll! Grüße aus München

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