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Bahn. Polo. Bühne.

(Oder: was für eine Ehre)

Freunde, Freunde, Freunde...

Manche Geschichten beginnen nicht erst auf der Bühne, sondern schon am Bahnhof.

Heute war wieder so ein Tag.

Ich hab jemanden abgeholt.

Was für eine Ehre!


Nicht irgendwen, sondern jemanden, mit dem ich zusammen einen Vortrag über Marketing halte. Für ein großes Unternehmen, viele Mitarbeiterinnen, Spot an, Bühne frei.


Der Mann?

Hätte locker mit dem Helikopter aus München einfliegen können.

Gage? Kein Thema. Status? Auch nicht.


Aber er sagt: „Dieses ganze Zurschaustellen, was man hat, ist doch von gestern.“

Keine Rolex am Handgelenk, kein Sportwagen, kein Koffer mit dem Ego-Volumen einer mittelgroßen Werbeagentur.


Stattdessen: Bahn-Ticket.

Und das Abenteuer der modernen Mobilität gleich inklusive.

Ob die Verspätung diesmal auf das Konto der Deutschen Bahn oder der ÖBB geht, bleibt ungeklärt. Aber ja: 15 Minuten. Also quasi pünktlich, wenn man es mit Humor nimmt.


Ich dachte mir: (Ich bin mir ja für wenig zu blöd😀)

Wer so unterwegs ist – und wer aus meiner Sicht so viel Kluges zu sagen hat –, den hol ich doch gleich persönlich ab.

Mit meiner Privatkutsche.

Schwarz. VW Polo.

Kilometerstand?

Knapp 30.000 denk ich, keine Ahnung


Also motorisch jung, aber klimatisch vorsintflutlich.

Die Lüftung klingt, als würde ein asthmatischer Dachs unter der Haube wohnen, der sein Bestes gibt.

Aber: Fenster runter geht immer.

Ehrlicher Fahrtwind statt künstlicher Kälte.(blöde Ausrede😉)

Wie im Marketing – lieber ein frischer Gedanke als ein durchklimatisiertes PowerPoint-Deck.


Wir sind dann durch den Sommerverkehr gegondelt.

Zwei Menschen, ein Auto, null Statussymbole.

Außer vielleicht der Tatsache, dass wir beide uns einig waren:

Zur Schau stellen ist überbewertet.

Nicht nur im Beruf. Auch im Privaten.


„Man kann sich schon mal was gönnen, klar.

14 Tage vermeintliches Inselglück irgendwo mit Yoga, Detox und ganz viel Selfcare (kann man machen). Aber was sind schon 14 Tage Retreat gegen 14 Tage richtiges Abenteuer?

Muss ja nicht immer die Bahn sein.“ Ich musste lachen.


Da waren wir uns absolut einig.

Wir sprachen über Sinn.

Über Wirkung.

Über die Frage, warum sich Menschen Marketing so oft wie einen Firmenwagen vorstellen: Hauptsache groß, teuer und schwer zu wenden.

Er meinte:

„Am Ende merken sich die Menschen nicht, ob du Porsche, Ferrari, dicken Benz oder Polo fährst. Sie merken sich, ob du sie ernst genommen hast. Manche Menschen sind wie manche Marken. Die können noch so alt werden. Sie bleiben neureich. Die machen zwar viel Blabla - erzeugen was und reden viel daher. Am Ende des Tages geht es immer nur um sie selbst. - schaffen aber keine Werte, zumindest keine menschlich bleibenden…“


Bum der hat gesessen. Ich hab genickt.

Und gedacht, wie schön es ist, wenn man solche Gespräche noch führen darf.

Und das ganz ohne Neid!

Im Polo. Bei 32 Grad. Mit einer Mineralwasserflasche in der Hand, die so warm war wie der Empfang in mancher Vorstandsetage.


Ich sag, wie’s ist:

Statussymbole fahren selten besser. (ok ich fahr auch nicht jeden Tag den Polo)

Aber: Geschichten dafür schon.

Marketing hat viel mit Haltung zu tun.

Und manchmal beginnt das beste Storytelling ganz einfach mit:

„Fenster runter. Lass uns reden.“


Ach ja, der Vortrag?

War echt gut, nebenbei. Vor allem sein Part😂

Und um der Wahrheit Genüge zu tun:

Er musste dann auch schnell wieder weg...

Morgen ein Termin in London.

Da musste dann schon der Flughafen her.

Allerdings Economy, versteht sich.😀

 
 
 

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