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„Brudi*in, chill mal!“

(oder: wenn Gendern auf Jugendsprache trifft)

Freunde, Freunde, Freunde…

Wie ich überhaupt dazu komme? Zu diesem Thema?

Ich war auf einer Veranstaltung mit hauptsächlich jungem Publikum.

Und da ging’s dann plötzlich um’s Gendern in der Schule.

Oida.

Und zum Schluss – irgendwie logisch – kam auch noch der ganz große philosophische Wurf:

Wenn Wittgenstein sinngemäß sagt, dass Sprache ein Abbild der Wirklichkeit ist, dann frage ich mich… naja, ihr könnt euch denken, was ich mich da frage.

Will ich in dieser Wirklichkeit… ach, egal ;-)


Ich hab heute also mal versucht, jugendlich korrekt und gegendert zu reden.

Spoiler: Es war eine Mischung aus Fremdscham, Gehirnverknotung und dem dringenden Wunsch, einfach wieder Briefe mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu schreiben.


Denn ganz ehrlich: Wie gendert man Jugendsprache?

Sagt man jetzt:


„Ey, die Hood hat krasse Hustlerinnen am Start!“

„Digger:innen, das war lit.“

„Brudiin, gönn mal nen Eistee, ich bin lost.“

oder ist mit dem Ausdruck "Sis" schon alles geregelt?


Ich meine... WTF?


Und dann kommt Österreich ins Spiel:

Wenn bei uns wer „Oida!“ sagt – dann ist das ein emotionaler Seufzer in Vokalfarbe.

Da geht’s nicht ums Geschlecht, da geht’s ums Genervtsein.

Ruft eine Frau „Ojede!“, weiß jede*: Jetzt is z’viel.


Aber Gendern? Fehlanzeige.

Oder wie der 17-jährige Kevin sagen würde:

„Bro, das ist nicht mal deep, das ist einfach cursed.“

Jetzt mal serious:

Jugendsprache lebt von Tempo, Übertreibung und Wort-Fantasie.

Sie ist wie ein TikTok-Filter – alles dreht sich schnell, alles ist überzeichnet.

Da kommt das Gendersternchen halt nicht so richtig auf die Party.


Und wenn ich dann noch höre:

„Also du musst das gendergerecht formulieren, sonst ist es problematisch…“


Dann sag ich:

„Okay, chill mal. Ich versuch ja eh, aber ‘Ehrenmannfraudivers’ ist halt nix, was du beim Zocken sagst.“


Manche Begriffe kannst du einfach nicht gendern.

„Ehrenmann“ bleibt Ehrenmann.

„Kellerkind“? Kein „-in“ dran.

„Cringe“ ist geschlechtslos – aber durch und durch unangenehm.


Und jetzt stell dir vor, jemand gendert „Oida“.

„Oid:in, was soll das?!“

Sorry, aber da schaltet sich selbst der ORF stumm.

Und weil wir gerade bei „Oida“ sind:

Jetzt wird’s philosophisch.

Wittgenstein, der alte Satz-Guru, meinte ja einst im Tractatus logico-philosophicus:


„Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit.“

Später dann – im reiferen „Ich-bin-dann-mal-nicht-mehr-so-streng“-Modus – sah er Sprache eher als Lebensform:

flexibel, kontextabhängig, wild.

Und ich sag:

Bei „Oida“ oder „Oide“ – da soll sich einer noch auskennen.


Früher war Sprache Struktur, heute ist sie ein Meme.


Ich bin kein Germanist. Ich bin auch kein Psychologe, der das alles versteht.

Im Grunde versteh ich gar nichts.

Ich bin jemand, der nachdenkt. Der sich Fragen stellt.

Der nicht alles einfach so hinnimmt.

Und ich schreibe einen Blog.

Warum ich den schreibe?

Diesen Erklärungsversuch gibt’s ein andermal. Vielleicht.😀😂


Und ja – LGBTQ+ gibt’s natürlich auch.

Und ich frag mich ganz ehrlich:

Lassen wir mit dieser Sprache nicht unabsichtlich wieder einige aus?

Weil ehrlich – zwischen „Oida“ und „Ojede“ bleibt halt nicht viel Platz für non-binäre Sprachformen.

Aber ein Fass mach ich jetzt nicht auf. Noch nicht.😀


Und weil es dazu passt:

Ich habe mal ein Skriptum geschrieben.

Erste Rückmeldung?

„Leider sind Genderfehler drin.“

Inhaltlich übrigens – kam erst später – sei’s richtig gut.


Also ganz ehrlich:

Wenn das kein Paradebeispiel ist für unser Problem, dann weiß ich auch nicht.


Klar, es soll sich jede*r angesprochen fühlen. Verstanden.

Aber war es nicht früher schon der Sinn von Sprache, dass genau das passiert?


„Alle Schüler stehen auf dem Gang.“

Ja eh – damit waren alle gemeint. Auch Schülerinnen. Auch die, die sich nicht eindeutig zuordnen. Oder?


*(Und weil mir dieser Satz grad eine spontane Kindheits-Panikattacke triggert:

Bei uns im Gymnasium hieß es nämlich jahrelang – exakt jeden Mittwoch in der 4. Stunde –

„Christoph steht auf dem Gang!“

Unser Musikprofessor kam regelmäßig rein, ließ den Blick schweifen, sagte:

„Christoph auf den Gang! Guten Morgen!“

– und zwar exakt in dieser Reihenfolge.

Der Mann mit Hauptfach Querflöte hat vermutlich geglaubt, ich bin ein wandelndes C-Dur-Problem.

Jedenfalls: Wenn also alle Schüler auf dem Gang standen, war ich da schon… lange.

Aber das nur am Rande.)*


Oder ist das wieder zu einfach gedacht?

Ich meine – ich bin kein Philosoph.

Aber ich behaupte mal ganz frech:


Von uns allen verstehen maximal 20 % überhaupt, was Wittgenstein geschrieben hat.

Und auch das ist nicht wissenschaftlich belegt.

Und ja – ich habe keine Studie dazu.

Ich hab einfach nur das Gefühl. Und das reicht mir manchmal auch.


Und noch was:

Alles, was ich hier schreibe, ist ein Gedanke.

Kein wissenschaftliches Paper. Keine Abhandlung.

Kein Endurteil über das Thema.

Wer sich jetzt aufregen will, weil ich das Thema nicht vollständig beleuchte –

sei’s drum.

Diesen Anspruch hatte ich nie.


Und wenn ich das – Gott sei Dank (oder Göttin sei Dank) – in einer Gesellschaft wie dieser einfach so schreiben darf,

dann tu ich das auch, wenn’s mir passt.

Finger aus der Steckdose.

Muss ja keiner lesen. Und schon gar nicht gut finden.


Ich sag wie’s ist:

Sprache ist wild.

Jugendsprache ist wilder.

Und Gendern in Jugendsprache ist ungefähr so wie vegane Grillwürstel am Kirtag:

Möglich, aber halt nicht ganz stilecht.


Oder wie die Kids sagen würden:

„Lass gut sein, Bro(fessor). Das ist kein Vibe mehr, das ist schon Satire.“


Wie gesagt – sicher bin ich mir bei vielem nicht.

Aber ich kann’s ja machen wie Wittgenstein:

Früher und später.

Oder halt: früher und später Christoph.

 
 
 

2 Kommentare

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Rosi
29. Juni 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Du sprichst mir aus der Seele. Ich liebe Deine Art mit Worten zu spielen und auszuschöpfen, was unsere Sprache so schönes zu bieten hat. Wenn bei mir einer ins Büro kommt und sagt „Na Männer, alles klar?“ dann fühl ich mich genauso angesprochen. Punkt. Das ganze Gegendere lenkt leider von den richtigen Problemen ab, denn was bringt erzwungene und verbogene „Gleichberecjtigung“ in der Sprache, wenn der Stundenlohn für den gleichen Job sich immer noch unterscheidet?

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Birgit
27. Juni 2025

Ganz meine Meinung!

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