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„Ein Cappuccino namens Herz.“

Ich trinke wieder Kaffee.

Also… wieder ernsthaft Kaffee.

Es gab da ein paar Jahre Pause. So eine Mischung aus Vernunft, Übermut und: „Nein danke, ich schlaf eh schon schlecht.“

Früher waren’s in der Früh Espressi. Kurz, schwarz, und gefährlich schnell runtergekippt.

Über den Tag… naja… zu viele davon.

Der Körper meldet sich irgendwann. Man hört’s nicht sofort. Aber wenn, dann klar und deutlich.


Jetzt, schon einige Zeit nach dem Neustart, ist mein Starter sanfter:

ein Cappuccino am Morgen.

Meist bleibt’s auch dabei. Meist.

Und da gibt es diesen einen Laden.

Nicht direkt auf dem Weg, aber nah genug, um als Umweg durchzugehen.

So ein kleiner Zwischenstopp fürs Herz.


Und da steht er:

Ein junger Mann, Anfang–Mitte Zwanzig.

Wirkt wie ein Student, der sich was dazuverdient. Woher er kommt? Keine Ahnung.

Der Akzent spielt auch keine Rolle.

Was eine Rolle spielt, ist sein Lächeln.

Nicht dieses „Ich arbeite im Service, ich muss“-Lächeln.

Sondern ein echtes.

So ein Grinsen, das direkt aufs Bauchgefühl wirkt.

Der Typ ist wie ein Sonnenschein im Pappbecherformat.


Er braucht gar nichts sagen – du grinst einfach zurück.

Selbst wenn du müde bist.

Selbst wenn du verpeilt bist und – wie ich – in bar zahlen willst, aber wieder kein Kleingeld hast, obwohl du es dir vorgenommen hast.


Ich kann’s nicht anders sagen: der ist einfach lieb.


Nicht übertrieben. Nicht gespielt.

Echt.

Vorgestern sah man ihm den Stolz an (grinsend, eh klar), dass er sich merkte:

„Cappuccino to go.“

Heute: wieder gegrinst.

Diesmal aber:

„Was darf’s sein?“

Er hatte mit einem Grinser, den jede(r) bekommt, keine Ahnung! 😀

„Cappuccino to go bitte.“

„Ah, stimmt. Hätt ich wissen sollen. Hätt ich wissen MÜSSEN!“

Er lacht. Ich auch.

Wir sind schon fast ein Sketch.


Und genau das bringt’s auf den Punkt.

Wie wichtig solche Menschen sind.

Menschen, die einen Moment besser machen, als er davor war.

Die dich – ohne etwas zu tun – daran erinnern, dass der Tag eigentlich ganz gut ist.


Ein echter Barista ist er nicht. Nicht mal ansatzweise.

Er drückt auf einen Knopf, aus dem ein erstaunlich guter Cappuccino rauskommt.

Mehr macht er gar nicht.

Na gut – vielleicht noch die Münzen ganz genau abzählen oder dreimal nachrechnen, ob das Retourgeld auch wirklich stimmt.


Es ist wie bei einem alten Buch, das du immer wieder gerne aufschlägst, obwohl du weißt, was kommt. Oder wie ein gutes Parfum, das du nur kurz riechst – aber es bleibt.


Und ja:

Natürlich könnte man sich den Kaffee "zuhause" machen.

Vielleicht bequemer.

Aber ganz ehrlich?

Wär nicht das Gleiche.


Nicht der Schaum. Nicht das Grinsen.

Nicht dieses unbeschwerte Gefühl, dass es da draußen noch Menschen gibt, die einfach gerne da sind, wo sie sind – auch wenn’s nur für ein paar Stunden ist.

Auch wenn’s vielleicht nur ein Nebenjob ist.


Ich sag, wie’s ist:

Manche Leute servieren Kaffee.

Andere servieren Lebensgefühl.

Er gehört zur zweiten Sorte.


Und das alles für 3,50.

Kein Schnäppchen. (obwohl...) Aber sicher

ein echtes Angebot.

 
 
 

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