Der Aufzug. Die Nägel. Und ich.
- Christoph

- 9. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit

Freunde, Freunde, Freunde…
Es gibt Tage, da bleibt man stecken. Im Leben. In Gedanken.
Oder – wie in meinem Fall – im Aufzug.
Und das, Freunde, ist kein Scherz.
Aufzugsteckenbleiben ist mein absoluter ALPTRAUM. Ich hab keine Angst vor Spinnen, Präsentationen oder Steuererklärungen. Aber ein Aufzug ohne Bewegung?
Das ist mein persönlicher Escape Room – ohne Ausgang.
Dabei wollte ich eigentlich nur schnell in den zwölften Stock. Sporttasche in der Hand, Playlist im Ohr, Motivation auf Anschlag. Ich war bereit fürs Gym. Aber der Aufzug war anderer Meinung. Ein leises „Ding“, ein kurzer Ruck – und dann: Stillstand.
Ich checkte sofort die Lage: Drei Menschen. Kein Empfang. Und ich mittendrin.
Mit mir drin: Zwei junge Damen. Und die unterhielten sich – intensiv – über… Nageldesigns.
Freunde, ich sag’s euch: Ich habe schon viele Meetings überstanden. Fragen von vermeintlichen Marketing_expert*innen, die mich innerlich altern ließen. Aber dieser Aufzug… das war echtes Krisenmanagement.
Die beiden diskutierten also lautstark:„Glitzer oder Matt?“„Almond Shape oder Coffin?“„Pastell oder Neon?“
Ich dachte zuerst, ich sei versehentlich in einem Beauty-Bootcamp gelandet.Aber nein – es war live. Und interaktiv. Denn dann kam die alles entscheidende Wendung:
Sie schauten mich an. Gleichzeitig.
„Und was findest DU besser?“
Freunde, ich war nicht bereit. Ich bin kein Nagel-Experte.
Mein eigener Pflegestatus liegt irgendwo zwischen „funktional“ und „vergessen“.
Aber ich wusste: Ein falsches Wort – und ich bin drei Quadratmeter lang mit meiner Meinung eingesperrt. Ich antwortete diplomatisch:„Ich finde… äh… Glitzer kann sehr strategisch eingesetzt werden.“ Sie nickten. Ich atmete. Kurz.
Doch dann ging’s los. Die Fragerunde. Für mich. Denn offenbar war ich nicht nur Mitfahrer, sondern plötzlich auch Zielgruppe, Jury und Trendberater in Personalunion.
„Du trainierst doch, oder? Mal ehrlich – wenn ich mit Neon-Pink-French im Gym auftauche, denkst du dann eher ‚Wow, mutig‘ oder ‚Was ist da denn los‘?“
„Wenn du jetzt eine Frau auf ein Date einlädst, und die hat Nagel-Sticker mit Avocados – findest du das süß oder schon irgendwie… problematisch?“
„Stört es dich, wenn eine Frau aufgeklebte Fingernägel hat? Oder ist das so ein… Männer-Ding?“
Ich war mental bei Bauchübungen, aber körperlich in der Maniküre-Hölle.
Meine Antwort: „Also… Neon-Pink ist Power, und wenn jemand Avocados auf den Nägeln trägt, heißt das vielleicht, dass sie sich um Ernährung kümmert. Ich find’s… konsequent. Und zu den aufgeklebten Nägeln – puh…Ich sag mal so: Ich mag’s eher natürlich.
Bei Nägeln. Und sonst auch…Bei allem eigentlich.“ 😉
Eine der beiden hob eine Augenbraue, grinste vielsagend und sagte nur:
„Aha… natürlich.“
Ich machte mein bestes unschuldiges „Ich hab keine Ahnung, was du meinst“-Gesicht. Innerlich betete ich, dass jetzt nicht auch noch das Thema Lippen aufs Tapet kam.
Wir standen da. Minuten. Ich lächelte verkrampft. Sie scrollten durch Instagram-Nagelstudios. Ich versuchte unauffällig zu atmen. Und innerlich plante ich schon mein Leben als Aufzugmensch – mit dauerhaftem Nagel-Know-how und ständiger Panik auf Etage 7.
Nach 10 Minuten kam der Aufzug wieder in Bewegung. Die Türen öffneten sich. Ich trat hinaus – mit der Anmut eines Mannes, der gerade einen Schönheits-TÜV überlebt hat.
Beim Rausgehen sagte ich höflich: „War… sehr informativ. Viel Erfolg mit dem Design. Und falls ihr mal ein Rebranding braucht – ich kenn mich mit den Zielgruppen jetzt aus.“
Ich hörte noch, wie eine der beiden sagte:„Der war süß. Ein bisschen verwirrt. Aber süß.“
Ich sag’s wie’s ist: Ich wollte nur ins Fitnessstudio. Jetzt kenne ich 12 Nagelformen, 8 Lackeffekte und weiß, dass man auch mit Glitzer überleben kann. Wenn mir das nächste Mal jemand erzählt, dass Marketing ein Haifischbecken ist – dann sag ich:
Nein.
Das ist ein Aufzug mit zwei Meinungen über Holo-Lack – und einem Mann mit stiller Panik und sehr viel neuem Wissen.



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