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Die Erinnerung hat kein Handicap.

(Aber einen ansehnlichen Schwung. Und definitiv den letzten Bus um 22:30.)

Ich erinnere mich an meine Kindheit.

Also gut… eher an meine Jugend.

Sagen wir: 10 bis 17.

Weil ich heute durch dieses Dorf gefahren bin.

Gefühlt in den letzten 30 Jahren vielleicht fünfmal.


Und obwohl das Dorf mittlerweile aussieht, als hätte es gern Stadtrecht, ist vieles geblieben.

Der Badeteich, über den man sich nachts schlich, leise wie ein Ninja.

Spoiler: Wir waren nicht leise.

Aber niemand hat’s gesagt.

(Das ist wahre Dorfkultur.)


Die Bank bei der Allee zum Schloss, die sich immer romantischer angefühlt hat als das Date, das dort stattfand, weil für mich keines stattfand dort 😀

Die Kirche, jeden Sonntag, aus tiefstem Glauben.

Oder gesellschaftlichem Zwang.

Oder beidem.

(Je nach Outfit.)


Und ich hab ja sogar am Golfplatz gewohnt.

Nicht nur gewohnt. Ich hab gelebt dort.

Golf gespielt? Aber natürlich.

Handicap 15. Das ging sich schon aus.

Ein Turnier hab ich auch gewonnen,oder zwei?

Aber was mehr geblieben ist, sind nicht die Pokale, sondern die Nächte.

Mit den Greenkeepern, mit den Golfpros, mit ein, zwei Getränken zu viel und Gesprächen, die man so nur nach Sonnenuntergang führt.

Mit dem letzten Bier, das noch genommen werden musste, und dem letzten Lachen, das noch irgendwo am Abschlag gehangen ist.


Und ja, da gab’s auch das eine oder andere Mädchen.

Manche vergisst man schnell.

Andere bleiben irgendwie für immer.

Irgendwo zwischen Herz und Erinnerung.

Wie der Schwung beim Abschlag, der immer gleich kommentiert wurde:

"Christoph stirbt in Schönheit!" 😀

In der Früh gings mit dem Schulbus.

Jeden Tag.

Der Bus kam früh. Zu früh.

Und der letzte Bus aus der Großstadt zurück?

So gegen 22:30, quasi Wochenenddrama bis 17.

Wer den verpasste, lernte das Wort „Strafversetzung“ ganz neu.


Und dann war da noch… alles andere.

Die verbotenen Dinge, wenn die Eltern gleichzeitig im Urlaub waren.

Die langen Sommernächte.

Das Maturafest, das sich über zwei Tage zog und ein bis zwei Jahrzehnte in Erinnerung blieb.

Alles da.


Warum ich das erzähle?


Weil wir so oft vergessen, dass diese Momente nicht nur Anekdoten sind.

Sondern Kapitel.

Von dem, was uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind.


Wir erzählen von KPIs, von Projekten, von Meetings.

Aber was wir sind, das hat damals angefangen:

Mit einem viel zu frühen Schulbus.

Mit einem Handicap, das besser war als gedacht.

Mit einer Nacht am Badeteich, bei der sich keiner gefragt hat, ob das erlaubt ist.

Mit einem Gefühl, das damals schon wichtig war. Und heute noch immer.


Ich sag wie’s ist:

Die Vergangenheit ist nicht dazu da, um sie zu verklären.

Sondern um sich zu erinnern, dass wir nicht bei null gestartet sind.

Sondern bei allem.

 
 
 

1 Kommentar

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Helmut
21. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Man hat es nicht einfach in der Jugend gehabt..armer Christoph😂

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