Die Farbe des Geldes
- Christoph

- 11. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Okt. 2025

„Die Farbe des Geldes“… ja, genau – der Film mit Tom Cruise und Paul Newman.
Hab ich mir neulich wieder angesehen. Und wie das so ist, wenn man alte Filme schaut – irgendwas bleibt hängen. In dem Fall: Billard. Diese Ruhe. Diese Präzision. Dieses leise Klack, wenn die Kugeln aneinanderstoßen, als würden sie sich respektvoll begrüßen.
Also auf zum nächsten Tisch, dachte ich mir.
Ich bin ja eigentlich eher der Carambol-Spieler. Für die, die das nicht kennen: Das ist das mit den drei Kugeln – und ohne Löcher. Klingt fast philosophisch, oder? Man trifft die eine Kugel, um die andere zu erreichen, ohne dass etwas „verschwindet“. „Dreiband“ nennt man das dann, wenn’s richtig schön werden soll – elegant, ruhig, fast meditativ.
Heute aber stand da nur ein kleiner Pooltisch, mit Löchern, die mich beinahe spöttisch ansahen.
„Na, triff mich doch, wenn du kannst“, schienen sie zu sagen.
Also gut. Ich griff zum Queue – oder „Kö“, wie man bei uns sagt – und merkte schon beim ersten Stoß, dass da noch was in mir schlummerte. Die Hand ruhiger als gedacht. Der Stoß geführt, nicht gezwungen. Der Nachläufer ganz ok, der Rückzieher ein bisschen zu kurz, aber immerhin noch mit Stil. Ich fühlte mich fast wieder wie damals, als das Spiel noch etwas Poetisches hatte und alle seien wollten wie der "schnelle Eddie Felson", alias Paul Newman und nicht so ein Bürschchen wie "Vinzent Lauria, alias Tom Cruise 😀 (Zumindest ich)
Nach einer halben Stunde kam eine Dame, grinste, und fragte:
„Lust auf ein Spiel?“
Ausgesehen ein wenig wie Jasmin Ouschan - aber was soll die 2-fache Weltmeisterin aus Kärnten gerade hier machen und mit mir spielen wollen, dachte ich.
Herausgestellt: eine Chirurgin, die hin und wieder nach der Arbeit so ihren Kopf frei bringt....
Na klar. "Bau sie auf für den schnellen Eddie" (O-Ton aus dem Film)😀
Und irgendwie – vielleicht lag’s am Übermut oder an der kleinen Portion Ego, die bei jedem Queue-Stoß mitschwingt – spielten wir um Geld. Nicht viel, ein paar Euro. Nur so, um die Farbe des Geldes in Erinnerung zu rufen.
Das erste Spiel lief wie am Schnürchen. Ich lochte präzise, genoss das Spiel, das Geräusch, den Rhythmus. Wir unterhielten uns nebenbei über Gott und die Welt, über alte Zeiten, neue Serien und warum Billard irgendwie das Schachbrett für Menschen mit Geduld ist.
Dann – natürlich – kam das zweite Spiel. Die Kugeln rebellierten, der Winkel stimmte nicht mehr, und die schwarze Kugel grinste mich an, kurz bevor sie in die falsche Tasche fiel.
Sie grinste, legte einen Schein auf den Tisch, und sagte:
„Revanche?“
Ich konnte ja nicht nein sagen. Nicht nach dem Film, nicht nach dem Gefühl.
Ein paar gezielte Stöße, eine Bande, noch eine… Klack! – die letzte Kugel fiel mit einem fast eleganten kleinen Seufzer ins Loch.
Ich grinste.
Sie grinste auch, etwas gequält.
Und da lag sie – die Farbe des Geldes. Süß. Leicht abgegriffen. Aber verdient.
Vielleicht leg ich die paar Kröten auf die Seite – und kauf mir endlich wieder einen eigenen Kö. Meiner ist irgendwann im Laufe der Jahre verschwunden, so wie das Gefühl, dass Billard mehr ist als ein Spiel. Vielleicht kommt es jetzt zurück – Stück für Stück, Stoß für Stoß.
Am Ende - Gentleman - saßen wir noch bei einem weißen Spritzer und einem Coke Zero - lachten über missglückte Stöße, über das Leben, das manchmal genauso unberechenbar über die Bande springt.
Ich sag, wie’s ist:
Manchmal brauchst du keine große Lektion, kein tiefes Gespräch, keinen Plan – manchmal reicht ein Kö, ein paar Kugeln und ein Nachmittag, der still Klack macht. 😉



Ich bin deine nächste Gegnerin, Schwager. Also übe schon mal und zieh dich warm an. 😃 Ich kooommmee.