Die Geschichte glaubt mir keiner
- Christoph

- 28. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Geschichten, die schreibt man vermutlich nur für sich selbst – weil sie sowieso niemand glauben würde. Aber gut, ich schreib sie trotzdem. Vielleicht, um später einmal selbst den Kopf zu schütteln, oder um zu wissen: Ja, das ist wirklich passiert.
Gestern Abend. Der Tag ging zu Ende, ich ins Hotel. Ein kurzer Gedanke: „Vielleicht noch einen kleinen Drink.“ Also – wie ein braver Tourist – zehn Euro in die Hosentasche, Handy eingesteckt, alles andere im Zimmer gelassen. Man hört ja schließlich: „Pass auf in der Stadt, abends…“ Gut. Drink gekauft, noch ein kleiner Spaziergang. Alles fein. Zurück ins Hotel.
Nur kam nicht alles mit zurück.
Mein Handy war weg.
Und ich meine: richtig weg. Klar gestohlen, keine Frage. Panik? Ein bisschen. Zuerst schnell an den Computer, um alles zu sperren: Wallet, Telefonnummer, Mail. Das volle Programm. Blöd nur – dafür braucht man ein Telefon. Sehr witzig.
Also runter zur Rezeption, wo der Nacht-Concierge schon so ein Gesicht macht, das sagt: „Den kenn ich, der Abend wird lang.“ Wir also alle möglichen 24h-Hotlines angerufen, Warteschleifen, Tasten drücken, Musik hören, und immer wieder dasselbe: 27 Knöpfe drücken was ich alles will oder nicht.
Ich hätte andere Hilfe gebraucht..aber wen soll ich anrufen, wenn die Nummern im Handy gespeichert sind. Auswendig kann ich nur zwei. Die eine ruft mich am Tag 3x an, oder versucht es zumindest. Die andere ist im Gehirn eingebrannt. Beide leider keine Option.....
Auf Rat gehe ich zur Polizeistation. Schwierig in einer fremden Stadt, wenn du kein Handy hast, das dir den Weg weist... endlich nimmt sich einer mir an, kurz nachdem er einen Typen abgeführt hat. Raus kommt. Anzeige geht nur mit Seriennummer. Ja genau. Die kann ich auswendig. Lernt man immer gleich, wenn man ein Mobiltelefon kauft. Sind die da aller deppert? Zurück ins Hotel. Blindflug..naja ich hab einen ganz guten Orientierungssinn....
Der Concierge schaut mich an als ich reinkomme und fragt: „Haben Sie ein iPhone?“
Ich: „Ja.“
Er: „Na dann schauen wir in der iCloud nach.“
Und tatsächlich – da war es. Auf der Karte. Nur: nicht mal mehr in der Stadt. Schon irgendwo draußen. Bingo.
Aber immerhin: Apple bietet an, eine Nachricht zu hinterlassen, falls jemand das Handy findet. Sehr beruhigend, wenn es in einem Landstrich herumliegt, den man auf der Landkarte nicht mal aussprechen kann.
Aus purer Verzweiflung tippte ich:
„Geben Sie mir sofort mein Handy zurück! Rufen Sie unter dieser Nummer an.“
Und als Nummer gab ich die Hotelrezeption an.
Erledigt. Ich denk mir: Gut, morgen kümmern wir uns weiter. Handy abgeschrieben, Mühsal eingeplant.
Duschen, Bett, endlich schlafen.
Es ist mittlerweile 1 Uhr nachts. Gerade ziehe ich die Decke über mich, da läutet das Hoteltelefon.
Der Concierge dran.
Er sagt im gebrochenen Englisch:
„Jemand hat angerufen. Er… er hat Ihr Handy.“
Wie bitte?!
Tatsächlich: Ein Intensivpfleger aus einem Krankenhaus hat es gefunden. Er meinte, ich könne es abholen. Also Taxi bestellt – und ab in ein kleines Dorf außerhalb der Großstadt.
Nacht. Kein Mensch auf der Straße. Ich stehe vor dem Rathaus, schaue links, schaue rechts. Plötzlich taucht er auf: ein Mann um die 40, Zahnlücke, Zahnspange, die in der Dunkelheit fast leuchtet wie ein Scheinwerfer. Er grinst, streckt mir das Handy hin, wünscht mir einen schönen Abend und verschwindet wieder. Kein Smalltalk. Keine Fragen. Einfach Peng – hier hast du dein Handy zurück.
Zurück ins Hotel, es ist fast 3 Uhr. Ich seit 24 Stunden auf den Beinen. Aber gut: Handy wieder da. Nur… telefonieren konnte ich nicht. SIM gesperrt.
Drei Stunden Schlaf, 7 Uhr morgens wieder an der Rezeption. Auslandstelefonat zum Mobilfunkanbieter. Endlich eine Stimme in der Leitung:
„Was kann ich für Sie tun?“
Ich: „Nein, ich habe keinen PUK1 hier. Ich sitze im Ausland in einem Hotelzimmer.“
Er: „Dann vielleicht die Führerscheinnummer?“
Ich sag sie ihm.
Er: „Falsch.“
Bis wir draufkommen: Ich habe seit Vertragsabschluss einen neuen Führerschein bekommen. Großartig. Also noch mehr Telefonate, E-Mails, Fotos. Schließlich, nach gefühlten Ewigkeiten: die SIM wieder frei.
Der Concierge, der das ganze Schauspiel miterlebt hat, schaut mich an und sagt trocken:
„Diese Geschichte erzählen Sie niemandem. Glaubt sowieso keiner.“
Und er hat recht. Aber jetzt steht sie hier.
Und ich sag, wie’s ist:
Leben ist manchmal ein bisschen verrückter als jede Netflix-Serie.



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