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Diese Mücke macht mich irre!


Gestern Abend. Ich liege im Bett, halb wach, halb schlaftrunken, und denke mir: „Morgen ist sie bestimmt weg.“ Die Mücke. Die Mücke, die seit gestern mein rechtes Auge terrorisiert, immer im Abstand von etwa einem halben Meter, zeitverzögert um ungefähr eine Sekunde. Ich drehe den Kopf nach links, sie folgt. Nach rechts, sie folgt. Vorwärts, rückwärts – sie bleibt.


Ich greife nach der Hand, um sie zu verscheuchen. Nichts. Sie ist überall. Oder vielleicht gar nicht? Ich will es nicht wahrhaben. Ich bin seit drei Tagen 56 – und eine Mücke, die 57 Jahre mit mir lebt? Lieber nicht. Immerhin habe ich immer noch die Hoffnung, 113 Jahre alt zu werden – zumindest habe ich das schon einmal öffentlich angekündigt. Aber eine Mücke, die 57 Jahre bei mir bleiben würde? Nein danke.


Heute Früh, kaum die Augen aufgeschlagen, ist sie wieder da. Der Kampf beginnt von Neuem.


Dann klingelt das Telefon. Ein Kollege, den ich lange nicht gehört habe, ruft an. Wir quatschen ein bisschen privat, bevor wir zum Beruflichen kommen.

„Und, wie geht’s dir so?“

Ich atme tief ein.

„Eine Mücke verfolgt mich seit gestern. Kein Witz. Direkt vor meinem Auge.“

Kurzes Schweigen am anderen Ende. Dann ein vorsichtiges:

„Moment… du bist sicher, dass es eine Mücke ist?“


„Ja, sieht aus wie eine Mücke… bewegt sich auch so… nur fliegt nicht weg.“


Er lacht ein wenig, aber nur vorsichtig. „Christoph… ich glaube nicht, dass das eine Mücke ist. Das könnte eine Glaskörpertrübung sein. Oder – ich will den Teufel nicht an die Wand malen – Netzhautablösung. Ich habe das schon in meiner Familie gesehen, deswegen erkenne ich das sofort.“


So ist er mein Freund - immer grade raus....Ich schlucke, lache nervös. „Ah, perfekt. Ich, zwei Mal Augen-OP, 1x lasern, 56 Jahre alt, und jetzt das. (den Irrsinn der letzten Woche hab ich schon positiv verdrängt) Super Timing. Männer und Augen – immer eine Herausforderung, wie üblich.“


Wir reden noch ein paar Minuten weiter. Über Mücken, Strategien für die Arbeit und was weiß ich was. Er erklärt mir kurz, warum man so etwas sofort medizinisch abklären sollte. Ich erzähle von allen verrückten Methoden, die ich aus Großmutters und Mamas Trickkiste zusammengeklaubt habe. Kopfschütteln, Augenreiben, halb-imaginäre Insektenschlacht mit der Hand – inklusive kommentierender Zwischenbemerkungen: „Schau, die Mücke duckt sich, sie weiß, dass ich Profischläge verteile…“


Er lacht. Ich auch. Naja, halb. Nervöses Lachen.

Ich lege auf und starre die Decke an. Die Mücke ist wieder da. Oder war sie nie weg? Ich weiß es nicht mehr. Ich ertappe mich unbewusst dabei, wie ich die Hand erhebe, um sie zu verscheuchen. Immer wieder.


Gedanken rasen. Termin beim Augenarzt? Haha, Montag früh, ausgebucht bis Weihnachten. Also Plan B: Spital. Eine Möglichkeit – nur eine – und mein Charme muss funktionieren. Charmant erklären, charmant lächeln, charmant betteln – die einzige Waffe gegen Bürokratie und Augenärzte gleichzeitig.


Ich könnte jetzt noch Dr. Google oder die KI befragen. Aber wir wissen alle. Je nach Fragestellung und Häufigkeit der Frage reichen einfach ein paar Augentropfen oder du bist mit Sicherheit in kürze blind. (Kleiner Ausflug: Wenn man nicht weiß, wie man damit umgeht sind die Dinge - ob Suchmaschine oder KI - höchst gefährlich!)


Ich überlege: Was ist schlimmer? Nicht zu wissen, was genau los ist, oder die nicht existierende Mücke, die einfach nicht weiterziehen will? Die Mücke, die mir den ganzen Tag demonstriert, wie langsam die Zeit vergeht.


Und sofort ist sie wieder da. Direkt vor meinem rechten Auge, wie ein winziger Phantom-Mitbewohner.


Ich sag wie’s ist:

Wer das noch nie erlebt hat, der kann nicht wissen, wie absolut irre das macht – jede Sekunde.


UND JETZT IST NOCH EINE ECHTE MÜCKE DA, EHRLICH!

ICH WERDE IRRE!!!!!!

 
 
 

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Lisa
03. Okt. 2025
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Immer irgendetwas 🙁

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