Ich bin doch nicht blind
- Christoph

- 29. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Na gut mit Segeln war heute nichts. War im olympischen Hafen und da haben auch ein paar Österreicher trainiert. Für ein paar Tipps an mich bei dieser spezifischen Welle am Wasser hat´s aber gerecht, Danke dafür... Aber!
Witzig eigentlich. Ich sitze jetzt hier am Strand, die Sonne sinkt langsam ins Meer, als hätte sie einen eigenen, ganz genauen Zeitplan. Sie ist noch nicht ganz weg, aber sie tut schon so, als würde sie sich verabschieden. Dieses warme, goldene Licht – es macht alles ein bisschen freundlicher, selbst die alten Plastikliegen, die schon bessere Tage gesehen haben.
Und plötzlich, einfach so, wie das manchmal ist, wenn man eigentlich gar nichts denkt, kommt mir dieser eine Tag in den Sinn: der Tag vor meiner ersten Augenoperation. Damals: Grauer Star. Heute klingt das wie Routine, wie etwas, das man halt macht. Aber damals war es kein „halt machen“. Damals war es groß für mich und im im Rückblick eine schwere Zeit
Ich erinnere mich noch, wie ich mir sagte: Was, wenn ich irgendwann wirklich blind werde?
Da saß ich, mit dieser Frage im Kopf, und malte mir Szenen aus, die fast schon filmreif waren. Zum Beispiel so: Ich sitze am Strand, vielleicht genau an so einem wie hier. Die Sonne geht unter. Und weil ich nichts sehe, erklärt mir jemand, wie das gerade aussieht. Als würde man ein Hörbuch zum Himmel hören. „Also… die Sonne hängt jetzt knapp überm Meer. Alles Orange. Ein bisschen Pink. Die Wolken sind Zuckerwatte.“ Ich wusste damals schon: so sehr ich Worte liebe, so sehr ich Geschichten mag – das wäre nicht dasselbe.
Aber man hat mich damals schon beschwichtigt - und es war richtig...
Und jetzt sitze ich hier. 2 oder 3 Jahre später. Die Sonne malt mir ein Bild direkt auf die Netzhaut, und ich brauche keinen Dolmetscher fürs Schöne. Ich sehe. Und vielleicht noch wichtiger: ich spüre. Ich spüre die Wärme der letzten Strahlen auf meiner Haut. Ich höre, wie die Wellen ans Ufer rollen, als würden sie im Rhythmus atmen. Ich rieche Salz, Sonnencreme, eine ferne Portion gegrillten Fisch. Es ist ein kleines Orchester, und ich hab einen Platz in der ersten Reihe.
Ich bin allein hier. Niemand ist da, der mir erklären müsste, wie etwas aussieht. Wäre auch irgendwie absurd, wenn jetzt die Kellnerin von der Strandbar mit ihrer Schürze neben mir stünde und anfinge: „Also schauen Sie, das ist jetzt ein sehr spezielles Orange…“ – Nein, danke.
Ich weiß noch, wie ich mir damals gedacht habe: wenn’s wirklich so kommt, dann musst du dich halt anders erinnern. Mehr hören, mehr fühlen, mehr speichern. Heute, hier, merke ich: zum Glück war das nur ein Gedanke, ein Schatten, eine Sorge, die kleiner war, als sie sich damals anfühlte.
Und irgendwie ist genau das so schön. Es zeigt, dass Sorgen manchmal so laut schreien – und sich dann doch in ein leises Nichts auflösen, wenn man ein paar Jahre später zurückschaut.
Ich lächle. Weil die Sonne immer noch da ist. Weil ich sie sehen darf. Weil ich sie nicht nur sehe, sondern sie in mir landet. Und weil ich weiß: hätte mir damals jemand gesagt, dass ich heute hier so sitzen würde – ich hätte es vermutlich nicht geglaubt.
Und das Beste: dieser Sonnenuntergang… er ist schöner, als ich ihn mir je hätte beschreiben lassen.
Ich sag wie´s ist:
Falls ich ihn doch mal erklärt bekomme – dann bitte nur mit einer Cocktailkarte in der Hand.



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