Ein Abend.viele Themen.
- Christoph

- 4. Juli 2025
- 5 Min. Lesezeit
(Oder: Ein Text übers Kochen, Veränderungen, Kuschelsongs und Notting Hill)

Freunde, Freunde, Freunde.
Ich war eingeladen bei Freunden.
Also nicht bei „nur“ Freunden – sondern bei Menschen, mit denen man sich schon länger kennt. Die einen auch dann noch mögen, wenn man komisch drauf ist.
Und: Ich sollte mitkochen.
Wer mich kennt, weiß – ein bisschen kann ich das.
Und wer mich gut kennt, weiß auch: Man nutzt das manchmal aus.
Im positiven Sinn, versteht sich. 😉
Ich dachte mir: Cool.
Wird ein entspannter Abend. Coole Leute, einfache Küche, ein paar gute Gesprächsthemen.
Also stehe ich an diesem Küchenblock, zerdrücke eine Avocado, bisschen Limettensaft, Salz, Chili – schnelle Creme – und plötzlich:
Mitten rein in eine Beobachtung.
Dann, ziemlich beiläufig, kommt Elisabeth mit einer Beobachtung:
„Ich hab neulich jemanden getroffen, haben gemeinsam in der Finanzabteilung des Möbelriesen gearbeitet - beste Freundinnen in der Arbeit… so richtig: alles geteilt, alles gewusst.
Und jetzt… komplett verändert... alles anders: Ansichten, Outfit... alles genau das Gegenteil... als ob nie was anderes gewesen wäre.“
Martin, halb abgewandt, dreht sich langsam zur Gruppe:
„Du meinst – wie aus dem Katalog für ein Leben, das sie früher abgelehnt hätte? Das kenn ich. Klingt nach Hackerangriff... Festplatte gelöscht, neues Betriebssystem.“
(Nebenbei: Martin ist IT-Chef in einem großen Industriebetrieb 😀)
Elisabeth nickt.
„Ja. Als hätte es diese Person von damals nie gegeben, wirkt alles unecht.“
Ich wende Mozzarellabrote in der Pfanne – mein Signature-Ding für Abende wie diesen. Kinder lieben’s. Die Erwachsenen meistens auch. Italienischer Kräuterbraten vorbereitet.
Es zischt. Es riecht gut. Und trotzdem hängt was in der Luft.
Elisabeth:
„Ich frag mich halt – verkaufen sich die Menschen? Und was verkauft man da eigentlich – die Werte? Oder gleich sich selbst?“
Lisa (halb im Scherz, halb im Ernst):
„Vielleicht ist das eh dasselbe. Oder Geld... Geld verändert die Menschen.“
Martin lehnt sich zurück:
„Vielleicht sitzen wir hier einfach im Club derer, die noch hoffen, dass Haltung und Werte nicht komplett käuflich sind.“
Ich misch mich in dieses Gespräch nicht ein, denk mir nur, ob das Leben so einfach erklärbar ist. Alles zu mühsam heute.
Und dann denke ich weiter über eine Gaspacho nach.
Vielleicht mit ein bisschen frischer Minze, vielleicht auch einfach lassen, wie sie ist.
Die Mozzarellabrote sind fertig.
Der italienische Kräuterbraten im Rohr.
Das Gemüse – laut, bunt, ein bisschen wild – steht fertig auf dem Herd.
Es ist noch zu früh fürs Abendessen, vielleicht zu spät für neue Diskussionen.
Ich greife nach dem Weinglas - umgefüllt - jetzt ist stilles Wasser drin und greife zum Geschirrtuch.
„Bin unlängst spät von einer Veranstaltung heimgefahren“, sag ich. „Radio an – irgendein Spartensender. Thema: Kuschelsongs der letzten Jahrzehnte. Auf Deutsch war am härtesten.“
Ich mache eine Pause.
„Harter Tobak. Ich sag nur:
Kleine Taschenlampe brenn. Ich glaub, Markus und Nena singen das.“
Da hebt Nina plötzlich den Kopf.
Bis dahin war sie eher still – hatte mit einem Kollegen telefoniert.
Jetzt schaut sie kurz hoch, schüttelt leicht den Kopf, grinst:
„Was für ein Themenwechsel.“
Trocken. Perfekt.
Und schon sind wir mittendrin:
Was sind die peinlichsten Kuschelsongs, die jeder kennt – aber keiner zugeben will?
Die, die man heimlich mitsingt, aber öffentlich nie zitieren würde?
Pop. Nur Pop. Keine Indie-Geheimtipps, bitte.
Martin fängt an:
„Hello – Lionel Richie. Allein dieser Blick im Video. Man will weghören und kann nicht.“
Lisa:
„Everything I do, I do it for you. Bryan Adams. Keiner fragt sich, was das eigentlich für ein emotionales Erpressungsmantra ist.“
Elisabeth:
„You're Beautiful von James Blunt. Ich mein – der Typ verfolgt eine fremde Frau in der
U-Bahn. Und alle finden’s romantisch.“
Ich:
„Right Here Waiting – Richard Marx.
Ich hab nie ganz verstanden, ob das romantisch ist – oder einfach nur verdammt gruselig. Wherever you go, whatever you do – das ist doch keine Liebe, das ist ein Bewegungsmelder.“
Dann Paul – Nina’s Mann, der bisher geschwiegen hat:
„Better Man. Westlife.“
Ich: „Ja klar, du wieder mit Boybands… lass das Thema.“
Paul: „Wir wären jetzt in der Music Hall of Fame, hätten wir dich Lyrics schreiben lassen, anstatt dich vor den Vorhang zu holen…damals in der Schule“
Ich: „Ja genau, Du weißt es...grins!“
Alle lachen
Nina schaut Paul an. Kritisch. Aber liebevoll.
Mit den Mundbewegungen, die ich genau erkenne: „Lass das, Paul.“
Ich denke: Der Song Better Man war wahrscheinlich Pauls Versuch, sich irgendwann bei Nina westlifemäßig zu entschuldigen.
Paul hebt die Schultern.
„Ich sag eh nix mehr. Jemand noch Wein?“
Mittlerweile ist der italienische Kräuterbraten im Rohr.
Das Gemüse – bunt, laut, ein bisschen wild – ist fertig.
Wir entschließen uns, doch bei Tisch zu essen.
Es ist zu schade, das alles nur im Stehen zu verschlingen.
Ich setze mich, schiebe mir die Serviette auf den Schoß, greife nach dem Brot.
„Reichst du mir bitte den Krug Leitungswasser?“, sag ich.
Lisa reicht ihn mir mit einem Grinsen.
„Bald dekantieren wir das auch noch.“
Der Abend ist noch lange nicht zu Ende.
Wir haben aufgegessen, alles riecht nach: gut.
Dann blicken alle auf das Schlachtfeld Tisch und Küche und irgendjemand sagt:
„Wir machen das gemeinsam weg.“
Lisa grinst, während sie irgendwas in den Geschirrspüler räumt.
Ich frag: „Was grinst du so?“
Sie zuckt mit den Schultern. „Manchmal erinnerst du mich an William Thacker.“
Ich: „Wer ist das denn bitte, kommt mir bekannt vor?“
Elisabeth – fast empört, wie aus der Pistole geschossen:
„Was?! Notting Hill! Hugh Grant! Mein absoluter Lieblingsfilm!
Der schüchterne Buchhändler, der zufällig die berühmteste Schauspielerin der Welt kennenlernt. Anna Scott, und am Ende bekommen sie sich. Ganz große RomCom.“
Ich: „Also... ich sehe ja wohl nicht aus wie Hugh Grant, sollte mir das schmeicheln?“
Lisa: „Nein. Aber einiges an Bildung. Und ein bisschen zerstreut. Immer so leicht geheimnisvoll, wenn’s ums Private geht.“
Ich lache: "Das macht mich jetzt aber nicht zum großen Los!"
Martin lachend: Ich fühl mich eh wie dieser Mitbewohner von Thacker, der nie was kann – außer schief grinsen.“
Lisa: „Spike!, der mit der Taucherbrille“
Ich (sofort alle Erinnerungen zu dem Film abgerufen): "Eine Taucherbrille setze ich jetzt nicht auf, damit ihr prüfen könnt und seht, ich hab rein gar nichts gleich mit Hugh Grant"
Paul, der sonst nie viel sagt, murmelt trocken: „Ich wär dann der mit der entzückenden Frau im Rollstuhl, der so schlecht kocht... Gott sei Dank hab ich mich heute zurückgehalten.“
Elisabeth: "Dann bleibt mir Penny, die Schwester von William, passt dir das Martin?"
Während ich mich frage woher die alle den Film so gut kennen, schau zu Lisa.
„Anna Scott? Julia Roberts? OK!????"
Aber ist das dann... der Typ Christoph?“
Lisa grinst nur.
Ein anderer sagt:
„Typisch Christoph, so ’ne Antwort.“
Ich sag wie´s ist: Herrlich so ein Abend wie aus einem leichten Hollywood-Film für Sonntag Abend. Teil 2 folgt - bestimmt irgendwann.



nicht dein Ernst, über den Abend zu schreiben. ,-) war lustig!