Einzelunterricht um 22:30
- Christoph

- 17. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Egal wann ich am Tag diesen Weg fahre oder manchmal sogar gehe:
Es ist eine kurze Unterführung, vielleicht 150, 200 Meter lang. Auf beiden Seiten neben der Fahrbahn ein Gehweg.
Auf der einen Seite liegt immer ein Schlafsack, der Länge nach, schön glattgestrichen. Davor und dahinter jeweils eine Sporttasche, akkurat hingestellt. Wie eine perfekt aufgeräumte Wohnung – nur eben unter freiem Himmel. Und unüblich: keine halbleeren Flaschen mit Fusel, kein Müll, nichts.
Kommt man zeitig in der Früh oder spät am Abend vorbei, ergänzt sich diese Wohnung durch ihren Bewohner. Friedlich schlafend, so um die 40. Untertags bleibt sie leer. Erstaunlich eigentlich, dass heutzutage niemand diese Wohnung ausräumt, zerstört oder von Amts wegen wegschafft. Bestenfalls wird sie für eine Sekunde wahrgenommen.
Ich denk da schon länger drüber nach. Vor allem darüber, warum ich überhaupt drüber nachdenke. Kann mir ja egal sein. Schicksal halt. Was hat’s mich zu interessieren. Ich hab genug Aufgaben.
Und dann, vor ein paar Tagen, so gegen 22:30. Ich komm wieder vorbei.
Diesmal anders. Ganz anders.
Die Wohnung mit dem Schlafenden ergänzt sich plötzlich um 2 Jugendliche im Anzug. Sichtlich auf Frustabbau. Betrunken, wie sich zeigt. Oder auf sonst was. Zwei von denen, die in ihrer Papi-Geld-Bubble nie gelernt haben, Dinge zu schätzen oder zu respektieren.
Aber zugegeben: wie soll sie’s auch können? Bei falschen Werten.
Das war jedenfalls die Beobachtung. Wäre wohl eine ungerechte gedacht geblieben, wenn ich nicht stehen geblieben wäre. Um die Dinge ein wenig zu klären. Denn die jungen Männer taten etwas, das ich hier nicht beschreiben kann und will.
Aber was dann folgte, schreib ich auch nicht im Detail. Nur so viel:
Heute schläft dort wieder jemand friedlich an seinem Platz. Den er vielleicht nicht gekauft hat, den er sich nicht ausgesucht hat, aber so eingerichtet, dass er niemanden stört. Inkl. jetzt einem Sackerl auf dem der Name einer Supermarktkette draufsteht. Ordnung im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Und wenn es die Bubble nicht lernt, dann eben anders: Auch in so einer Situation kann ich es nicht lassen – da kommt der Lektor in mir durch. Ich hab ausgeholfen. Quasi Einzelunterricht für 2.
Ich sag, wie’s ist:
Viel Spaß dabei, das den Papis zu Hause zu erklären. Die Wahrheit wird’s sicher nicht sein. Und mit Geld, wie sonst auch immer, wird´s diesmal nicht gehen alles zu regeln...soviel sei gesagt...



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