Es gibt Tage, da werde ich freundlicher
- Christoph

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Tage, da merke ich etwas an mir, das ich nicht sofort einordnen kann.
Je länger der Tag wird, desto freundlicher werde ich.
Nicht ein bisschen.
Nicht höflich im klassischen Sinn.
Sondern auffallend. Fast schon… übertrieben.
Ich halte Türen auf.
Ich lächle Menschen an, die ich nicht kenne.
Ich sage Dinge wie „gerne“, „kein Problem“, „passt schon“,
und meine sie in dem Moment sogar.
Ich lasse jemanden vor.
Ich nicke.
Ich warte.
Ich nehme Rücksicht.
Und irgendwann, so gegen späteren Nachmittag,
merke ich:
Das bin gerade sehr ich. Und gleichzeitig auch wieder nicht.
Denn wer mich kennt, weiß:
Ich bin kein unfreundlicher Mensch.
Aber ich bin auch keiner, der grundlos durch die Gegend lächelt,
nur weil es sich so gehört.
Wenn ich freundlich bin, dann hat das meistens einen Grund.
Oder zumindest ein Gefühl dahinter.
Und genau das ist der Punkt.
An solchen Tagen fühlt sich diese Freundlichkeit anders an.
Sie kommt nicht aus Leichtigkeit.
Nicht aus Überschuss.
Sondern eher aus etwas… das sich erst im Laufe des Tages aufbaut.
Es sind meistens keine großen Dinge.
Eher diese kleinen, unspektakulären Momente:
Ein Satz, der hängen bleibt.
Eine Situation, die man anders erwartet hätte.
Ein Gedanke, der nicht ganz rund wird.
Nichts Dramatisches. Aber genug, dass man es mitnimmt.
Und während der Tag weitergeht, passiert etwas Interessantes:
Ich werde ruhiger. Aufmerksamer.
Und – paradoxerweise – freundlicher.
Zu Menschen, die ich gar nicht kenne.
Ich habe mich gefragt, woran das liegt.
Ob das eine Art Ausgleich ist. Ob man innerlich etwas sucht und es dann im Außen versucht, wieder geradezurücken.
Oder ob man einfach merkt:
Heute ist kein Tag, an dem man noch zusätzlich Kanten braucht.
Vielleicht ist es auch ganz banal.
Vielleicht sind das einfach diese Tage, die nicht rund laufen.
Nicht schlimm.
Aber auch nicht gut.
So ein bisschen… gebraucht.
Und vielleicht reagiert man genau darauf, indem man versucht, es für andere ein kleines Stück besser zu machen.
Nicht bewusst.
Nicht geplant.
Einfach so.
Das Spannende ist:
Die Menschen wissen ja nichts davon.
Für sie bist du einfach nur jemand, der freundlich ist.
Der zuhört.
Der Platz macht.
Der nicht stresst.
Und vielleicht ist genau das das Schönste daran.
Dass aus einem Tag, der sich für einen selbst nicht ganz richtig anfühlt,
trotzdem etwas entsteht, das für jemand anderen völlig in Ordnung ist.
Ich weiß nicht, warum das so ist. Wirklich nicht.
Ich habe keine Erklärung dafür. Keine Theorie.
Kein psychologisches Modell.
Aber ich merke es. Und vielleicht reicht das auch.
Vielleicht sind genau das diese stillen Tage, an denen man sich selbst nicht ganz versteht –
aber sich trotzdem entscheidet, für andere ein kleines bisschen angenehmer zu sein.
Ich sag wie´s ist:
Ohne großen Plan.
Ohne große Worte.
Einfach so.



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