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Warum hat Essen eigentlich eine Uhrzeit?


Es ist 21:15 Uhr.

Ich sitze im Bett, hab versucht den ganzen Tag zu verschlafen..Zeit heilt manchmal...möchte meinen Blog schreiben und habe noch keine Ahnung, worüber.

Und ich habe Hunger. Keine besonders gute Kombination.


Denn plötzlich denke ich:

Warum hat Essen eigentlich eine Uhrzeit? Und damit war das Thema vor 10 MInuten für heute gefunden.


Ich musste nämlich gerade an eine italienische Tankstelle denken, an der ich vor Kurzem war.

Und ich meine das vollkommen ernst:


Italienische Tankstellen können kulinarische Höhepunkte sein.

Bei manchen gibt es Panini, für die eigentlich nur ein vernünftiger Rat gilt:

Unbedingt anhalten.


Und der Kaffee? Wahrscheinlich auch nicht der schlechteste. Ich stand also an der Theke und hatte Lust auf einen Kaffee. (wann nicht?) Allerdings zur falschen Tageszeit.


Also sagte ich zur Dame hinter der Theke:

„Un caffè all’ora sbagliata, per favore.“

Sie sah mich an.

„Scusi, non ho capito.“

Also sagte ich:

„Cappucho.“

Sie grinste. Und damit war die Kommunikation offenbar ausreichend. Ich bekam meinen Cappucho. Und während ich den Kaffee trank, dachte ich: Warum eigentlich zur falschen Tageszeit? (all´ora abagliata)


Wer hat das eigentlich beschlossen? Kaffee ist doch Kaffee.

Oder etwa nicht?

Offenbar nicht.

Denn es gibt erstaunlich viele Dinge, die man zwar jederzeit essen oder trinken könnte, aber irgendwie trotzdem nur zu bestimmten Uhrzeiten „darf“.


Cappuccino am Morgen? Völlig normal. Cappuccino nach elf? Na ja.


Da schaut der Italiener schon einmal etwas genauer.

Nach dem Mittagessen?

Jetzt wird es langsam kompliziert.

Und abends?


Da würde ich mich wahrscheinlich schon vorher umsehen, ob jemand eine italienische Kaffeepolizei gesehen hat. Natürlich übertreibe ich. Ein bisschen. Aber irgendwoher kommt diese Regel ja.


Cappuccino ist in Italien traditionell ein Frühstücksgetränk. Milch zum Frühstück: völlig normal. Nach einer Mahlzeit ist ein großer Cappuccino mit viel Milch dagegen für viele Italiener einfach nicht das, was man sich danach bestellt.


Nicht verboten. Nicht strafbar. Niemand nimmt einem den Cappuccino weg.

Aber irgendwie macht man es eben nicht. Und plötzlich finde ich das interessant.


Denn wir haben offenbar unglaublich viele Regeln darüber, wann etwas richtig und wann dasselbe etwas plötzlich falsch ist.


Mein Bruder zum Beispiel kann um neun Uhr früh eine Stelze essen.

Und mit Stelze meine ich Stelze. Nicht ein kleines Stück Schinken. Eine ordentliche österreichische Stelze. Um neun Uhr.


Das hat allerdings einen vernünftigen Grund. Er beginnt manchmal sehr früh zu arbeiten.

Damit ist die Sache eigentlich erklärt. Aber trotzdem bleibt bei mir dieser kleine Gedanke:

Es ist neun Uhr. Um diese Uhrzeit gehört doch irgendwie Marmelade auf den Tisch. Oder ein Semmerl. Vielleicht noch ein Ei. Aber eine Stelze?


Das Gehirn hat dafür offenbar keine passende Schublade. Wobei mein Bruder wahrscheinlich sagen würde:

„Warum sollte ich um neun Uhr keine Stelze essen, wenn ich Hunger habe?“

Wer den besten Bruder der Welt kennt - er würde es anders formulieren. Aber das tut mal hier nichts zur Sache. 😉 Und damit hat er eigentlich einen ziemlich guten Punkt.


Denn wer entscheidet das überhaupt?

Die Uhr?

Die Gesellschaft?

Unsere Eltern?

Oder jemand, der irgendwann einmal beschlossen hat:

„Das isst man morgens.“

Und alle anderen haben gesagt:

„Ja, stimmt.“

Dann gibt es noch die Nacht. Nach einer durchzechten Nacht gelten ohnehin andere Regeln. Niemand fragt dann um 6:32 Uhr:

„Ist kalte Pizza eigentlich Frühstück?“

Nein. Man öffnet die Pizzaschachtel, die aus unerklärlichen Gründen hinter dem Sofa liegt.

Warum sie dort liegt, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich ist das auch besser so. Man nimmt das letzte kalte Stück. Und denkt: Perfekt.


Und plötzlich ist es völlig egal, dass Pizza um halb sieben morgens eigentlich nicht auf dem Frühstücksplan steht.


Und dann wäre da noch das letzte Stück.

Warum ist das eigentlich heilig?

Alle wollen es.

Niemand nimmt es.

Es liegt da.

Ganz allein.

Und wird mit jeder Minute wichtiger.

Jeder schaut hin.

Niemand greift zu.


Man möchte schließlich nicht derjenige sein, der das letzte Stück nimmt. Bis irgendwann einer sagt:

„Na gut, wenn es keiner will …“

Und weg ist es. Dabei wollte es natürlich jeder.


Bei mir gibt es übrigens noch eine ziemlich eigene Essensregel. Süßes esse ich fast ausschließlich nachts. Tagsüber kann ich an Schokolade vorbeigehen, ohne dass irgendetwas passiert. Aber irgendwann gegen Mitternacht verändert sich offenbar die Gesetzeslage. Plötzlich ist Schokolade keine Süßigkeit mehr.


Sie ist eine Option. Eine ziemlich vernünftige sogar. 😉 Vielleicht haben wir uns diese ganzen Regeln einfach irgendwann angewöhnt.


Frühstück.

Mittagessen.

Nachmittagskaffee.

Abendessen.


Und dazwischen gibt es Dinge, die irgendwie „passen“ – und andere, die plötzlich aussehen, als hätten sie sich in die falsche Tageszeit verirrt. Dabei hat der Körper eigentlich nie einen Kalender vor sich liegen.


Der Magen weiß vermutlich nicht, ob es 8:45 Uhr oder 14:20 Uhr ist. Er weiß nur:

Da ist Essen. Vielleicht sind es also gar nicht die Lebensmittel, die eine Uhrzeit haben.


Vielleicht sind es wir, die ihnen eine geben. Und natürlich könnten wir jetzt Ernährungsexpertinnen fragen. Die würden uns das wahrscheinlich sehr genau erklären.


Was wann sinnvoll ist.

Was man besser morgens isst.

Was abends lieber nicht mehr.

Welche Kombinationen optimal sind.

Und vermutlich gäbe es dazu noch eine hübsche Grafik.


Aber ehrlich gesagt:

Das würde uns die ganze Kulinarik ein bisschen vermiesen.


Und außerdem gibt es ja noch die Medfluencer. Die wissen natürlich auch ganz genau, welche Lebensmittel wir unbedingt brauchen. Am besten ziemlich viel davon. Und beim Bestellen bitte den Promocode verwenden. Sonst verdient der gute Rat am Ende ja gar nichts. 😉


Aber vielleicht ist genau das das Schöne am Essen: Wir haben daraus ein ziemlich kompliziertes Regelwerk gemacht.

Cappuccino vor elf.

Stelze um neun.

Pizza um halb sieben morgens.

Schokolade um Mitternacht.


Und irgendwo dazwischen versuchen wir, uns an Regeln zu halten, deren Ursprung wahrscheinlich niemand mehr kennt. Dabei könnte man es auch ganz einfach machen:


Man hat Hunger.

Man isst.

Man hat keinen Hunger.

Man isst vielleicht trotzdem.


Ich sag, wie’s ist:

Es gibt allerdings eine Essensregel, an der ich festhalte. Und die habe ich vermutlich selbst irgendwann beschlossen. „Aufgewärmt schmeckt nur ein Gulasch!“ 😉

Damit wäre das auch geklärt.

 
 
 

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