Finanzamt in 2 Varianten
- Christoph

- 9. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Also ehrlich – es gibt Dinge, die sollte man in der Früh einfach nicht auf seiner To-do-Liste haben. Zum Beispiel ein Schreiben vom Finanzamt. Mit Strafandrohung. Und Frist.
Na super. Als ob die Woche nicht ohnehin schon genug Herausforderungen bereithielte.
Ich denke mir: gut, ich rufe an. Frage höflich nach einem Termin zur Klärung. Antwort:
„Leider nicht möglich, bis Ende des Monats alles ausgebucht.“
Ich: „Aber die Frist läuft vorher ab.“
Sie: „Dann müssen Sie sich halt was einfallen lassen.“
Ich: "Danke für die Wortspende."
Na bitte.
Ich bin Christoph – und „geht nicht“ ist kein Teil meines Wortschatzes. Also beschließe ich, am nächsten Tag persönlich hinzugehen. Nämlich heute Interner Termin verschoben, Kaffee verschluckt, und um 7:45 Uhr stehe ich vor dem Finanzamt. In der Schlange. Zwischen Formularfetischisten, Steueroptimisten und jenen, die einfach nur verzweifelt nach einem Stempel suchen.
Endlich bin ich dran.
Eine Dame, so Mitte 60, Frisur wie aus der Kategorie „sturmerprobt“, fragt streng:
„Name?“
Ich nenne ihn.
Sie blickt auf eine Liste.
„Sie stehen da nicht drauf.“
Ich: „Nona. Sonst wäre ich ja nicht hier.“
Ich beginne, mein Anliegen zu erklären.
Sie hebt den Kopf, sieht mich an – dieser Blick zwischen genervt und „Ich hab schon ganz andere kommen sehen“ – und sagt:
„Interessiert mich nicht. Verlassen Sie diesen Bereich.“
Tja.
Da war sie also, die freundliche Sonne des österreichischen Behördenmorgens. Vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Start in den Tag – kein Kaffee, kein Enkel am Wochenende zu Besuch, am Sudoku in der Straßenbahn gescheitert. Keine Ahnung.
Aber das musste sie ja nicht an mir auslassen.
Ich sag also:
„Wissen Sie, das geht auch netter. Vielleicht war der Tag bisher nicht der Ihre, aber Kundenservice ist das keiner.“
Den Rest der Ding, die ich noch sagen wollte oder gesagt habe, erspare ich mit an dieser Stelle aus meinem Gedächtnis aufzurufen.😉
Zwei Sekunden später: Security-Alarm.
Zwei Herren in Uniform, freundlich aber bestimmt. Ich erkläre mein Anliegen noch einmal – sachlich, ruhig, (naja, so halb). Einer von ihnen nickt, sagt leise:
„Ja, das System …“
Dann schreibt er mir eine Telefonnummer auf einen Zettel. „Versuchen Sie’s da mal.“
Ich denk mir: Aha. Jetzt wird’s spannend. Eine geheime Nummer mitten im Finanzamt – fast wie im Film.
Ich rufe an.
Nach ein paar Klingeltönen: eine Stimme. Warm. Freundlich. Kärntner Akzent.
„Grüß Gott, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ Ein Tonfall, wie wenn alle positiven Sätze in den Glückskeksen der letzten 20 Jahre heute in Erfüllung gegangen sind.
Und siehe da – ich bin plötzlich im Finanzamt Klagenfurt. Wie und warum? Keine Ahnung. Vielleicht hat der Security gute Kontakte, vielleicht war’s Schicksal. Oder Karma.
Ich schildere mein Anliegen, nenne die Steuernummer (nach kurzem Hinweis, wo ich die überhaupt finde – danke dafür!), erkläre das Schreiben, die Frist.
Sie hört zu. Geduldig. Und dann sagt sie:
„Ach, des kenn i. Das is bei Ihnen in Wien a bissl… sagen wir mal… speziell. Aber machen S’ Ihnen keine Sorgen, wir lösen das.“
Sie erklärt mir, wo ich was eintragen muss, welches Formular ich nehmen soll, und wie ich den Einspruch formuliere.
„Und keine Sorge“, sagt sie, „jetzt is’ das Finanzamt dran. Die müssen reagieren – und das dauert bekanntlich a bissl.“
Dann entschuldigt sie sich sogar für das Verhalten ihrer Kollegin, obwohl sie dafür nun wirklich nichts konnte.
Ich sitze da, noch immer mit dem Handy am Ohr, und denke mir:
Wer braucht bitte eine Steuerberatung, wenn es liebevolle Finanzexpertinnen aus Klagenfurt gibt? Zwischen Zahlen, Formularen und Beamtenlogik hat sie mir ein kleines Stück Menschlichkeit geschenkt.
Zehn Minuten später habe ich das Formular ausgefüllt, unterschrieben, abgegeben – erledigt.
Von einer Kärntner Stimme durchs Steuerlabyrinth geführt, während in Wien vermutlich gerade jemand den „freundlichsten Empfang des Monats“ in der Pfeife raucht.
Ich sag, wie’s ist:
Es gibt Tage, da lernt man, dass Bürokratie nicht das Problem ist – Menschen sind es.
Und manchmal sind’s eben genau die richtigen Menschen, die man zur richtigen Zeit an der Leitung hat.
In meinem Fall: eine Dame aus Klagenfurt mit Herz, Hirn und Humor – und das war steuerfrei das Beste, was mir an diesem Morgen passieren konnte.



Ich musste innerlich so lachen. Ich kann mir das bildlich vorstellen. Christoph zwischen bestimmt, unverständig und Aussagen, die mit Sicherheit Konfliktpotenzial haben. Dich müßte man echt erfinden. 😀 Hab einen schöben Tag und liebe Grüße heute mal aus Hamburg, Elisabeth