top of page

Freund & Helfer. Mit Herz.

(Oder: Für alle, die immer schimpfen: mich eingeschlossen.)

Freunde, freunde, Freunde...

Schon wieder etwas über Freund und Helfer...muss gesagt sein. Es gebe so viele Geschichten und Eindrücke über den heutigen Tag.


Aber jetzt sagen wir auch mal Danke

Ich war in der Stadt, genauer gesagt Downtown Wien.

Es war heiß. Also wirklich heiß. So eine Mischung aus „Spanische Treppe in Rom um 14 Uhr“ und „Frisch asphaltierter Gehsteig nach Betriebsanleitung“.


Zu viele Menschen, zu viele Touristen, alle ein bisserl überhitzt.

Ich mittendrin, wartend. Auf jemanden, der Pünktlichkeit offenbar eher als Vorschlag versteht. Aber gut, das gehört nicht hierher.


Nebenbei: Der Unterschied zwischen Wienerinnen und Touristinnen lässt sich an solchen Tagen leicht erkennen.


Touristen haben Stadtpläne, Sonnenbrillen und diesen „Da muss doch irgendwo ein hübscher Platz sein“-Blick.


Wienerinnen haben Espressoflecken, einen innerlichen Countdown zum nächsten Urlaub und die Erkenntnis:


Das Leben ist kein Moodboard, sondern eher ein schlecht belichteter Newsletter, den man trotzdem lesen muss.


Während ich also so warte, fällt mir ein Mann auf.

Gefühlt Ende 70, Anfang 80. Blind auf einem Auge, redet mit sich selbst. Ein Spitalsarmband am Handgelenk, das erkenne ich sofort. Er wirkt verwirrt.


Und ich denk mir: Was ist da los?

Ist der irgendwo ausgebüxt, aus einer Einrichtung, weil’s ihm zu viel war?


Ich mach mir Sorgen. Nehm mein Herz in die Hand, sprech ihn an.

Ob alles ok ist.


Er lacht. Sagt: „Na ja… es war mir einfach zu viel im Pflegeheim. Das kommt manchmal vor.“

Und dann erzählt er: Wenn’s ihm reicht, geht er einfach. Das wissen die eh dort. Können aber nichts machen.

„Die rufen dann immer die Polizei… oder manchmal ich selber. Oder ich bitt’ jemanden, weil Telefon hab ich keins.“

Ich frag ihn: „Soll ich wen holen?“

Er sagt: „Ja, das wär nett.“


Also Handy raus, Polizei angerufen. Ich erklär die Lage. Erwart ich mir ehrlich gesagt ein „Da sind wir nicht zuständig“, aber nein.

Die sagen: „Wir schicken jemanden.“


Drei Minuten später ist die Streife da.

Zwei junge Polizisten, eine junge Polizistin.


Und wie die sich gekümmert haben! Ganz ruhig, ganz freundlich, ganz menschlich. Einer von den beiden holt sogar noch schnell ein Wasser von irgendwo her, weil’s ja so heiß ist.

(Sidefact: Im Marketing würde man das jetzt unter „Customer Experience“ verbuchen. In echt heißt’s einfach Anstand.)


Der alte Mann sagt noch zu mir, während sie mit ihm reden:

„Früher war ich immer mit meiner Frau hier. Jeden Sonntag. Im Dom. Damals hat’s noch den alten Kardinal König gegeben. Eigentlich unüblich, dass die Frau vor dem Mann stirbt… hab ich gelesen. Weil Frauen werden ja älter. Aber so spielt’s halt das Leben.“


Ich nicke nur. Weiß nicht, was man da sagen soll.


Und als sie ihn dann sanft in den Wagen bitten, sagt die junge Polizistin zu mir:

„Naja… wir sind ja nicht so schlecht wie unser Ruf.“

Während der Kollege dem Mann das Wasser reicht.


Auch wenn’s offiziell vielleicht nicht unser Job wär… manchmal ist’s halt einfach das Richtige.


Und ich?

Ich hab eigentlich gar nichts getan. Ich hab nur dagesessen, zugeschaut.

Und mich ein bisserl über mich selbst geärgert.

Weil ich innerlich schon auf Krawall eingestellt war.


Ich sag’s, wie’s ist.

Vielleicht sollte man sich öfter daran erinnern:

Gute Geschichten schreiben sich im echten Leben einfach besser als in jedem Marketing-Workshop zum Thema: "Don´t let your story remain untold!"


 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page