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Der Platz, an dem ich es garantiert wiederfinde

vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit

Ich verlege ständig Dinge. Nicht irgendwelche Dinge.

Vor allem Dinge, die ich eigentlich nicht verlegen dürfte.


Denn ich habe für manche davon extra einen Platz. Einen festen Platz. Einen Ort, an dem ich mir irgendwann einmal gedacht habe:


Da legst du es hin, Christoph. Dann findest du es immer wieder.

Eigentlich ein ziemlich gutes System. Das Problem ist nur:


Ich halte mich nicht immer daran. Und wenn ich mich einmal nicht daran halte, beginnt die Suche. Dann stehe ich irgendwo und denke: Wo habe ich das hingelegt?


Und das Interessante ist: Ich suche nicht einfach. Ich versuche mich zu erinnern, was ich gedacht habe, als ich es irgendwo hingelegt habe. Das ist ein großer Unterschied.


Denn manchmal weiß ich sogar noch: Ich hatte es in der Hand.

Ich wollte es bewusst irgendwohin legen. Und ich hatte einen Grund dafür.

Nur welchen? Keine Ahnung.


Das Gehirn hat offenbar beschlossen, den Gegenstand zu speichern, aber die dazugehörige Begründung zu löschen. Sehr effizient.


Manchmal gehe ich dann den Weg zurück.

Nicht räumlich.

Gedanklich.

Was habe ich gemacht?

Wo war ich?

Warum hatte ich das überhaupt in der Hand?

Was wollte ich danach machen?


Und irgendwann lande ich bei: Keine Ahnung. Das ist dann meistens der Moment, in dem ich anfange, an völlig absurden Orten zu suchen. Nicht weil ich ernsthaft glaube, dass es dort liegt. Sondern weil man irgendwann denkt:

Es kann ja nicht schaden.


Und genau da wird die Suche interessant. Denn plötzlich findet man Dinge, die man gar nicht gesucht hat. Ein Kabel. Einen alten Kugelschreiber. Irgendeinen Zettel, bei dem man sich nicht mehr erinnern kann, warum man ihn aufgehoben hat.


Man räumt eine Schublade aus, obwohl man eigentlich nur etwas finden wollte. Und nach zehn Minuten weiß man nicht mehr, was man ursprünglich gesucht hat. Dafür hat man jetzt drei Dinge in der Hand, die ebenfalls einen festen Platz bräuchten.


Das ist ungefähr der Moment, in dem ein einfaches Wiederfinden zu einem kleinen Organisationsprojekt geworden ist. Und manchmal passiert etwas noch viel Ärgerlicheres.


Ich finde das Ding. Genau dort, wo ich vorher schon gesucht habe. Und dann steht man davor und denkt:


Das kann jetzt nicht wahr sein. Ich habe dort nachgesehen.

Ich weiß es.

Mehrmals sogar.

Offenbar war es dort.

Ich war nur nicht in der Lage, es zu sehen.


Vielleicht ist das überhaupt das Seltsamste an der ganzen Sache:

Wir verlegen Dinge nicht unbedingt. Manchmal verlegen wir nur unsere Erinnerung daran, wo wir sie hingelegt haben. Und dann gibt es die besonders cleveren Momente.


Ich weiß zum Beispiel, dass ich etwas später brauchen werde. Also denke ich:

Das lege ich jetzt an einen ganz besonderen Platz. Einen Platz, den ich garantiert nicht vergessen werde. Das funktioniert. Ich vergesse ihn nicht. Ich vergesse nur, welcher Platz es war.


Das ist dann schon fast eine Form von geistiger Selbstsabotage. Und manchmal finde ich die Dinge erst Tage später. Dann steht man da und denkt: Natürlich.


Warum bin ich darauf nicht gekommen? Weil ich eben nicht mehr weiß, dass ich genau deshalb diesen Platz ausgesucht hatte.Und vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zwischen einem festen Platz und einem guten Versteck:


Ein guter Platz ist einer, den man wiederfindet. Ein Versteck ist einer, den man selbst nicht mehr findet.


Und ich fürchte, ich habe einige Dinge in meinem Leben sehr erfolgreich versteckt. Vor mir selbst. Was übrigens nicht bedeutet, dass ich keine Ordnung mag.


Im Gegenteil.

Ich mag Ordnung.

Ich mag Systeme.

Ich mag es, wenn Dinge einen Platz haben.


Ich bin nur manchmal nicht ganz kompatibel mit meinen eigenen Systemen. Und das ist wahrscheinlich der Punkt, an dem ich aufhören sollte, mir noch mehr feste Plätze auszudenken. Vielleicht brauche ich einfach weniger Plätze.


Oder größere.

Oder ein Schild.

„Christoph, du hast das hier hingelegt.“

Wobei ich vermutlich irgendwann anfangen würde, das Schild zu suchen.


Ich sag, wie’s ist:

Ich verlege Dinge nicht, weil sie keinen festen Platz haben. Ich verlege sie, weil ich ihnen manchmal einen neuen gebe. Und den kenne ich dann leider nicht mehr. 😉

 
 
 

4 Kommentare

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Sarah
vor 18 Stunden
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ich frag für eine Freundin. 😉 die wievielte Brille hast du jetzt schon im Jahr 2026😂

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Christoph
vor 18 Stunden
Antwort an

Gar nicht so schlimm… sag deiner Freundin es sind drei😉

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Laura
vor einem Tag
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Genau so ist er, denk ich 😉

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Christoph
vor einem Tag
Antwort an

genau so.....danke für die Einschätzung😉

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