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Was strahlt da eigentlich?

vor 10 Minuten
3 Min. Lesezeit


Gestern hat jemand zu mir gesagt:

„Sie haben eine ganz besondere Ausstrahlung.“

Ich habe Danke gesagt. Aber eigentlich habe ich mich gefragt:

Was bedeutet das eigentlich?

Ausstrahlung. Charisma. Präsenz.

Große Wörter für etwas, das man selbst überhaupt nicht sieht. Es gibt Vorträge oder Vorlesungen, da bist du einfach der Trottel, der da vorne steht. Ende.


Die Menschen hören dir nicht unbedingt zu, weil sie dir zuhören wollen. Vielleicht gibt es Anwesenheitspflicht. Vielleicht hat eine Firma den Vortrag bezahlt. Vielleicht glaubt irgendwo jemand, dass das, was der da vorne erzählt, irgendwann tatsächlich umgesetzt wird.

Kann alles sein. Und dann gibt es andere Situationen. Beruflich. Privat. Da merkst du plötzlich etwas. Du sagst vielleicht gar nicht viel. Du mischst dich nicht in jede Diskussion ein. Und trotzdem ist die Aufmerksamkeit irgendwie ein bisschen bei dir. Manchmal merke ich, dass Menschen mich beobachten.


Nicht unangenehm. Eher so: Was denkt er? Was wird er sagen? Und manchmal kommst du in einen Raum und plötzlich wird es ein wenig leiser. Nicht immer. Gott sei Dank.


Denn es gibt auch Tage, da kommst du irgendwo hinein und denkst dir:

"Hallo. Ich bin da."

Wäre eigentlich ein Satz, den man brüllen müsste. Vor allem dann, wenn du genau deshalb dort bist, um deinen Job zu machen und jemandem etwas beizubringen.

Und dann sitzt du da und denkst:

"Na gut. Dann eben heute nicht."

Vielleicht hängt Ausstrahlung auch davon ab, wie es einem selbst gerade geht. Wie aufmerksam man ist. Wie präsent. Wie viel Energie man hat. Vielleicht merkt ein Gegenüber, ob jemand wirklich da ist oder nur körperlich anwesend. Und vielleicht ist das, was andere als besondere Ausstrahlung wahrnehmen, manchmal einfach meine etwas schräge Art.


Ich denke laut. Ich murmele vor mich hin. Manchmal sage ich Dinge, die andere wahrscheinlich nicht sagen würden. Und manchmal frage ich mich ein paar Sekunden später, warum ich diesen Gedanken jetzt unbedingt laut aussprechen musste.


Vielleicht ist das Charisma.

Vielleicht ist es Ausstrahlung.

Vielleicht bin ich aber auch einfach ein bisschen schräg.


Man sieht Charisma ja nicht. Man kann es nicht auf den Tisch legen. Und meines Wissens gibt es auch kein Gerät, das einem sagt: Heute 74 Prozent Charisma. Morgen nur 31. Obwohl ich mir vorstellen könnte, dass irgendjemand gerade daran arbeitet.

Vielleicht sogar mit einer App.

Keine Ahnung.


Aber die Frage finde ich tatsächlich interessant:

Kann ein Mensch Charisma haben und es trotzdem nicht ständig ausstrahlen? Wenn Charisma eine feste Eigenschaft wäre, müsste es ja eigentlich immer da sein. Vielleicht ist es das aber gar nicht.


Vielleicht entsteht es erst zwischen Menschen. Das wäre eine ziemlich große These. Denn dann könnte etwas heute da sein und morgen nicht. Im selben Raum. Mit denselben Menschen. Und plötzlich ist etwas anders.


Vielleicht liegt es an einem selbst.

Vielleicht am Gegenüber.

Vielleicht an der Situation.

Vielleicht an zehn Dingen gleichzeitig.

Keine Ahnung.


Aber seit gestern beobachte ich das ein bisschen genauer. Nicht nur bei mir. Auch bei anderen. Warum nehmen wir manche Menschen sofort wahr, obwohl sie gar nicht viel sagen? Warum hören wir manchen Menschen zu, obwohl sie eigentlich gar nichts Besonderes sagen? Und warum können andere zehn Minuten reden und man schaut irgendwann trotzdem auf die Uhr?


Vielleicht ist Charisma gar nicht die Fähigkeit, besonders viel Aufmerksamkeit zu

bekommen. Vielleicht ist es einfach dieses schwer zu beschreibende Gefühl, dass jemand wirklich da ist. Und vielleicht merkt man selbst gar nicht, wann das passiert.


Wie soll man sich selbst dabei beobachten? Das wäre ungefähr so, als würde man versuchen, seinen eigenen Hinterkopf zu fotografieren. Irgendwie geht es. Aber warum macht man das?


Ich sag, wie’s ist:

Ich weiß noch immer nicht, ob das gestern Charisma war. Ausstrahlung. Präsenz.

Oder einfach nur ich.


 
 
 

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