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Zwischen Orange und Gelassenheit


Es gibt diese Herbsttage, die sich anfühlen, als hätte jemand heimlich die Welt in ein sanfteres Licht getaucht.


Die Luft ist frisch, fast kühl – aber sie trägt keine Schärfe in sich. 15 Grad, sagt das Thermometer, doch irgendetwas daran fühlt sich wärmer an. Vielleicht, weil die Sonne nicht mehr kämpft, sondern einfach da ist – ruhig, golden, ohne zu blenden.


Schon in der Früh, beim Blick aus dem Fenster, war der Himmel nicht einfach blau.

Er war orange – so ein Orange, das aussieht, als hätte jemand ein Stück Sommer vergessen und in den Morgen gemalt.

Und irgendwo zwischen Aufstehen und Losgehen war da dieses Gefühl: Das wird ein guter Tag.


Ich bin ein paar Wege gegangen, die ich sonst fahre.

Nicht aus Überzeugung, eher aus einem stillen Impuls heraus.

Vielleicht wollte ich einfach länger draußen bleiben, länger Teil dieses Lichts sein, das alles irgendwie milder macht – selbst die Gesichter der Menschen.

Sie lächeln, ohne Grund, so als hätten sie beschlossen, dass heute einfach kein schlechter Tag sein darf.


Und während ich unterwegs war, hatte selbst die Arbeit, die sonst durchaus mit Gewicht kommen kann, heute Flügel.

Dinge, die sich sonst querstellen, liefen rund.

Gespräche, die anstrengend sein könnten, waren leicht.

Es war, als hätte der Herbst heimlich an den Stellschrauben des Tages gedreht – ein bisschen Farbe hier, ein wenig Ruhe da – und plötzlich funktionierte alles.


Im Park, durch den ich am Nachmittag ging, war richtig Betrieb.

Nicht laut, eher lebendig.

Eichhörnchen, die zwischen Wurzeln und Wegen hin- und herschossen, als hätten sie ihre eigene To-do-Liste für den Winter.

Blätter, die im Wind tanzten, als wollten sie zeigen, dass sie auch gut drauf sind.

Und Menschen, die kurz stehen blieben, um all das anzuschauen – vielleicht, ohne es zu merken, einfach weil’s gut tat.


Die Luft roch nach nach Erde, Holz und diesem leicht süßen Duft von feuchtem Laub, der sagt: Es ist Zeit, ein wenig langsamer zu werden.

So, als würde dich der Herbst leise an die Hand nehmen und Schritt für Schritt in Richtung Winter führen – in Zeitlupe fast –

damit du nicht vergisst: Der Frühling kommt wieder.


Und so saß ich am Ende des Tages da – müde, aber mit einem Lächeln,

wie nach einem langen Gespräch mit einem guten Freund.

Einem, der nichts Großes sagt, aber still alles versteht.


So sind sie, diese schönen Herbsttage.

Unaufgeregt. Warm im Inneren.

Und genau dann da, wenn man sie braucht.


Ich sag, wie’s ist:

Der heutige Tag im Herbst konnte was.

 
 
 

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