Zweimal am Freitag, einmal am Montag – lieben Dank, Post!
- Christoph

- 11. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Ich war da. Wirklich. Trotzdem gibt’s einen gelben Zettel. Weil… na ja, weil’s geht.)

Freitag. Ich bin anwesend. Also wirklich anwesend.
Nicht „grad beim Bäcker“, nicht bei der Nachbarin“. Nein. Da.
Und dann liegt er da.
Der Zettel. Gelb. Frech.
„Wir haben Sie leider nicht angetroffen.“
Was folgt, ist klar:
Ab zur Post.
Schlange bis zur Eingangstür.
Ein Vater erklärt seinem Kind, dass Briefmarken früher mal eine große Sache waren.
Ich nicke innerlich.
Nummer ziehen. Was sonst - aber natürlich: Nummer ziehen.
Nummer 012.
Vor mir: jemand, der fünf Postkarten frankieren will und mit der Verkäuferin über das „beste Motiv“ diskutiert. Ich atme durch die Stirn.
Dann ich.
Schalter 3.
Die Dame dort – ernst, professionell.
„Zettel und Ausweis, bitte.“
Ich reiche beides.
Sie schaut.
Dann runzelt sie die Stirn.
„Das ist aber komisch… das Paket wurde zurückgenommen – Adressat angeblich nicht angetroffen.“
Ich: „Ich war da. Wirklich.“
Sie: „Haben Sie vielleicht übersehen, dass es an eine andere Person im Haushalt adressiert war?“
Ich: „Ich wohne allein.“
Sie: „Hm.“
Dann:
„Könnte ein Fehler vom Zusteller sein. Passiert manchmal.“
Ich: „Oder oft.“
Sie sagt nichts. Nur ein kleiner Nadelblick.
Dann kommt der Satz:
„Das Paket ist wieder im Fahrzeug – das kommt am Montag erneut in die Zustellung.“
Ich nicke.
So ein bisschen resigniertes Nicken, wie man’s beim TÜV macht, wenn man weiß: Das mit dem Pickerl (Plakette) für´s Auto wird heute nix.
Ich frag:
„Können Sie’s nicht einfach hier bunkern? Ich hol’s, ich schwör’s.“
Sie: „Geht leider nicht. Ist systemseitig nicht vorgesehen.“
Klar.
Systemseitig.
Mein Lieblingswort.
Ich frag weiter:
„Und wenn ich den Zusteller irgendwo sehe – darf ich ihm das Paket direkt abnehmen?“
Sie: „Nur wenn Sie ihn wirklich sehen und er es Ihnen freiwillig überlässt.“
Ich: „Also... einvernehmliche Paketübergabe im Halbschatten der Zustellroute?“
Sie: „So ähnlich.“
Ich: „Und wo ist er jetzt?“
Sie (scrollt): „Irgendwo zwischen der Straße und der Hoffnung.“
Ich: „Passender Straßenname.“
Sie: „Ich geb Ihnen aber ungern die Route. Datenschutz.“
Ich: „Ich will ja nicht ihn – ich will nur mein Paket!“
Sie: „Das gehört aber im Moment zu ihm.“
Ich: „Verstehe. Ich suche also nicht den Zusteller. Ich suche das Gesamtpaket. Inklusive Mensch.“
Sie (kurze Pause): „Ich merk schon, Sie sind motiviert.“
Ich: „Ich bin ein Mann mit einem Zettel. Was soll ich sonst tun?“
Sie: „Montag wiederkommen.“
Ich: „Dann bin ich nicht da.“
Sie: „Dann kommt es zurück.“
Ich: „Dann war das hier ein Bewerbungsgespräch fürs Scheitern.“
Sie: „Willkommen bei der Post.“
Ich drehe mich um.
Hinter mir zwei ältere Herren, die gleichzeitig fluchen und nicken.
Einer davon murmelt:
„Ich hab letztes Jahr im Oktober ein Paket im Dezember bekommen. War ein Adventkalender.“
Ich sag: „Immerhin rechtzeitig für den nächsten.“
Draußen.
Freitag ist fast vorbei.
Ich hatte ein Paket. Es war da. Ich war da.
Und doch muss ich Montag wieder hin.
Montag, wo ich nicht da bin. Natürlich.
Ich sag wie’s ist:
Die Post schafft’s, dass du an einem einzigen Freitag an dir, der Realität und dem Zustellsystem zweifelst.
Und alles, was bleibt, ist ein Zettel –
Ich frage, ob man eventuelle schon für Montag eine Nummer ziehen kann.
Die Postbedienstete überhört´s einfach.



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