Gespräche, die nie stattgefunden haben.
- Christoph

- 5. März
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Gespräche, die führt man nie.
Kein Tisch, kein Kaffee, kein Gegenüber.
Und trotzdem waren sie da.
Manchmal sehr deutlich.
Ich meine diese Dialoge, die man im Kopf führt.
Mit Menschen, die man kennt.
Mit Menschen, die man kannte.
Oder mit Menschen, die irgendwo dazwischen hängen geblieben sind.
Diese Gespräche beginnen oft harmlos.
Mit einem Satz wie:
„Wenn ich dir das damals gesagt hätte …“
Oder:
„Eigentlich hätte ich nur erklären wollen, warum …“
Und dann nimmt das Ganze Fahrt auf.
Man argumentiert.
Man rechtfertigt sich.
Man wird klüger, schlagfertiger, ruhiger – leider immer erst im Nachhinein.
Im echten Leben wäre einem dieser eine Satz nie so gut eingefallen.
Im Kopf sitzt er perfekt.
Ich habe lange geglaubt, diese Gespräche wären Zeitverschwendung.
Gedanklicher Lärm.
Endlosschleifen ohne Ergebnis.
Heute sehe ich das anders.
Denn nicht jedes Gespräch ist dafür da, gehört zu werden.
Manche sind dafür da, verstanden zu werden.
Von einem selbst.
In diesen nie geführten Dialogen sagt man oft Dinge,
die man sich selbst lange nicht erlaubt hat.
Man setzt Grenzen – verspätet, aber immerhin.
Man erklärt sich – nicht um Recht zu bekommen, sondern um innerlich Ordnung zu schaffen.
Und manchmal sagt man auch einfach:
„So war das. Punkt.“
Ohne Applaus.
Ohne Antwort.
Ohne Gegenrede.
Das Erstaunliche ist:
Diese Gespräche verändern trotzdem etwas.
Nicht draußen.
Aber drinnen.
Nach manchen dieser inneren Dialoge fühlt man sich leichter.
Nicht euphorisch.
Eher… aufgeräumt.
Als hätte man einen Raum betreten, in dem schon lange das Licht gefehlt hat.
Natürlich gibt es auch die anderen Gespräche.
Die, die weh tun.
Die, in denen man sich selbst Dinge eingestehen muss, die man gern übersehen hätte.
Eigene Anteile.
Eigene Fehler.
Eigene blinde Flecken.
Auch die haben Wirkung.
Keine angenehme – aber eine ehrliche.
Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Diese Gespräche müssen nicht schön sein.
Sie müssen nur wahr sein.
Ich glaube nicht, dass jedes ungeführte Gespräch nachgeholt werden muss.
Manche Menschen sind nicht mehr erreichbar.
Manche Situationen nicht mehr korrigierbar.
Und manche Antworten würden ohnehin nichts mehr ändern.
Und manche werden sowieso noch kommen. (müssen)
Woher ich das weiß? Keine Ahnung...ich weiß es einfach...
Aber die Gedanken dazu…
die darf man zu Ende denken.
Nicht um abzurechnen.
Nicht um zu gewinnen.
Sondern um innerlich einen Punkt setzen zu können.
Vielleicht ist das der Moment, in dem Klarheit entsteht.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Sondern still.
Und man merkt:
Ich habe gesagt, was ich sagen musste.
Auch wenn es niemand gehört hat.
Manchmal reicht das. Und manchmal kommt´s anders,
weil das Gespräch eben doch kommt.
Ich sag, wie’s ist:
Nicht jedes Gespräch braucht ein Gegenüber.
Manche brauchen nur Ehrlichkeit – und ein bisschen Mut, sie im eigenen Kopf zu Ende zu führen.



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