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Good Vibes, Likes und andere Illusionen


Vielleicht sollte ich eines im Vorhinein etwas größer schreiben. Nur damit es nicht überlesen wird oder falsch verstanden. 😉


Ich bewerte nicht, ich stelle fest.

Ich bin nicht traurig und ich klage nicht an!😀


Heute war einer dieser Tage, die sich anfühlen, als hätte das Leben beschlossen, mal ein paar Extra-Gewichte auf die Schultern zu packen – einfach so, ohne vorher Bescheid zu sagen.


Und irgendwann dachte ich mir: „Ach, sei doch wie immer - digital ehrlich.“

Also habe ich eine Instagram-Story gemacht.

Kein dramatisches Schwarz-Weiß-Foto, kein Filter, keine epische Hintergrundmusik.

Nur Fotos, die ich kurz davor gemacht habe ohne die Story schon geahnt zu haben.

Und nur ein kurzer Text: sinngemäß:


„Schwieriger Tag. Wer ein bisschen Kraft übrig hat, kann mir ruhig ein paar Good Vibes rüberschicken.“

Ganz schlicht.

Ein kleines, virtuelles Handzeichen, das sagt: „Hey, ich könnte gerade ein bisschen Rückenwind gebrauchen.“


Hätte ich darauf wetten müssen, ich hätte viel Geld gesetzt.

Nicht auf Lottozahlen, nicht auf Pferderennen – sondern auf Menschen.

Denn ich war mir sicher, da kommt was zurück.

Nicht das ich es deswegen gepostet hätte, einfach so.

Nicht von allen, natürlich nicht, aber von ein paar.

Ein kleines Emoji, vielleicht sogar zwei Worte.

Aber …


237 Views.

0 Reaktionen. In Worten: null

Nicht ein einziges Mal „Good Vibes“.

Nur diese stille Zahl unter der Story, die da stand wie ein gelangweilter Türsteher.


Und ich rede hier nicht davon, dass jemand ein episches Statement raushaut oder einen motivierenden Roman schreibt. Ein Muskel-Emoji vielleicht...

Das dauert exakt zwei Sekunden – drei, wenn man es versehentlich erst groß und dann klein tippt. Zwei Sekunden, die niemand gefunden hat.

Oder das neutrale Standard-Emoji-Paket: 💪🙂✨ – fertig.

Stattdessen: Stille.

Digitales Schweigen.

Nur die Views, die langsam hochklettern, wie kleine Ameisen auf einem Marmeladenglas.


Das Absurde ist: Ich weiß ja, wie diese Netzwerke funktionieren.

Wir alle scrollen, konsumieren, wischen weiter.

Ich bin selbst schuldig, hundertfach.

Und doch sitze ich jetzt am Abend da und denke:

„Wirklich? Von 237 Menschen nicht mal irgendwas?“


Vielleicht hat jemand meine Story "gelesen", innerlich ein kurzes „Oh, hoffentlich geht’s ihm bald besser“ gedacht – und direkt weitergewischt zu einem Video, in dem ein Typ versucht, eine Melone mit bloßen Händen zu zerteilen oder eine Katze vom Sofa fällt: 👍

Nicht aus Bosheit.

Einfach, weil unser Gehirn längst darauf trainiert ist, weiter, weiter, schneller, schneller, schneller..dann ist der Kreis rund um die Person wieder ohne Umrandung...

Wir nehmen manchmal wahr, wir klicken, wir scrollen – wir nehmen vielleicht auch mal zur Kenntnis. Wir konsumieren Emotionen so nebenbei, wie man Chips isst, ohne hinzuschauen.


Und ich?

Ich hab gelernt, dass diese Zahl unter der Story nichts über mich aussagt (weiß ich theoretisch natürlich schon lange, logisch) – und auch nichts über die anderen.

Sie sagt nur, dass 237 Augenpaare kurz auf einen Text geblickt haben. Wenn überhaupt.

Das war’s.


So konsumieren wir (genau konsumieren ist das richtige Wort) "Social" Media...Entschuldigung nicht Social Media...Menschen habe ich gemeint,

so konsumieren wir Menschen.


Ich sag, wie’s ist:

Nein sag ich nicht....oder doch.... gute Nacht...


 
 
 

2 Kommentare

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ZipZog
16. Sept. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

🤗❤️💪🍰

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Christoph
16. Sept. 2025
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ah danke, mein Lieber! Gestern war wirklich ein sch... Tag....und du kennst mich ja ich nehm mir kein Blatt vor dem Mund, ob´s jemanden interessiert oder nicht...😉 so bin ich...hab den besten Tag den du erwischen kannst!

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