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Zwischen Nein und Gummischlange



Es gibt diese Tage.

Man kennt sie.

Diese Tage, an denen man einfach nur seine Ruhe haben will.

Nur nicht ansprechen – das wäre heute wunderbar.


Mir passiert es in letzter Zeit aber immer öfter, dass genau das Gegenteil passiert:

Menschen, die ich nicht kenne, sprechen mich an.

Und meistens wollen sie etwas von mir.


„Meister, hast du mal eine Zigarette?“

„Entschuldigung, ich bin obdachlos und habe Hunger.“

„Darf ich kurz dein Handy benutzen, nur ganz schnell?“

„Kannst du mir sagen, wo hier die Mariahilfer Straße ist?“ (während ich praktisch mitten auf der Mariahilfer Straße stehe)

„Hast du vielleicht fünf Euro, ich geb sie dir morgen wieder?“


Und das war heute wieder so ein Tag.

Und gerecht oder ungerecht, höflich oder nicht – innerlich dachte ich mir:

Ich sollte mir, wenn ich außer Haus gehe, einfach ein Schild umhängen.

Ein einziges Wort darauf.

Groß. Klar.

„NEIN!“


Doch da ich kein Schild dabei hatte, habe ich stattdessen etwas Neues ausprobiert:

Immer, wenn jemand zielstrebig auf mich zukam – und ich hab wirklich keine Ahnung, warum ich solche Situationen magisch anziehe – habe ich einfach die Handfläche vor mich gestreckt. Und bevor überhaupt jemand etwas sagen konnte, habe ich klar und deutlich „Nein“ gesagt.

In einem Ton, den man so… nun ja, sagen wir mal, nicht unbedingt mit mir verbindet.


Und dann kam der Nachmittag.


Zwischen zwei Terminen hatte ich ein bisschen Zeit.

Ich setzte mich in der Innenstadt von Wien auf eine Bank.

Kopf gesenkt – denn das minimiert die Wahrscheinlichkeit, dass mich jemand anspricht.

Dachte ich zumindest.


Plötzlich höre ich von links ein fröhliches:

„Duuu uuu!“


Ich blicke genervt auf – und schaue direkt in ein Kinderlächeln.

Ein kleines Mädchen, das ein Handy in der Hand hielt, das gefühlt halb so groß war wie das Mädchen selbst. Ich dachte schon, heute suche ich kein kleines Kind mit einer Mama sondern umgekehrt...du erinnerst dich an die Geschichte? (warum mich Kinder mögen, ich hab keine Ahnung🤗)


Ganz anders:

„Duuuu, kannst du ein Foto von mir und meiner Mama machen?“


Ich schaue weiter nach hinten und sehe ihre Mama.

Sie streckt die Hände zur Seite, legt den Kopf ein wenig schief – dieser Blick, der sagt:

„Ich kann nix dafür.“

Und was macht Christoph?

Wie könnte ich da Nein sagen?

Das Mädchen strahlt mich an und sagt:

„Ich erklär dir auch, wie das geht!“

Und dann kam die große Schulung in Sachen Samsung-Fotografie.

Welches Modell das war? Keine Ahnung – ich wusste nur, dass ich jetzt meinen Coach hatte.

Und weil die Situation so entzückend war, habe ich natürlich alle meine Foto-Tricks ausgepackt.

Perspektiven, Winkel, Serienbilder.

Am Ende hatten wir eine ganze kleine Fotosession.


Und der Hammer?

Ich wurde sogar bezahlt.

Das Mädchen hielt mir ihr kleines Sackerl mit Gummifrüchten hin und meinte:

„Darfst dir ruhig auch zwei nehmen!“

Ich griff hinein und entschied mich für eine kleine Gummischlange.

„Danke, ich heb sie mir auf“, hab ich gesagt.

Und ehrlich gesagt glaube ich, ich werde sie wirklich aufheben – als Erinnerung an diesen Moment.


Was für 20 Minuten.

Und, wäre es nicht Christoph – natürlich habe ich die Geschichte dann gleich beim nächsten Termin erzählt. Zu dem ich übrigens zu spät kam. ;-)


Und morgen?

Morgen werde ich sicher wieder angesprochen. Ob ich dann wieder gedanklich ein großes „Nein“-Schild umhängen habe?


Ich sag wie´s ist:

Ich glaube nicht.

 
 
 

1 Kommentar

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Bernhard
16. Sept. 2025

Wirklich Wahnsinn was bei dir immer los ist!

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