Heute nur halbe Power
- Christoph

- 23. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Tage, da läuft alles rund. Und dann gibt’s Tage wie heute.
Ich bin früh aufgestanden, noch bevor die Stadt richtig wach war – und hab sofort gemerkt: Der Fieberteufel hat zugeschlagen. Nicht laut, aber bestimmt. So einer, der sich’s gemütlich macht und sagt: „Heute, mein Freund, läuft alles ein bisschen langsamer.“
Duschen war schon die erste Herausforderung. Dieses eigentlich einfache Ritual wurde plötzlich zur kleinen Bergtour: Wasser aufdrehen, Temperatur treffen, nicht zu heiß, nicht zu kalt, und dann das Gefühl, dass selbst Shampoo seinen eigenen Willen hat. Handtuch holen – Pause. Anziehen – zweite Pause. Kaffee? Fast ein Abenteuerfilm.
Alles braucht plötzlich doppelt so lang, und während ich mich durch den Vormittag schleppe, denke ich mir: Wie oft übersehen wir eigentlich, was für eine Leistung ein ganz normaler Tag ist?
Anziehen, denken, sprechen, bewegen – das alles funktioniert sonst so selbstverständlich, als wär’s nichts. Und heute spüre ich: Es ist eigentlich alles.
Ich hab mich also nach dem Duschen wieder hingesetzt. Ein paar Mails, ein paar lose Gedanken, nichts Großes. Der Laptoplüfter klingt heute wie ein Konzert – ich schwör, er spielt Jazz.
Dann wieder ins Bett. Sogar die Fertigsuppe später war ein Projekt. Wasser erhitzen, Sackerl aufreißen, umrühren. Ich glaube, ich hab das Suppenpulver angesehen und gesagt: „Wir schaffen das gemeinsam.“
Und als ich dann am Fenster stand – eingewickelt in Decke, leicht schwindelig, aber mit einem Rest Humor – fiel mir auf, wie friedlich die Welt aussieht, wenn man sie mal aus dem Ruhemodus betrachtet. Keine Termine, kein Tempo. Nur Dampf von der Suppe und das Gefühl, dass’s vielleicht gar nicht so schlimm ist, mal schwach zu sein.
Morgen, ja morgen, da wünsche ich mir, dass die Körpertemperatur zwei Grad runtergeht – wen auch immer ich dafür bitten muss.
Und wenn nicht: Dann mach ich einfach weiter, nur ein wenig langsamer, ein wenig sanfter.
Ich sag wie’s ist.



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