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Happy Halloween Morning

Aktualisiert: 1. Nov. 2025


Ich hatte mir heute selbst freigegeben – offiziell. Ein kleiner Feiertag im eigenen Kalender, auch wenn es auf keinem amtlichen Zettel steht. „Day off“, wie man so schön sagt. Aber ganz frei war er natürlich nicht. Ein paar Dinge mussten erledigt werden, unter anderem – Trommelwirbel – ein Besuch auf dem Amt.

Genauer gesagt: beim Magistratischen Bezirksamt.


So ein Ort, an dem du persönlich erscheinen musst. Kein „ich schick jemand hin“, kein „das kann sicher online gehen“ – nein, hier gilt noch: Nur du, dein Anliegen und eine gute Portion Geduld. Keine Vollmacht hilft, kein Vitamin B, kein charmanter Anruf. Da nützt auch kein Porscheschlüssel, den man vorlegt, Bilder von der Villa oder von der Yacht (man kennt die Werbung aus den 90ern).


Eine Freundin hatte mich gestern noch gewarnt: „Rechne mit drei Stunden Wartezeit.“

Ich nickte damals lässig, aber in Wahrheit dachte ich mir schon beim Einschlafen:

Drei Stunden! Ich bin mir nicht sicher, ob meine Geduld so lange am Leben bleibt.

Aber gut – Augen zu, Kopf hoch, und los.


Schon beim Eingang – ein Portier. Freundlicher Blick, aber das kennt man ja:

Wer hier arbeitet, sieht täglich hunderte Gesichter, und nicht alle davon lächeln.

Also – Christoph-Style.

Schalter umgelegt, Freundlichkeitsmodus aktiviert.


„Einen schönen Freitagmorgen“, sage ich,

und er, etwas überrascht, hebt kurz die Augenbrauen, dann nickt er.

„Den wünsche ich Ihnen auch! Einfach rechts ums Eck zum Schalter –

Formular am besten schon ausgefüllt.“


Mach ich. Formular ausgefüllt, zack – Nummer gezogen: M531.

Ich denk mir: „Na gut, dann mal sehen, wie weit die sind.“

Ich hebe den Blick zur Anzeigetafel –

und rechne im Kopf schon mit dem Schlimmsten: Bestenfalls sind sie bei M470,

sage ich mir innerlich und stelle mich auf eine lange Wartezeit ein.

Doch weit gefehlt – ich schaue ganz langsam, fast vorsichtig, hoch an die elektronische Tafel und was scheint auf: Nächste Nummer M529.

Also genau 2 Menschen vor mir dran. Keine 5 Minuten später leuchtet schon meine Nummer... also nichts wie rein!


Ein Schalter neben dem anderen. Ich such kurz meinen, geh hin, lächle –

und bevor ich noch was sagen kann, begrüßt mich der Mann mit den Worten:

„Einen schönen guten Morgen.“

Meine Antwort wie aus der Pistole:

„Danke, den besten, den man haben kann, wünsch ich Ihnen.“

Zack. Lächeln zurück. Guter Start, denk ich mir und schiebe Formular und Reisepass durch den Glasschlitz.


Der Mann sagt: „Ah, haben wir gleich, kein Thema...“

Während er sich sofort ans Computerwerk macht, schaue ich links und sehe eine Frau mit zwei Kindern am Nebenschalter, die etwas überfordert wirkt.

Kramend nach Dokumenten und Kindern, die aufgeregt wirken,

als wären sie Linus von den Peanuts,

weil heute DER Tag ist – der große Kürbis kommt und bringt Geschenke.

(Zumindest in der Vorstellung von Linus.)


Ich denk mir: Hilf der Frau.

Also sage ich höflich: „Entschuldigung, darf ich Sie unterstützen?“

Sie meint verdutzt: „Und wie wollen Sie das machen? Dokumente muss ich schon selber suchen, und ob Sie meine Rasselbande in den Griff bekommen, wage ich zu bezweifeln.“

Ich lächle und sage nur ein Wort: „Abwarten.“


Im gleichen Zuge hab ich meinen braunen Lederrucksack aufgemacht

und ein Sackerl Haribo Vampire herausgezogen.

(Warum ich die da drinnen hatte – keine Ahnung. Vielleicht Vorsehung.)


Also habe ich sie hingestreckt:

„Happy Halloween vom großen Kürbis.“

Die Frau hat gelacht.

„Sie mögen die Peanuts, oder?“

Meine Antwort: „Ja klar, besonders Linus... und Schröder, das ist der am Klavier.“

Sie: „Sie sind Fachmann!“

Ich: „Klar, alle Charaktere zusammen spiegeln die Gesellschaft –das wusste schon Charles M. Schulz, der Erfinder.“

Den Kindern war’s egal.

Nach einer kurzen Erlaubnis der Mutter, das Geschenk anzunehmen, war Ruhe –

und zwischenzeitlich mein Anliegen auch schon erledigt,

mit Stempel, Brief und Siegel.


Also alles einpacken und raus aus der Schalterbatterie

mit einem „Allseits noch einen tollen Tag“.

Zurück im Gang sehe ich, wie sich eine Schlange gebildet hat,

die eher nach vier Stunden Geduld aussieht.

Da war es 8:30 Uhr – und der ganze Tag noch vor mir.


Happy Halloween Morning, sag ich nur.

Und irgendwie dachte ich mir:

Selbst an einem Amt kann’s manchmal magisch zugehen –

man muss nur den richtigen Rucksack dabei haben. 🎃


Ich sag, wie’s ist:

Heute war’s amtlich schön.

 
 
 

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