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Heee, Bitte was?


Manchmal beginnt ein Tag mit einem Wort.


Nicht mit einem Kaffee.

Nicht mit einer Nachricht.

Nicht einmal mit einem Termin.

Sondern mit einem Wort.


Heute früh war es dieses: Paraskevidekatriaphobie.


Ein Wort, das klingt, als hätte jemand beim Scrabble beschlossen, einfach das ganze Alphabet auf einmal zu verwenden.


Und nein – es ist kein neues griechisches Restaurant.

Es ist die Bezeichnung für die Angst vor Freitag dem 13.

Ich wurde heute früh darauf angesprochen.

„Heute ist Freitag der 13., weißt du das?“

Ich nickte.

„Und weißt du auch, wie die Angst davor heißt?“

Ich dachte kurz nach. Nicht lange.

Denn wer mich kennt, der weiß:

Ich bin ein großer Freund des völlig unnützen Wissens.

Wissen, das man im Alltag eigentlich nie braucht.

Aber genau deshalb irgendwie liebt.


Also sagte ich:

„Paraskevidekatriaphobie.“

Stille. Ein Blick, der ungefähr sagen wollte:

Der hat das Wort jetzt nicht wirklich gewusst.


Doch. Habe ich.

Nicht, weil ich Angst vor Freitag dem 13. habe.

Ganz im Gegenteil.

Ich denke eigentlich nie darüber nach.


Freitag ist für mich Freitag.

Und die Zahl 13 ist… nun ja… eine Zahl.

Trotzdem ist das Wort faszinierend.


Paraskeví – das griechische Wort für Freitag.

Deka treís – dreizehn.

Und phobos – Angst.


Zusammen ergibt das also ein Wort, das so kompliziert ist, dass vermutlich niemand mit dieser Angst es jemals freiwillig aussprechen würde.


Man stelle sich vor, jemand ruft beim Arzt an:

„Guten Tag, ich glaube, ich habe Paraskevidekatriaphobie.“

Bis man das ausgesprochen hat, ist der Freitag vermutlich schon wieder vorbei.


Interessant ist auch, dass der Begriff nicht aus der Antike stammt.

Er wurde erst im 20. Jahrhundert populär gemacht.

Ein amerikanischer Psychotherapeut namens Dr. Donald Dossey soll ihn geprägt beziehungsweise verbreitet haben.


Ein Mann, der sich intensiv mit Aberglauben beschäftigt hat und irgendwann offenbar beschlossen hat:


Wenn Menschen schon Angst vor Freitag dem 13. haben, dann verdient diese Angst zumindest einen wirklich komplizierten Namen.


Und den hat sie bekommen. Paraskevidekatriaphobie.


Allein das Wort wirkt schon wie eine kleine Mutprobe.

Was mich an solchen Dingen aber immer fasziniert, ist weniger die Angst selbst.

Sondern die Tatsache, dass wir Menschen für fast alles ein Wort erfinden.


Wir geben Dingen Namen.

Phänomenen.

Gefühlen.


Manchmal sogar Dingen, die wir gar nicht wirklich verstehen.

Und plötzlich wirkt alles ein bisschen wissenschaftlicher. Ein bisschen erklärbarer.

Ein bisschen… kontrollierbarer.

Freitag der 13. ist so ein Beispiel.

Ein Datum.

Ein Kalendertag.


Und trotzdem gibt es Menschen, die an diesem Tag nicht fliegen.

Keine Verträge unterschreiben.

Keine wichtigen Entscheidungen treffen.

Manche Hotels haben nicht einmal ein Zimmer mit der Nummer 13.

In manchen Hochhäusern existiert der 13. Stock offiziell gar nicht.

Man fährt vom 12. direkt in den 14.

Ein architektonischer Trick gegen Aberglauben.


Ich finde das alles nicht schlimm. Eher interessant.


Weil es zeigt, wie sehr Menschen versuchen, dem Zufall eine Struktur zu geben.

Wenn etwas schiefgeht, suchen wir nach einem Muster.

Nach einer Erklärung. Nach einem Grund.


Vielleicht war es der Freitag.

Vielleicht die Zahl.

Vielleicht einfach nur… Pech.


Ich für meinen Teil habe heute jedenfalls nichts Ungewöhnliches festgestellt.

Der Kaffee war gut. Der Tag hat ganz normal begonnen.

Und niemand ist mir mit einer schwarzen Katze über den Weg gelaufen.

Zumindest noch nicht.


Bis zu einem Moment am Nachmittag.

Da stehe ich vor meiner Tür.

Greife in die Tasche.


Kein Schlüssel.

Andere Tasche.

Auch kein Schlüssel.

Rucksack. Nichts.


Ich denke mir:

Na wunderbar. Freitag der 13.

Natürlich. Ich gehe also meine Schritte im Kopf zurück.

Wo war ich zuletzt?

Im Büro. Im Café. Im Taxi. Im Lift.


Im… Moment.

Der Schlüssel.

Der Schlüssel steckt.

Außen an der Tür.

Seit dem Morgen.


Ich sage es, wie es ist:

Vielleicht hat Dr. Donald Dossey ja doch nicht ganz unrecht gehabt.

Vielleicht gibt es diesen Tag tatsächlich, an dem Dinge ein wenig anders laufen.

Oder zumindest ein wenig… schräger.


Wobei. Wenn ich ehrlich bin:

Das passiert bei mir auch an den anderen sechs Tagen der Woche ganz zuverlässig

und zu jedem Datum😉

 
 
 

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