„Wenn Höflichkeit fast zum Streit führt.“
- Christoph

- 16. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Heute war wieder einer dieser skurrilen Alltagsmomente, die man sich nicht ausdenken kann.
Ich war unterwegs, früh am Morgen, leicht verschlafen, aber schon mit dem Kopf halb im Tag – Präsentation, Mails, Termine.
Also wie immer: ein kurzer Stopp beim Dealer meines Vertrauens – sprich: Kaffee holen, bevor der Tag überhaupt eine Chance bekommt, mich zu überrollen.
Neben mir steht eine Dame. Etwa Mitte vierzig, elegant gekleidet, Typ „hat ihr Leben im Griff, inklusive wichtiger Termine um 8 Uhr früh“.
Dann ertönt der unvermeidliche Satz aus der Kaffeemaschine:
„Nächste bitte! Was bekommen Sie?“
Und dann passiert’s.
Wir können uns nicht einigen, wer zuerst dran ist.
Aber diesmal anders – kein Drängeln, kein Augenrollen, kein genervtes Atmen.
Sondern: pure, charmante Verwirrung der Höflichkeit.
Ich: „Sie kommen vor mir.“
Sie: „Nein, nein, Sie waren vor mir da!“
Ich: „Sie haben’s sicher eiliger, sieht so aus.“
Sie (lacht): „Naja, ich hab jetzt ein Online-Finanzmeeting mit der Zentrale in London, würg... Aber Sie sehen auch nicht aus, als wären Sie gerade auf dem Weg ins Fitnesscenter.“
Ich: „Stimmt. Ich rede heute über die Diagnose TikTok.“
Sie: „Worüber?“
Ich: „Na ja – was die sozialen Netzwerke so mit uns anstellen.
Im Hinblick auf die Veränderung der Kommunikation im Allgemeinen.“
Sie (grinst): „Da dürfen Sie aber auch nicht zu spät kommen.“Ich: „Notfalls erzähle ich einfach, dass mir Telegram am Morgen gemeldet hat, wir stehen kurz vor einem Bürgerkrieg – und ich mich deshalb nicht aus dem Haus getraut hab.“
Sie lacht.
Ich meine: richtig lacht.
Und plötzlich lacht der halbe Laden mit.
Dieser kleine, absurde Moment – mitten im Morgenchaos –
hat plötzlich alle wach gemacht, ganz ohne doppelten Espresso.
Wir einigen uns schließlich auf zwei Punkte:
1️⃣ Gentleman lässt Vortritt.
2️⃣ Finanz geht vor Social Irrsinn.
So bekamen wir beide unseren Cappuccino – nacheinander, aber mit gegenseitiger Hochachtung.
Ich verabschiede mich mit:
„Viel Erfolg mit den Kennzahlen, welche das auch immer sind.“
Sie: „Und Ihnen viel Spaß mit der Diagnose TikTok. Man sieht sich vielleicht in den Socials – ich leide übrigens unter der milden Form: Instagram.“
Ich sag, wie’s ist:
In drei Minuten beim Kaffee mehr echte Kommunikation erlebt
als in manchem Zoom-Meeting mit dreißig Leuten.
Und das ganz ohne Filter.



🤣