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Ich haB einen Knall!

(und ein Rubbellos)

Freunde, Freunde, Freunde…

Wenn ich keinen Knall in der Birne hätte, wär’s heute langweilig geworden.


Ich unterwegs. Straße. Gedanken spazieren lassen – irgendwo zwischen „Brauche ich eigentlich einen neuen Duschkopf?“ und „Warum heißt es eigentlich Klappstuhl und nicht Faltstuhl?“

Da plötzlich:

„Hast du einen Euro für mich?“

Normalerweise winke ich eher ab, sag gar nichts. Nicht unhöflich – eher reflexartig.

Aber heute… war mein Inneres irgendwie anders.


Ich: „Wofür?“

Er, mittleres Alter: „Ich hab Hunger.“

Ich: „Sie wirken eher, als hätten Sie Durst.“

Er: „Ja… davon ernähre ich mich. Erwischt.“


Und da fällt mir gleich der erste gesellschaftliche Gedanke ein:

Warum heißt es eigentlich immer einen Euro? Warum nie 73 Cent oder eine 50-Cent-Münze?

Ist das so eine inoffizielle Mindestsumme für spontane Hilfe?


Ich: „Alkohol wird das Dilemma nicht lösen.“

Er: „Da bräuchte ich eher einen Lotto-Sechser.“


Zweiter Gedanke:

Vielleicht bitten die Leute lieber um Geld als um Essen, weil es abstrakter klingt.

Weil es keine Geschichte erzählt. Essen ist konkret, Geld ist… na ja, flexibel.


Und dann – keine Ahnung, wo das bei mir immer herkommt – schießt es mir ein:

„Passen Sie auf… ich geh da in die Trafik. Kauf ein Rubbellos. Wenn ein Gewinn drauf ist, teilen wir.“

Er: „Und dann kaufen wir gleich einen Doppelliter Wein im Billigsupermarkt.“

Ich: „Abwarten.“


Rein in die Trafik.

Los gekauft.

Wieder raus.


Wir setzen uns auf eine Bank.

Ich fang an zu rubbeln.


Dritter Gedanke:

Es gibt Apps, die uns an alles erinnern – ans Trinken, ans Lüften, ans Atmen –

aber keine, die uns kurz vor einem reflexartigen Nein daran erinnert, menschlich zu sein.


Zurück zum Los:

Sieht nicht gut aus… bis zum Schluss.

Drei Mal „20 Euro“.

Heißt: 20 Euro Gewinn.


Rein, Gewinn eingelöst.

Ihm 10 Euro in die Hand gedrückt.

Er strahlt.

Ich auch.

Kein Highroller-Gewinn, kein Gesellschaftsproblem gelöst –

aber für einen Moment hat alles gepasst.


Er steht auf, nickt mir zu wie jemand, der gerade den Hauptpreis gewonnen hat,

ruft noch „Passt, Chef – heute wird’s ein guter Tag!“

und marschiert mit einer Mischung aus Stolz und wackligem Gleichgewicht Richtung Ecke.


Ich bleib noch kurz sitzen,

schau ihm nach, und frag mich, ob der Doppelliter Wein jetzt wirklich sein Ziel ist –

oder ob er sich doch was zu essen holt.


Ich sag’s, wie’s ist:

Manchmal braucht’s nur zwei Euro, eine Parkbank und einen kleinen Knall in der Birne,

um.....

 
 
 

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