ISO-zertifiziert verrückt – jetzt auch als Trainer
- Christoph

- 5. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Alle reden ja ständig über ISO. Alles muss ISO sein. ISO-zertifiziert, ISO-konform, ISO-sicher.
Aber mal ehrlich: Was heißt das eigentlich? ISO klingt für mich eher nach einem neuen Superfood oder einer hippen Jogginghose, die man in Mailand trägt.
In Wahrheit steht es für „International Organization for Standardization“.
Eine weltweite Behörde der Gleichmacherei. Alles wird genormt, alles wird geprüft, alles wird in DIN-A4 gepresst.
Und eigentlich müsste es auf Englisch ja IOS heißen.
Nur… dann hätten wir gleich zwei Probleme:
Erstens würde Apple vermutlich sofort klagen – „Hey, das gehört uns!“ – und zweitens frage ich mich ernsthaft, ob sie mir bei dieser Zertifizierungsprüfung vielleicht einfach ein neues Betriebssystem aufspielen.
Ein Update für den Trainer sozusagen:
„Bitte bleiben Sie während der Installation ruhig sitzen. Dies kann einige Minuten dauern.“
Und jetzt trifft es mich.
Nicht das Betriebssystem. Mich.
Ich – der seit Jahren unterrichtet – muss mich plötzlich selbst ISO-zertifizieren lassen.
Ich unterrichte schon ewig. Und ich brauche das auch, sonst wäre ich vermutlich irgendwann Schauspieler geworden. Unterrichten ist für mich Bühne, Austausch, Energie..eine Herzensangelegenheit!
Ich dachte immer, meine „Zertifizierung“ sei ganz einfach: Wenn die Teilnehmer am Ende rausgehen und sagen,
„Danke, das war der Hammer, das hat mir was gebracht, schon vorbei?“ – dann hab ich meinen Job erfüllt.
Aber nein.
Jetzt braucht es Stempel, Siegel und natürlich jede Menge Formulare, Geld und Zeit.
Denn wer glaubt, dass Erfahrung und Leidenschaft ausreichen, der hat die Rechnung ohne den ISO-Prüfer gemacht.
Ich habe mal zusammengezählt, was ich bisher so geleistet habe – Kurse, Seminare, Vorträge, und da sind die firmeninternen Trainings noch gar nicht dabei.
Über den Daumen gepeilt komme ich auf rund 2.700 Lehreinheiten.
Also 2.700 Mal aufstehen, reden, erklären, motivieren.
Oder wie ich es gerne nenne: 2.700 Mal den Kaspar spielen – mit Freude, versteht sich.
Und jetzt soll ich beweisen, dass ich didaktisch fit bin,
dass ich mit Einwänden umgehen kann,
dass ich weiß, wie man Feedback gibt, Skripten erstellt und Konflikte moderiert.
Ich muss sogar ein Beweisskriptum abgeben – nicht etwa, um es zu verwenden, sondern nur, um zu zeigen, dass ich es theoretisch kann.
Das ist ungefähr so, als würde man einem Sternekoch vorschreiben, er müsse erst mal beweisen, dass er weiß, wie man Wasser kocht.
ISO erinnert mich mittlerweile stark an Kaffeemaschinen.
Ja, auch Kaffeemaschinen sind ISO-zertifiziert.
Ich stelle mir vor, wie ich eines Tages auf der Prüfstelle sitze, und der Prüfer sagt:
„So, jetzt bitte einmal demonstrieren, wie Sie mit Einwänden umgehen – und danach entkalken Sie sich selbst.“
Im Marketing würde man diese Entwicklung vermutlich als „Rebranding“ bezeichnen.
Ich werde vom Trainer zur zertifizierten High-End-Marke, inklusive Prüfsiegel und QR-Code auf der Stirn.
Vielleicht gibt’s bald sogar einen Black Friday Deal für uns Trainer:
„Jetzt zertifizieren lassen und 20 % Rabatt auf den zweiten Kursleiter.“
Natürlich sehe ich den Sinn von Standards – in der Theorie.
Standards helfen, Qualität zu sichern, Abläufe zu strukturieren und Chaos zu vermeiden.
Aber wenn wir anfangen, Menschen zu zertifizieren wie Toaster, dann wird’s absurd.
Ich kann mich lebhaft an meine erste ISO-Schulung erinnern:
Es war ein Raum voller Menschen, die alle so aussahen, als würden sie gerade überlegen, ob sie lieber hier bleiben oder spontan eine Selbsthilfegruppe gründen sollten.
Mein Fazit?
Ich werde das alles brav mitmachen.
Nicht, weil ich es für sinnvoll halte,
sondern weil es eben dazugehört.
Ich will ja weiter unterrichten, weiter Menschen inspirieren – auch wenn ich dabei jetzt genormt und zertifiziert bin.
Aber im Herzen bleibe ich, wer ich bin: ein Typ, der vorne steht, erklärt, motiviert und manchmal ein bisschen schauspielert. Und wenn mich jemand blöd angeht?
Was will man mir sagen? Ich bin ISO-zertifiziert....
Ich sag’s, wie’s ist.
Nur ab dann eben mit dem offiziellen Siegel:
„ISO-zertifiziert verrückt – limited edition.“



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