1 Euro, 10 Sekunden, keine Beichte.
- Christoph

- 3. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
(und plötzlich war ich drinnen)

Heute habe ich etwas gemacht, das hat 10 Sekunden gedauert,
hat einen Euro gekostet –
und war nicht für mich.
Und passiert ist es völlig zufällig.
Ich war heute früh draußen, bin durch die Stadt geschlendert,
ohne Ziel, eher im „Ich-schreib-mir-das-mal-ins-Gehirn“-Modus.
Und plötzlich stand ich vor der berühmtesten Kirche Wiens.
Vielleicht hat mich der Wind reingezogen,
vielleicht war’s Neugier,
oder einfach die ungeschriebene Regel,
dass man manchmal spontan Dinge tut,
ohne lange zu überlegen.
(Daran, dass heute Sonntag ist, hab ich erst jetzt beim Schreiben gedacht.)
Ich bin also rein.
Es war warm – dieser warme Kirchen-Warm,
den man in keinem Heizkatalog findet.
Leise Schritte, der Geruch von Holz,
und irgendwo mischt sich Weihrauch mit dem Staub von Jahrhunderten.
Ich hab eine Kerze angezündet.
Nicht für einen bestimmten Anlass,
nicht als To-do auf einer spirituellen Liste.
Einfach so.
Weil es sich in dem Moment richtig angefühlt hat.
Vielleicht, weil Kerzen ein bisschen wie handgeschriebene Briefe sind:
Sie sagen etwas, ohne es zu schreien.
Sie schaffen Nähe, ohne sich aufzudrängen.
Und sie halten, was sie versprechen –
auch wenn niemand hinschaut.
Und während die Flamme flackerte, ging mein Kopf auf Reisen:
Soll ich gleich noch eine zweite anzünden – als Backup, falls die erste ausgeht?
Zählt es doppelt, wenn man besonders langsam zündet?
Und ob wohl irgendjemand auf der Welt Kerzenlicht schon mal so inszeniert hat, dass es nach Werbekampagne aussieht?
Vielleicht war es einfach nur der Moment.
Vielleicht für jemanden. Vielleicht für mich.
Marketing würde sagen: „Jede Handlung braucht ein Ziel.“
Aber heute dachte ich:
Vielleicht ist der Wert genau, dass es keinen Zweck gibt.
Weil ich vorbeigekommen bin.
Weil die Tür offen war.
Weil Kerzenlicht auf einer Kirchenbank schöner aussieht als jede LED-Lampe im Baumarkt.
Und ja möglich, vielleicht hab ich an jemanden gedacht.
Vielleicht hat’s die Seele gespürt.
Oder auch nicht.
Ich sag, wie’s ist:
Manchmal sind die kleinsten Gesten die größten Statements –
und brauchen nicht mal ein Publikum.



Man muss nicht immer einen Grund haben. Schönen Abend!