Keine Sorge - Ich tu nur so
- Christoph

- 27. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Zwischen Soundtrack und Schlafmodus – irgendwo dazwischen liegt das echte Leben.)

Sonntag. Jetzt so gegen 20 Uhr.
Ein milder Abend.
Heute musste/wollte ich Musik machen.
Oder besser gesagt: Ich habe mich mit dem Laptop in den Park gesetzt – an einen alten Holztisch im Grünen, Kopfhörer auf, "Sonne" im Gesicht – und so getan, als würde ich mich mit Musik auskennen.
Ich brauche sie ständig – für Reels, Clips, Gedanken, Stimmungen –
und trotzdem bin ich musikalisch ungefähr auf dem Level eines Volksschul-Krippenspiels:
„Jingle Bells“, zwei Finger, vielleicht sogar ein Pedal.
Wenn's hoch kommt, vielleicht noch „Stille Nacht“.
Mit viel Gefühl. Und eher langsam.
Aber ich liebe Musik. Ich bin ein wandelndes Lexikon –
nur halt ohne praktischen Teil.
Komponieren? Fehlanzeige.
Aber dafür gibt’s ja Musik aus der Dose.
Nicht Gulasch. Nicht Coke Zero.
Sondern kunstvoll abgefüllte Emotionen aus dem Internet – von Menschen, die scheinbar wissen, wie Sonnenuntergänge klingen.
Ich suche also einige Zeit in Plattformen, die versprechen:
High quality – no copyright – full emotion.
Und ich höre mich durch Kategorien wie
„Hopeful Acoustic Breeze“,
„Warm Urban Chill“
oder
„Corporate Happiness No. 7“.
Und dann – irgendwo zwischen „Cinematic Lo-Fi Sunrise“ und „Dreamy Ukulele“ – passiert’s:
Ich bleib hängen.
Nicht nur an einem Song.
Sondern in diesem Moment.
Irgendwann wurde es kühler, ich bin heimgegangen. Jetzt sitze ich hier.
Die Art von Sonntag, an der man entweder nichts macht, mit Menschen abhängt, die einem wichtig sind – oder sich mit Musik beschäftigt.
Es ist dieser Zustand.
Fast schon kurz vor „Jetzt wär’s eigentlich Zeit fürs Bett“ –
und doch sitzt man noch da.
Nicht müde genug, um zu schlafen.
Nicht wach genug, um noch was Großes zu starten.
Ich nenn das: Nur kurz wach sein.
Man schaut ein bisschen aus dem Fenster, obwohl draußen gar nichts passiert.
Man hört Musik, ohne wirklich zuzuhören.
Und man scrollt durch Gedanken, wie andere durch Instagram –
nur ohne Like-Button.
Und manchmal bleibt man an einem Gedanken hängen,
der sich gut anfühlt.
Oder weh tut.
Oder einfach nur… da ist.
Vielleicht ist das genau der Zauber dieses Zwischenraums.
Kein Drama. Kein Plan. Kein Ziel.
Einfach nur kurz da sein. Bei sich.
So wie ein innerer Pausenhof,
auf dem die Gedanken ohne Aufsicht herumrennen dürfen.
Manche klettern aufs Klettergerüst.
Andere essen Kreide.
Und wieder andere machen ein Reel daraus.
Denn manchmal geht’s nicht darum, sofort zu wissen, wie’s weitergeht.
Sondern nur darum, für einen Moment einfach nicht mitzumüssen.
Nicht funktionieren. Nicht liefern. Nicht entscheiden.
Nur kurz wach sein.
Und merken, dass man lebt.
Vielleicht mach ich später noch Pasta.
Vielleicht geh ich einfach schlafen.
Vielleicht schneid ich doch noch das Reel fertig.
Oder ich scroll noch einmal durch die Musikdatenbank auf der Suche nach dem perfekten Klang für einen Gedanken,
den ich noch nicht ganz denken kann.
Ich sag, wie’s ist:
So ein Abend, an dem man mit Musik aus der Dose und Gedanken aus dem Nichts sitzt,
ist manchmal der schönste Beweis,
dass man auf dem richtigen Weg ist –
auch wenn man gerade stillsteht.



Kommentare