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Heute war ich kurz Kindergarten-Assistent.


Manchmal läuft der Tag einfach gut.

Die Präsentation war vorbei – gelungen, charmant, souverän (ja, Eigenlob darf heute mal sein) – und ich war auf dem Weg zurück ins Homeoffice.

In Gedanken schon halb beim nächsten Projekt, biege ich um die Ecke – und sehe ein kleines Mädchen, das weint.

Daneben eine Frau, die versucht zu trösten.

Ein Bild, das man tausend Mal am Tag irgendwo sieht.

Nichts Dramatisches. Dachte ich.


Bis ich die ganze Szene begriffen habe: eine Kindergartengruppe.

Zwei Pädagoginnen. Vielleicht fünfzehn Kinder.

Und das Problem war sofort klar: Alle Kinder mussten sich zu zweit an den Händen halten – nur eines stand da.

Ohne Partner.


Und das, sind wir ehrlich, geht gar nicht klar in dieser Lebensphase.

Alle haben jemanden – nur du nicht?

Da bricht für einen Moment die Welt zusammen.

Ich hab kurz überlegt, ob ich mich da jetzt einmischen darf, aber das kleine Mädchen stand da – die Lippe zitternd, mit diesem Blick, der sagt: „Alle außer mir.“


Also ging ich kurz zu den Pädagoginnen, ganz vorsichtig (weil, seien wir ehrlich, ein erwachsener Mann, der einem fremden Kind plötzlich die Hand reicht – das kann heutzutage schnell nach hinten losgehen).


Ich hab also freundlich gefragt:

„Entschuldigen Sie, darf ich kurz einspringen? Ich hab zufällig zwei Hände frei.“

Sie lachen – und das kleine Mädchen schaut mich an, als hätte ich gerade das letzte Stück Schokolade der Welt hervorgezaubert.


Und zack – war ich für fünf Minuten Kindergarten-Pädagoge auf Zeit.

Wir überquerten die Straße, ganz professionell.

Sie hielt meine Hand fest, und ich merkte, wie ihr Schluchzen aufhörte.

Nach ein paar Schritten fing sie sogar an, zu hüpfen.

Ich bin also mitgehüpft – was soll man machen, wenn man seinen Job ernst nimmt?


Im Park angekommen, sagte die eine Pädagogin:

„So, jetzt sind wir wieder vollständig. Vielen Dank, das war sehr nett von Ihnen!“

Ich wollte gerade gehen, da meinte die Kleine mit Nachdruck:

„Spielst Du noch ein bisserl mit uns?“


Ich musste lachen.

„Ich würd ja gern, aber ich muss weiter – sonst weint vielleicht bei mir auch gleich jemand.“


Sie grinste, winkte – und schwups war sie sowieso schon wieder bei ihren Freundinnen.

Und ich ging weiter, ein Stück leichter als vorher.

Vielleicht, weil ich für ein paar Minuten wieder gesehen hab, wie einfach die Welt sein kann, wenn man sie durch Kinderaugen betrachtet.

Da geht’s nur darum, ob jemand da ist, der deine Hand hält.

Mehr braucht’s manchmal gar nicht.


Ich sag, wie’s ist:

Heute war ich kein Head of Marketing kein Kreativdirektor, kein Konzeptentwickler, kein Präsentationsheld.

Heute war ich einfach nur kurz jemand, der eine kleine Hand gehalten hat –

und das war wahrscheinlich das Wichtigste, was ich den ganzen Tag gemacht hab.

 
 
 

1 Kommentar

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Lisa
15. Okt. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

😀🤗

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