Kling, Glöckchen, Boyband, Chopin.
- Christoph

- 19. Juni 2025
- 5 Min. Lesezeit
(Weil ein Flügel nie ganz leise bleibt.)

Freunde, Freunde, Freunde…
Bevor es losgeht, denk ich diese Geschichte, der Tag gibt so viel her, dass ich mir überlege mehrere Folgen zu machen. Unter Vorbehalt.
Ich war unterwegs. Nicht weit. Aber weit genug, um mich in einem Wohnzimmer wiederzufinden, das klingt wie ein kleiner Konzertsaal. Denn an diesem Nachmittag – oder sagen wir: frühen Abend – durfte ich eine Musiker:innenfamilie kennenlernen. Vater Pianist. Mutter Cellistin. Beide Berufsmusiker, beide mit Bühnen-Erfahrung, die auf mindestens drei Kontinenten gesammelt wurde. 2 Kinder – sichtlich hochbegabt, aber lieb.
Wir waren beide zu Besuch – also sie und ich.Also ich nicht bei ihnen. Sondern alle gemeinsam woanders. Das macht’s irgendwie entspannter.
Ein Wohnzimmer, ein Flügel, ein paar Snacks.Und plötzlich ist man mittendrin in Gesprächen über Orchesterreisen, Probenpläne, französische Konzerttouren und Flugverspätungen mit Cello im Übergepäck.
Die Kinder spielen am Flügel als wäre es nix, wie man so schön sagt. Ich höre hin, konzentriert. Dann sag ich’s einfach, weil mir endlich ein Licht aufgeht:
„Das ist doch das Nocturne Nr. 2 in Es-Dur, oder? Das erkenne ich tatsächlich!“
Alle nicken. Ich setz noch einen drauf: „Chopin war übrigens lange auf Mallorca. Ich war in seinem Zimmer.“Die Mutter lacht und sagt nur:„Ah geh…“
Nach einer kurzen Pause fragt mich Mama: „Und Lieblingskomponist…?“
Ich sag.. “Naja, Chopin da komm ich noch mit, manchmal…Franz Liszt für den bin ich bei 80% der Stücke zu blöd…ja und eine Eigenkomposition mag ich da werden sie aber die Komponistin nicht kennen und ich weiß den Namen des Stückes nicht…ja und ich mag Einaudi…“
Die Mutter wieder ganz kurz wie gelangweilt: „Ah ok, Einaudi…“ Kam nicht so gut, denk ich ;-)
Um nicht ganz so blöd dazustehen denk ich mir „Gut dann pack ich noch einen drauf“
Ich spüre: Jetzt muss ich mich bekennen.
„Ich war übrigens auch mal in einer Band. Eine Boyband. Zwei Auftritte – Aula und Kaufhaus. Dann war die Karriere abrupt zu Ende.Vermutlich wegen... naja: mangelnder Stimme, fragwürdiger Moves und eher zurückhaltender Ernsthaftigkeit.“
Der Vater schaut mich an wie ein Dirigent, der gerade ein Tamburin auspackt.Die Kinder schauen höflich interessiert. Die Mutter grinst.
Ich denke: „Weiter mit der wilden Fahrt…wenn schon denn schon!“ und hole zu einem Mini-Monolog aus.
„Wir hatten zuhause übrigens auch einen Flügel. Einen alten Stutzflügel – ich glaube von Bösendorfer. So verstimmt, dass jeder halbwegs talentierte Klavierbauer beim Versuch, das Teil zu stimmen, vermutlich physikalische Gesetze verletzt hätte.“
„Dann kam natürlich – wie bei jedem Pubertierenden – die Gitarre.Warum? Lagerfeuer. Mädchen. Man war automatisch der Coolste mit G, C und D.“
Ein gelungenes Fressen sichtlich.
Eines der Kinder, so ca. 14 Jahre, “Smoke on the Water, Deep Purple.?”
Ich sichtlich ertappt: „Ja bis jemand auftauchte, der ein C7 konnte. Da braucht man glaube ich 4 Finger, keine Ahnung, aber ab dann blieb mir nur noch mein Humor. Und meine Geschichten. Hat zumindest für einen Spaziergang zu zweit gereicht und ein Bussi, wenn ich all meinen Mut..naja ihr wisst schon.“
„Und dann – viele, viele Jahre später – kam ich wieder zurück zur Musik. Warum?
Weil wieder mal ein Klavier da war. Und plötzlich hatte ich Lust.Lust, zu spielen. Einfach so. Es begann zaghaft – wie alles, was man spät noch einmal anfasst. Und so wurde ich – ganz organisch – zum Weihnachtsmusik-Experten.
Ein Bereich, in dem ich mich heute mit Stolz zu den besten Zwei-Finger-Spielern der westlichen Hemisphäre zähle.“
Und dann passiert’s: Eines der Kinder steht auf, setzt sich wieder ans Klavier und sagt:„Willst du mal? Ich zeig dir, wo das C ist.“
Ich gehe mit. Setze mich. Schau auf die Tasten wie auf ein Sudoku in fremder Sprache. Dann: Zwei-Finger-Technik – „Leise rieselt der Schnee.“
Ich verkünde, während ich mich zu meinem „Publikum“ nach hinten drehe, als könnte ich spielen, ohne auf die Tasten zu sehen.
„Ich bin ausgewiesener Weihnachtsmusik-Experte.
Mein Repertoire ist saisonal extrem fokussiert. Kling Glöckchen, Jingle Bells, Ihr Kinderlein kommet. Wenn’s leise und scheppernd ist, kann ich’s. That´s the way it is! Übrigens auch cool am Klavier von Bruce Hornsby. Ist aber nicht weihnachtlich.“
Die Mutter wieder kurz: „Bruce..wer?“
Ich, auch mal kurz: „Egal“
Der Vater lehnt sich zurück:
„Technisch ist da... naja Luft nach oben. Aber expressiv? Da steckt was drin.“
Ich antworte: „Geben Sie mir einen Notenständer, einen Rollkragenpullover und ein bisschen weihnachtliche Beleuchtung – und ich geh viral.
Übrigens – irgendwo auf den Socials gibt’s wirklich ein kurzes Weihnachtskonzert von mir, nicht in Spielfilmlänge aber reicht für YouTube Shorts.Ich müsste es suchen. Das wäre der Beweis! Ich könnt es nochmal posten – das würde sicher durch die Decke gehen.
Aber dann bräuchte ich natürlich eine Managerin.Einladungen in Talkshows, Flüge und Hotels buchen…Für das Gespräch mit Barbara Rett auf ORF III bereite ich mich aber selbst vor.Ich komm ja aus der Kommunikation.“
Ich höre schon Barbara Rett: „Wie kam’s zu der Leidenschaft für Weihnachtsmusik?“Meine bereits festgelegte Antwort im Kopf: „Ach wissen Sie, alles begann mit einem alten Bösendorfer-Flügel im Elternhaus…“So einfach geht das.
Alle lachen, ein Kind fragt: „Wer ist Barbara Rett?“
Ich antworte in der üblichen Länge der Mutter: „Nicht wichtig.“
Die Boyband-Vergangenheit?
Die würde ich im Interview vermutlich auslassen. Obwohl – ich bin ja mit NKOTB groß geworden.Und mein Buchtitel steht auch schon: Never forget (where you have coming from) – ja, das ist von Take That. Und dort singt spielt und komponiert der wunderbare Gerry Barlow, und ganz zu schweigen von Robbie Williams, der wie wir alle wissen, ja auch eine Zeit lang Bandmitglied war.
Der Vater: „So, so NKOTB..kenn ich auch. New kids on the block.
“The right stuff..bambambababam the right stuff”
“Nicht nur das” antworte ich. „Wie alle guten Boybands haben die auch Weihnachtssongs: „This one´s for the children“ zum Beispiel“
Wussten Sie das dort Donnie Wahlberg mit dabei ist…für die Jüngeren auch bekannt durch die Fernsehkrimiserie „Blue Bloods“ da ist auch Tom Selleck dabei „ Magnum“ sie wissen schon, der Detektiv aus Hawaii mit dem Ferrari…“
Die Mutter: „Ich klink mich aus.“
Die jüngere der beiden Schwestern: „Kennen Sie Peter Bence“
Ich: „Natürlich kenne ich Peter Bence, spielt auch zb: ein Cover von Toto..Africa…nebenbei die haben glaube ich 6 Grammys..also Toto nicht Peter Bence und er spielt auch Covers von Queen, du weißt schon Freddie Mercury. “
Der Vater mischt sich ein: „Ich glaube Kinder, wir sollten mal was essen.“
Freunde, Freunde ich sag´s euch…In jedem Fall, der Tag war der Hammer und ich könnte erzählen….
Aber was zeigt´s: Ich bin eher ein musikalisches Lexikon als ein Virtuose.
Aber es reicht. Für den Zauber eines Nachmittags. Für den Charme eines leichten Lieds. Und für ein C auf der Tastatur.
Ich sag’s, wie’s ist: Manchmal passt ein gut gelaunter Nachmittag mit einer Musiker:innenfamilie, ein Chopin-Nocturne und ein Flügel im Wohnzimmer, um daran erinnert zu werden: Musik verbindet.
Auch wenn man nicht alle Tasten kennt und im Schrank hat ;-)



Ich sag nur Malloth Original😂
So findet man ihn wieder. Wie kommst du auf solche Geschichten? Wobei deswegen haben wir dich in der Agentur immer so gefeiert 👍 Wir sehen uns alle hoffentlich mal. Ich kann was organisieren. LG Birgit