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Die absolute Königsdisziplin

(Oder: Allein abends im Restaurant essen. Wer das kann, schafft alles.)

Freunde, Freunde, Freunde!

Weil´s mir gerade einfällt. Vor ca. 2 Wochen ruft mich eine Bekannte an.

Wir plaudern ein bisschen – über alles Mögliche: das Wetter, Männer, und darüber, dass man inzwischen für eine mittelreife Avocado fast einen Bausparvertrag braucht.

Und dann fragt sie plötzlich:

„Sag mal, wo bist du eigentlich gerade?“

Ich: „Beim Essen.“

Sie: „Aha! Und… mit wem?“

Ich: „Mit mir.“

Pause.

Dann kommt’s – mit echtem Entsetzen in der Stimme:

„Alleine? Im Restaurant?! Am Abend?! Das könnte ich ja nie…“

Als hätte ich ihr gerade gesagt, ich sitze nackt in der U-Bahn und stricke mir ein Stirnband aus alten USB-Kabeln.


Ich lache.

„Warum nicht?“


Und sie sagt (und das muss man sich vorstellen mit leicht dramatischer Stimme und einem Hauch Rosé im Blut):

„Ich würd mich fühlen wie das einzig unverheiratete Einhorn auf einer italienischen Hochzeit. Alle um mich herum in Paaren, mit Wein, Gelächter, geteilten Antipasti – und ich allein mit meinem Besteck. Ich würd denken, der Kellner will mir Mitleid schenken und der Nachbartisch adoptiert mich gleich aus Solidarität. Nein, ehrlich. Ich würd mich fühlen wie ein zurückgelassener Koffer auf dem Gepäckband

"Irgendwie wie Steve Martin in ein Single kommt selten alleine!"

Ich hab wieder gelacht.

Und dann gesagt:

„Ehrlich? Für mich ist das nix Besonderes. Fast ein Statement.“


Denn wer abends alleine essen gehen kann – in einem richtigen Restaurant, mit Stoffserviette, gedämpftem Licht und Menükarte mit mehr als drei Seiten –

der hat’s geschafft.

Das ist nicht Essen.

Das ist Selbstwirksamkeit in Soßenform.

Das ist die Champions League der inneren Unabhängigkeit.


Da sitzt man – mit Würde und Haltung – wie der CEO seiner eigenen kleinen Abendgesellschaft.

Man bestellt, was man will. Teilt nichts. Redet mit niemandem. Und genießt.

Man ist nicht einsam – man ist exklusiv.


Die meisten Menschen brauchen einen Anlass, um auszugehen.

Einen Geburtstag. Ein Date. Eine Ausrede.

Ich sag: Der Anlass kann auch einfach „Ich hab Appetit“ heißen.


Und klar:

Am Anfang fühlt es sich komisch an – wie der erste Tag im Fitnessstudio ohne Trainer, wie ein LinkedIn-Post ohne Purpose oder ein Aperol ohne Eis.


Aber irgendwann merkst du:

Niemand schaut. Niemand urteilt. Niemand fragt: „Kommt da noch jemand?“

Du bist da.

Ganz.

Mit dem Blick aufs halbvolle Glas – und dem Bauchgefühl:

„Ich brauch hier niemanden. Außer vielleicht noch ein Dessert.“


Meine Bekannte sagt irgendwann:

„Also… wenn du Lust hast… ich bin grad eh ums Eck. Ich könnt dazustoßen?“

Ich grinse.

„Nur wenn du deine eigene Serviette mitbringst.“

Marketing-Insider. Sie versteht’s.


Ich sag’s, wie’s ist:

Allein essen gehen ist kein Statement. Es ist eine Superkraft.

Eine, die nicht jeder sieht – aber die dir zeigt:

Du brauchst kein Gegenüber, um dir selbst einen schönen Abend zu machen.

Und das, meine Freunde, ist wahre Unabhängigkeit außerdem geh ich ja nicht jeden Tag alleine essen.


 
 
 

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