Wenn Lautstärke eine Währung wäre, hätten wir den Grund für die Inflation
- Christoph

- 2. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Weil ich nun mal sehr viel mit Social Media zu tun habe – und heute wieder so ein Tag war, zwischen Strategie, Konzept und der großen Frage, was eigentlich mit uns, mit Marken und der Kommunikation passiert – bin ich bei einem Gedanken hängen geblieben:
Es ist schon erstaunlich, wie oft wir den Lautesten das Mikrofon in die Hand drücken. Nicht den Klügsten, nicht den Erfahrensten – nein, den Lautesten. Denen, die Sätze nicht zu Ende bringen müssen, weil schon die Lautstärke (und damit meine ich nicht immer Dezibel) reicht, um Applaus zu bekommen. Und während sie reden, nickt irgendjemand, weil es ja so überzeugend klingt, wenn jemand den Brustkorb als Resonanzkörper nutzt.
Wird ihnen das Mikrofon dann irgendwann entzogen – vielleicht, weil man merkt, dass man auf Dauer nicht vom Lautsein allein satt wird –, dann beginnt die beleidigte Tour. Sofort. „Zensur!“, „Die Wahrheit darf nicht ausgesprochen werden!“, „Man will uns mundtot machen!“ – das ganze bekannte Repertoire. Das machen Marken genauso wie Menschen.
Und wohin verschwinden sie dann? Oder wem wenden sie sich dann zu? Genau dorthin, wo nur noch die sitzen, die ohnehin glauben, was sie hören wollen. Halbgebildete unter sich. Ein Ort der Gleichgesinnten. Dort braucht es keinen Diskurs mehr, keinen Widerspruch, nicht einmal ein echtes Argument. Nur eine(n), der /die vorgibt, es zu wissen. Woher – das fragt keiner. Aber es klingt so vertrauensvoll, spricht mir scheinbar aus der Seele. In Wahrheit schürt er/sie nur weiter Angst. Da reichen Halbwissen, ein weiterer Schuss Panik und ein paar markige Sprüche. Irgendetwas davon trifft bestimmt, und wenn nicht, dann wird es so lange wiederholt, bis es sich wie Wahrheit anfühlt. In den Sozialen Netzwerken tauchen die so oft auf bist du sie mal klickst. (und wenns kein Mensch ist, dann machts der Algorithmus)
Und alle hinterher, wie Lemminge ins Meer. Kein Blick nach links, keiner nach rechts. Keine Frage, ob die Richtung überhaupt stimmt.
Vielleicht, nur als Gedanke, wäre es an der Zeit, die Mikrofone einzusammeln. Nicht alle, nur die, die ständig auf Anschlag gedreht sind. Und sie stattdessen dorthin zu geben, wo wirklich Diskurs stattfinden kann. Wo man zuhört. Wo man widerspricht.
Wo wir ALLE (ja auch ich) auch mal aushalten müssen, dass die eigene Meinung nicht immer das letzte Wort hat.
Ich sag, wie’s ist:
Am Ende ist Lautstärke (und das bezieht sich eben nicht nur auf Dezibel) keine Kompetenz. Und Halbwissen kein Fundament.



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