top of page

Manchmal hilft ein Wald

Aktualisiert: 6. Okt. 2025


Ich sitze da und denke nach. Alles nervt. Alles ist ein bisschen zu laut, ein bisschen zu grell, ein bisschen zu… alles. Die Gedanken springen wie die Vögel draußen auf dem Dach. Ich überlege kurz, mich zu verkriechen, aber die Couch wird mir heute nicht helfen. Also beschließe ich spontan: ich gehe in den Wald.


Schon der Gedanke allein macht etwas mit mir. Ein Ort, an dem die Regeln der Stadt nicht gelten, an dem Autos hupen und Ampeln rot blinken weit, weit weg sind. Ich stehe auf, schnappe meine Jacke, und während ich zum Auto gehe, stelle ich mir vor, wie ich dort einfach sitzen könnte, die Gedanken ein wenig auslüften lasse.


Der Wald empfängt mich wie ein alter Freund, gleichzeitig vertraut und ein bisschen verschmitzt. Die Sonne bricht durch die Bäume wie flüssiges Gold, kleine Blätter wirbeln im Wind wie Konfetti. Überall zwitschert es, aber auf eine so eigenartige Weise, dass ich kurz denke, die Vögel spielen mir ein kleines Konzert, jeder mit seinem eigenen Instrument. Ein Eichelhäher hüpft wie ein Dirigent von Ast zu Ast, während ein Eichhörnchen fast choreografiert Nüsse von Zweig zu Zweig jongliert.


Ich gehe weiter, und da liegt ein umgestürzter Baum quer über den Weg, mit Moos bewachsen, das aussieht wie ein grüner Teppich, auf dem kleine Käfer wie winzige Tänzer ihre Runden ziehen. Ich muss lachen über mich selbst: Wie ernst ich alles vorher genommen habe, während hier die Natur ihre eigenen kleinen Dramen aufführt.


Ein kleiner Bach plätschert vorbei, glitzert im Licht wie flüssiger Kristall. Ich knie mich kurz hin, sehe die Fische, die kaum größer als Daumen sind, wie sie flink ihre Bahnen ziehen, und frage mich, ob sie sich über meine Gedanken lustig machen oder einfach nur glücklich sind, dass ich still bin.


Dann entdecke ich einen kleinen Pilz am Wegesrand. Seine Form, seine Farben – für einen Moment scheint er mir wie ein winziger Hutmacher, der in aller Ruhe seinen Waldstaat regiert. Ich lache leise in mich hinein: Nur hier, in diesem Wald, kann ein Pilz so viel Persönlichkeit entwickeln, dass ich mir Geschichten über ihn ausdenken kann.


Und dann wird mir wieder klar: Dieser Wald ist nicht irgendein Wald. Nicht irgendein Ort, den man zufällig betritt, um kurz dem Alltag zu entkommen. Dieser Wald ist etwas Besonderes für mich. Er lässt mich wieder klar atmen, lässt mich lachen über die kleinen skurrilen Dinge, die mir sonst vielleicht entgehen würden, (obwohl welche kleinen skurrilen Dinge entgehen mir 😂) und gibt mir die Ruhe, die ich manchmal dringend brauche.


Genug Kraft getankt, um dann am Nachmittag ein Telefonat mit einer Studentin zu führen, warum Sie ein "Gut" und kein "Sehr gut" auf ihre Arbeit bekommen hat. Als ob mir das nicht schnurz-piep egal ist. Ich werde drüber nachdenken..😂 Heute nicht....


Ich sag, wie’s ist:

Heute war ein Tag, an dem alles ein bisschen zu viel war – bis ich im Wald war..

 
 
 

3 Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Elli
11. Okt. 2025

Was für eine schöne Geschichte. Könnte ich die Dinge nur auch so sehen wie du….Im Moment ist alles nur irgendwie grau… LG

Gefällt mir

Dana
05. Okt. 2025

Hallo Christoph! Und wo ist der Wald, wenn ich fragen darf..😉

Gefällt mir
Christoph
07. Okt. 2025
Antwort an

Im Süden von Wien…Nicht weit von der Stadtgrenze

Bearbeitet
Gefällt mir
bottom of page