Das Meeting, bei dem nur das Essen funktionierte.
- Christoph

- 9. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Ich hab mich letztens wieder daran erinnert – warum, weiß ich selbst nicht.)

Freunde, Freunde, Freunde
Ich hab gestern was bestellt und da hab ich mich zwangsläufig an Folgendes erinnert: Manchmal ist die eigentliche Agenda eines Meetings ist nicht das Projekt, sondern die Essensbestellung.
Es beginnt harmlos:
„Asiatisch für alle?“
Allgemeines Nicken.
Ich bin erleichtert.
Ich mag Asiatisch.
Nur kein Koriander. Wirklich.
Nicht aus Prinzip, sondern weil mein Gaumen jedes Mal denkt, ich lutsche auf einem Stück Seife.
Dann geht’s los:
Paul will „nur was Leichtes“.
Julia isst kein Fleisch, aber „kein Problem, wirklich nicht, ich find schon was“.
Der IT-Kollege wünscht sich „was Scharfes, aber ohne Knoblauch“.
Lisa sagt: „Ich nehm einfach das, was Christoph nimmt.“
Und ich denk mir: Mist.
Weil ich selbst noch gar nicht weiß, was ich nehmen soll.
Ich studiere die Karte, als wär’s ein Bewerbungsgespräch.
Nach kurzem inneren Ringen bestell ich dann das Übliche:
Rindfleisch. Extra Gemüse. Kein Koriander.
Verlässlich wie mein Terminkalender.
Und dann kommt sie:
Die verhängnisvolle Frage vom Lieferdienst:
„Alles mit Koriander, ja?“
Ich antworte so schnell, wie andere Leute ja zur Gehaltserhöhung sagen:
„Auf keinen Fall. Für mich: bitte komplett ohne.“
Der Kollege vom Controlling murmelt:
„Ich wusste gar nicht, dass man gegen Koriander so viel Leidenschaft entwickeln kann.“
Trotzdem – alles läuft.
Dann kommt das Essen.
Duftend. Wärmend.
Irgendwas ist trotzdem falsch geliefert.
Lisa hat plötzlich das mit Huhn.
Ich das mit Tofu.
Julia isst beides.
Paul fragt: „Wer hat das extra-scharf bestellt?“
Niemand antwortet.
Und genau da – zwischen zu viel Sojasoße, geteilten Frühlingsrollen und einem Korianderblatt auf meiner Serviette – denke ich mir:
Das ist es doch. Das ist Team-Building.
Nicht das Moodboard.
Nicht die Ziele.
Nicht der Change-Prozess.
Sondern dieser eine Moment, wo jemand sagt:
„Sorry, das war mein Essen. Aber wenn du willst, tausch ich.“
Ich tausch.
Nicht weil ich muss.
Sondern weil es das ist, was man macht, wenn man gemeinsam durch die Schlachtfelder moderner Menüauswahl gegangen ist.
Und dann – der Moment der Wahrheit:
Die Glückskekse.
Alle warten.
So tun, als wären sie ihnen egal.
Und dann doch: Rascheln. Knacken.
Lesen. Lächeln.
Martina:
„Jemand denkt heute ganz besonders an dich.“
Kollektives Awwww.
Paul:
„Heute ist der Tag, an dem du etwas wagst.“
Er grinst: „Ich hab vor, gleich zu kündigen.“ (Tat er nicht.)
Ich öffne meinen.
Ein bisschen klebt noch Sojasauce dran.
Der Spruch:
„Du führst mit ruhiger Hand, aber niemand weiß wohin.“
Pause.
Dann lautes Gelächter.
Lisa: „Passt. Das ist Christoph. Unser Leader ins Ungewisse.“
Ich sage:
„Ich nenn es exploratives Leadership.“
Wieder Gelächter.
Wieder ein Glückskeks.
Diesmal ohne Botschaft. Nur leer.
Ich sag: „Das ist für HR. Die wollten eh eine klare Aussage.“
Und so endete das Meeting nicht mit einem Beschluss,
sondern mit einer gemeinsam ausgelöffelten Kokosmilch-Suppe,
einem seltsamen Zettel
und der stillen Übereinkunft:
Wir bestellen nie wieder alle gemeinsam.
Habe ich mir damals gedacht.
Und ob so ein Chaos-Meeting wirklich noch einmal passiert ist?
Daran will ich mich lieber nicht erinnern.



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