Montag. Der mit dem schlechten Ruf.
- Christoph

- 24. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
(Oder: Wenn wir zu früh abschalten.)

Freunde, Freunde, Freunde...
Ich lass mal jetzt den heutigen Dienstag. Ich muss nochmal zu Montag zurück...😀
So wie ein Gespräch einfach abbricht –
wie ein Browser-Tab, den man versehentlich schließt.
Ohne zu speichern.
Genau so verabschiedet man sich manchmal auch von Tagen.
Oder Menschen.
Vielleicht sogar, wenn man gerade nachdenkt,
eine WhatsApp tippt,
die man dann doch nicht abschickt.
Und wenn doch – dann bleibt’s oft bei einem großen Fragezeichen.
Was war das jetzt?
Ein Abschluss?
Oder kommt da noch was?
Montage sind wie Menschen. Sie können’s einem leicht oder schwer machen.
Und wir ihnen auch.
Und Montage haben da halt ein echtes Imageproblem.
Wir projizieren hinein.
Unsere Erwartungen.
Unsere Müdigkeit.
Unsere Sehnsucht nach Wochenende.
Unsere To-dos.
Unsere Deadlines.
Und dann steht er da.
Montag.
Der Kick-Off der Woche.
Mit all dem Druck, alles besser, schneller, organisierter zu machen.
Ein klassischer Fall von: „Wir wollten Content-Kingdom, aber bekommen erstmal Chaos-Keller.“
Ja, er hat mich enttäuscht. Und ja – vielleicht habe ich ihn auch enttäuscht.
Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich ihn gar nicht richtig gesehen.
Weil ich so viel erwartet habe.
Wie von Menschen, bei denen man insgeheim will, dass sie dich retten, inspirieren, überraschen.
Und dann stehen sie halt da... und sind einfach nur sie selbst.
Oder halt Montag.
Wir haben oft völlig skurrile Erwartungshaltungen.
Wie zum Beispiel, dass jemand, der „gern kocht“, automatisch auch romantisch ist.
Oder dass man best friend ist, nur weil man einmal gemeinsam betrunken war und denselben Song gut fand.
Oder dass wenn man jemandem ein Glas Wasser bringt, er automatisch „weiß, was man fühlt“.
(Nein. Weiß er nicht. Es ist einfach nur Wasser.)
Der Montag war vielleicht überfordert mit mir.
Und ich mit ihm.
Aber – und jetzt kommt’s:
Wenn ich genau hinschaue – wirklich genau –
dann waren da Dinge.
Momente.
Gute sogar.
Ein kleines Gespräch bei Müller mit der Verkäuferin an der Kassa –
über Brillenputztücher.
Ich hab keine kaufen wollen.
Sie hat meine Brille gesehen.
Und gesagt:
„Na, die brauchen Sie bestimmt... ich seh ja kaum meine eigenen Preise auf Ihrer Brille.“
Ich hab gelacht.
Und die Tücher gekauft.
Zwei Packungen. Sales-Skill 10/10.
Aber auch: Zwischenmenschlich 12/10.
Und dann diese Szene im Café am Vormittag, während ich auf mein Müsli gewartet habe:
Ein kleiner Junge, vielleicht vier Jahre alt, sitzt mit seiner Oma am Nachbartisch. Er schaut mich lange an, kaut nachdenklich auf einem Marmeladenbrot und fragt dann ganz sachlich:
„Bist du schon erwachsen oder musst du heute noch in die Schule?“
Ich konnte nicht anders als lachen.
Die Oma hat sich entschuldigt – ich hab ihr gesagt, das war mein schönstes Kompliment des Tages. Manchmal machen uns Kinder mit einem Satz wieder weich im Kopf – und weich im Herzen.
Dann kam eine Sprachnachricht.
Von einem Freund, gestrandet am Bahnhof.
Der Zug hatte eine Panne.
Er wartete auf ein Taxi.
Und währenddessen?
Übte er österreichische Dialektphrasen –
falls ihm wieder mal jemand so richtig auf die Nerven geht.
Er ist Deutscher.
Und ich liebe diese Mischung aus Hilflosigkeit und Humor.
War der Montag also wirklich so schlecht? Oder habe ich einfach falsch hingeschaut?
Vielleicht ist es wie mit Menschen.
Manchmal gehen sie,
werden verabschiedet,
manche verabschiedet man sogar so,
als hätte es sie nie gegeben.
Oder man behandelt sie wie einen Wochentag,
der einfach nicht ins System gepasst hat.
Aber dann, später –
wenn die Emotionen ruhiger werden –
sieht man sie in einem anderen Licht.
Weil sie eben doch da waren.
Und man durch sie etwas verstanden hat.
Oder wenigstens was gefühlt hat.
Vielleicht sollten wir nicht jeden Tag gleich werten.
Nicht alles sofort analysieren.
Vielleicht dürfen wir den Montag auch einfach im Herzen behalten –
nicht als Horror-Tag, sondern als:
*War doch gar nicht alles schlecht.*
Denn da war Lachen.
Ein gutes Gespräch.
Ein Glas Wasser.
Ein Blickkontakt.
Ein Brillenputztuch.
Ich sag, wie’s ist:
Der nächste Montag bekommt eine zweite Chance.
Und ich auch – vom Montag.
Denn wir dürfen lernen.
Verzeihen.
Nicht vergessen, aber ruhen lassen.
Nicht jede Erwartung erfüllt sich.
Nicht jeder Mensch bleibt.
Aber vielleicht…
kommt auch einer zurück.
Ein Montag.
Oder ein Mensch.
Ganz anders.
Oder einfach besser.
Weil wir inzwischen wissen, worauf es wirklich ankommt.



Montage sind meine Lieblingstage😁