Noch ein Wort übers Wetter und ich raste aus!
- Christoph

- 14. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Irgendetwas wird mich heute nerven, das spür ich schon beim Aufstehen.
Das Wetter? Sicher nicht.
Ich schau aus dem Fenster – blauer Himmel, Sonne wie frisch aus dem Katalog.
Und dann ging’s auch schon los…
8:00 Uhr – Bäcker
Der Tag riecht nach frischem Gebäck und warmer Hefe.
Vor mir zwei Damen in Neon-Sportjacken, die aussehen, als hätten sie gerade den Ironman gefinisht – in Wahrheit vermutlich nur den Weg vom Cabrio zur Tür bewältigt.
„So schön heut’, gell?“, sagt die eine.
Die andere nickt, als hätte man ihr gerade das Geheimrezept für ewige Jugend verraten. „Sonne pur!“
Ich nicke zurück, während mein Gehirn die Schlagzeile formuliert: Breaking News: Gelb am Himmel, exklusiv bei uns!
In mir der stille Gedanke: So fühlt sich’s an, wenn im Marketing alle dasselbe Kampagnenbild verwenden – und jeder so tut, als wär’s eine geniale neue Idee.
12:30 Uhr – Italiener
Mittagessen beim Italiener, zu dem ich musste, weil ein Kunde „spontan Zeit“ hatte.
Er bestellt Pizza Margherita, ich einen Pastasalat
Noch bevor das Mineralwasser am Tisch steht, schaut er sehnsüchtig in den Himmel:
„Also dieses Licht heute – das ist wie in der Toskana!“
Ich folge seinem Blick und sehe: eine Straßenbahnhaltestelle, ein Baugerüst, und einen Lieferwagen, auf dem „Installationen Müller“ steht.
„Ja“, sage ich. „Fast wie Siena.“
Er lächelt, als hätten wir gerade einen Imagefilm für einen rostigen Wasserhahn gewonnen. Ich denk mir: "Gibt´s kein anderes Thema?"
15:45 Uhr – Supermarkt
Kassa 4.
Die Dame vor mir wuchtet ein halbes Gemüsebeet aufs Band und sagt zur Kassiererin:
„So schön heut’, das tut der Seele gut!“
Die Kassiererin scannt einen Brokkoli und antwortet: „Ja, wie Urlaub!“
Ich steh da mit was auch immer – ich bin heute so drauf, dass ich nicht mal mehr weiß, was ich gekauft hab – und denk mir: Wenn das hier Urlaub ist, dann bin ich im falschen Katalog.
18:30 Uhr – Apotheke
Ich hole ein Medikament, das ich nehmen muss. Keine Wahl, kein Verhandeln.
Die Apothekerin tippt irgendetwas in den Computer, schaut dann über den Bildschirm hinweg und sagt mit strahlender Stimme:
„Und das Wetter ist doch herrlich, aber trügerisch – haben Sie schon an Ihr Vitamin D gedacht?“
Ich schaue sie an.
Draußen leuchtet der Himmel noch immer wie ein Instagram-Filter auf „Karibik-Plus“.
„Ich hab Tropfen dafür“, sag ich. In einem Ton, als könnte sie das wissen. „Mein Vitamin D kommt häufig höchstens vom Bildschirm. Ich weiß nur nicht, wie viele ich nehmen muss… weiß ich nie… und nein danke, ich nehm immer die gleichen.“
In der Sekunde entschuldige ich mich.
Und denk mir: Wirke ich genervt auf andere?
Sie lächelt wissend und legt irgendeinen Gutschein für eine Hautcreme zur Rechnung, als würde sie mir Eintrittskarten für die Met in New York schenken.
19:00 Uhr – Telefonat
Ein alter Freund ruft an.
„Du, ich sitz grad im Gastgarten – es is so herrlich heut’, die Luft, das Licht…“
Er beschreibt das Wetter mit der Leidenschaft eines Texters, der glaubt, er hätte gerade den Claim des Jahrhunderts erfunden.
Ich sitze drinnen, im Halbdunkel, das Fenster offen, höre irgendjemanden Rasen mähen.
Und denke: Ich muss raus. Wenn heute noch jemand übers Wetter redet, ziehe ich nach Norwegen, lass mir einen grauen Pullover stricken und verkaufe Postkarten mit Nebel drauf.
Ich sag, wie’s ist:
Sonne kann ein Segen sein – oder wie ein viel zu aufdringlicher Influencer: immer da, immer gut gelaunt, und irgendwann denkst du dir nur noch… blockieren.
Und ja – am Ende war’s doch das Wetter. Ich sag nur: Tage wie diese.



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